Kirche setzt auf den "Geist der Wahrheit"

Zeichnung/Karikatur zu Pfingsten mit Jesus, Jüngern, Taube und Flammen vom Himmel

© Fundus/EKHN

"Gottes Geistesblitze" gehören zu Pfingsten wie Taube und Feuer. Auf sie hoffen und vertrauen die Kirchen auch in diesem Jahr.

Pfingstbotschaften
Kirche setzt auf den "Geist der Wahrheit"
"Geistesblitz Gottes", vereinende und antreibende Kraft - in ihren Pfingstbotschaften haben die Kirchen an die Stärkung und Hoffnung durch das Geschenk Gottes zu diesem Fest erinnert.

Zu Pfingsten haben die großen Kirchen die Stärkung und Ermutigung der Christen im Geschenk des Heiligen Geistes betont. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, verwies auf die verbindende Kraft über alle Grenzen hinweg. Pfingsten zeige den "Heiligen Geist in Aktion", erklärte Papst Franziskus in Rom. Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, äußerte die Hoffnung, dass dieser Geist die Herzen der Gläubigen erfülle und in ihnen das Feuer der Liebe entzünde.

Bätzing sagte im Limburger Dom, Pfingsten sei die Initialzündung einer Kirche der Vielfalt, der vielen Sprachen, Kulturen, unterschiedlichen Biografien und Herkünfte: "Pfingsten geschieht nicht einmalig, es kann immer wieder geschehen, erhofft und erbetet, miteinander erwartet und von Gott geschenkt werden." Gottes Geist schaffe nicht nur einmal, sondern in einem fort Einheit, wo Trennung war. Warum solle nicht durch "den Geistesblitz Gottes" Neues entstehen, fragte Bätzing.

Kurschus verwies auf den "Geist der Wahrheit" als Gegenpol zu einer "Hochkonjunktur" der Lüge in Zeiten von Fakenews und Propaganda im Kriegsgeschehen. Falschnachrichten würden da "genüsslich verbreitet", beklagte sie: "Eine Lüge muss möglichst frech sein, dann gewinnt sie fanatisch überzeugte Leute, die ganze Stadien füllen."

In der biblischen Pfingstgeschichte wirke hingegen ein "Geist der Wahrheit", sagte die EKD-Ratsvorsitzende. "Dieser Geist kann gegenwärtig ein kostbares Geschenk sein, der nicht nach richtig oder falsch trennt, sondern Menschen unterschiedlicher Nationen, Religionen und Generationen miteinander verbindet."

Sich verstehen - über Grenzen hinweg

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ermutigte die Gläubigen, "an diesem Pfingstfest viel Geist zu tanken" und davon zu erzählen, "welche Lust es ist, eine Christin, ein Christ zu sein". Es sei "spielentscheidend", ob man mit dem Gefühl durchs Leben gehe, dass alles den Bach runtergeht, oder ob man glauben könne, dass selbst aus dem Bösesten noch Gutes entstehen könne.

Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Ralf Meister, bezeichnete das Pfingstfest als Symbol des Wandels und der Mitmenschlichkeit. An Pfingsten erführen die Menschen, "dass sie Menschen, die weit entfernt sind, verstehen und in ihrem Leid ernst nehmen - so wie uns heute der Krieg in der Ukraine immer wieder unter die Haut geht", erklärte Meister, der auch hannoverscher Landesbischof ist.

Der Berliner Bischof Christian Stäblein sagte in seiner Pfingstpredigt in Görlitz, Pfingsten sei ein "Hörfest". Man höre das "Brausen des Geistes" und die Versammelten in der Apostelgeschichte in allen möglichen Sprachen reden. Dabei erlebten sie "was beglückend ist: sie können die Sprachen, die sie brauchen, dass Menschen sie verstehen", sagte der evangelische Theologe.

Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten das dritte große Fest im Kirchenjahr. In Erinnerung an die in der Bibel geschilderte Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Menschen wird Pfingsten auch als "Geburtstag der Kirche" verstanden.

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