"Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung". Unter diesem Motto aus dem vierten Kapitel des Epheserbriefs steht die Gebetswoche in diesem Jahr. Erarbeitet wurde es, zusammen mit weiterem Material, von der Armenisch-Apostolischen Kirche.
In jedem Jahr wird rund um den Gedenktag der Bekehrung des Apostels Paulus weltweit für die Einheit der Christen gebetet. Wichtig ist dabei, dass nicht für die Einheit der Kirche, sondern eben für die Einheit der Christen gebetet wird. Es geht also nicht darum, dass sich wieder alle Christen in einer Kirche vereinen, sondern darum, dass sich die Christen der unterschiedlichen Konfessionen gegenseitig respektieren und die Vielfalt der Konfessionen nicht als Makel, sondern als Schatz gesehen wird.
Initiiert wurde die Gebetswoche Anfang des 20. Jahrhunderts – damals mit dem Zweck, dass alle Christen (wieder) zur Römisch-katholischen Kirche zurückkehren. Die vom Anglikaner Paul Wattson angestoßene Gebetswoche (nach dem damaligen Kalender der Römisch-katholischen Kirche zwischen den Gedenktagen der Apostel Petrus und Paulus) wurde von Papst Benedikt XV. im Jahr 1916 sogar für alle Katholiken verpflichtend.
Das sogenannte Oxford-Movement innerhalb der Anglikanischen Gemeinschaft suchte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wieder verstärkt nach den katholischen Wurzeln innerhalb der anglikanischen Konfession. Paul Wattson war auch einer der Mitgründer der Society of Atonement, einer franziskanischen Gemeinschaft und trat 1909, ein Jahr nach der ersten Gebetswoche zur Einheit der Förderung der Christen, zusammen mit seiner Gemeinschaft zur Römisch-katholischen Kirche über.
Alle Christen, nicht nur die Katholiken
Als 20 Jahre später in Lyon Abbé Paul Couturier die Idee einer Gebetsoktav für die Einheit aufgriff, wurde sie zur Gebetswoche zur Einheit der Christen. Couturier erkannte, dass es notwendig ist, dass alle Christen und nicht nur die Katholiken für die Einheit beten. Allerdings war es für sie natürlich nicht zumutbar, dass sie dafür beten sollten, dass sie alle katholisch werden. Daher wurde die Gebetswoche immer stärker auf die Einheit in der Vielfalt ausgerichtet. 1959 akzeptierte Papst Johannes XIII. für die Römisch-katholische Kirche diese Änderung.
Weitere Wurzeln der Gebetswoche liegen in den 1920er-Jahren, als der Vorbereitungsausschuss der ersten Weltkonferenz für Glaube und Kirchenverfassung eine solche Woche des gemeinsamen Gebets in der Pfingstzeit vorschlug. 1941 wurde der Termin dann auch in den Januar verlegt, um gemeinsam mit der Römisch-katholischen Kirche beten zu können.
Nachdem seit 1958 die Arbeit zur Gebetswoche miteinander abgestimmt worden ist, wird die Gebetswoche zur Förderung der Einheit der Christen seit 1966, infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils und dessen Öffnung hin zur Ökumene mit den anderen Konfessionen, nun von einer gemeinsamen Kommission des Vatikans und des Ökumenischen Rats der Kirchen vorbereitet.
1975 ging man dann zu der, bis heute geltenden Praxis über, dass das Material für die Gebetswoche von einer lokalen ökumenischen Gruppe vorbereitet wird.
Dazu finden weltweit verschiedene Veranstaltungen und Gottesdienste statt.
Jeden Abend ein anderer Vespergottesdienst
In Rom zum Beispiel werden jeden Abend Vespergottesdienste der unterschiedlichen Gemeinden gefeiert. So laden traditionell die Benediktinermönche von Sankt Paul die lutherische Gemeinde in die Basilika Sankt Paul vor den Mauern ein, um gemeinsam zu beten. In Sankt Paul vor den Mauern findet am Sonntag auch die große Abschlussvesper, die von Papst Leo XIV. geleitet wird und zu der Vertreterinnen und Vertreter aller in Rom zu findenden Konfessionen eingeladen sind, statt.
In Deutschland werden die Aktionen anlässlich der Gebetswoche von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) koordiniert. Am Sonntag findet der Abschlussgottesdienst in der Armenisch-Apostolischen Diözesankirche St. Sahak-St. Mesrop, der Hauptkirche der Armenisch-Apostolischen Kirche in Deutschland, in Köln statt.
Die Feier, an der Geistliche aus zehn Konfessionen teilnehmen werden, ist an die Liturgie des Lichthymnus der Armenischen Kirche angelehnt. Außerdem fand am 18. Januar ein gemeinsamer Gottesdienst der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland und der Evangelischen Allianz in Deutschland statt. Die Evangelische Allianz begeht ebenfalls im Januar ihre Gebetswoche, die am 18. Januar endete, wo die Gebetwoche des Ökumenischen Rats der Kirchen begann.
Im nächsten Jahr wird die Gebetswoche zur Förderung der Einheit der Christen aus Irland gestaltet. Nach jahrzehntelangen, teils blutigen, Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten ist der zwischenzeitlich geschlossene Religionsfrieden, infolge des Brexit, im Jahr 2021 wieder in Gefahr.


