Nachhaltige Bestatter suchen neue Standorte

Hände formen eine Schale, gefüllt mit Humus und einem grünen Pflanzensprößling

© pixabay/pexels

Verstorbene werden zu Erde und erst anschließend bestattet - das ist die Idee von "Reerdigung".

Pilotprojekt
Nachhaltige Bestatter suchen neue Standorte
Das bundesweit einmalige Pilotprojekt "Reerdigung" zur Kompostierung von Verstorbenen steht vor einer ungewissen Zukunft. Der bisherige Standort in Mölln wird aufgegeben. Gleichzeitig werden neue Orte gesucht.

Pablo Metz von dem Berliner Unternehmen Circulum Vitae sagte dem Evangelischen Pressedienst, von seinem Standort im schleswig-holsteinischen Mölln müsse sich das Projekt zurückziehen. Die örtliche Politik habe kein grünes Licht für den Bau eines notwendigen Gebäudes gegeben. Gleichzeitig betonte er, das Unternehmen wolle sein Angebot für die nachhaltige Bestattungsform zügig ausbauen. Es sei dazu mit dem Kirchenkreis Altholstein in "fortgeschrittenen Gesprächen", wo ein Gebäude in Aussicht stehe.

Bei einer "Reerdigung" liegt der Verstorbene 40 Tage lang in einem sargähnlichen Behälter, Kokon genannt. Körpereigene Mikroorganismen zersetzen den Körper zu Erde, die dann beigesetzt wird.

Im Februar 2022 war das Pilotprojekt auf dem Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde in Mölln an den Start gegangen. Das Berliner Unternehmen hatte die Friedhofskapelle bis März 2023 gemietet, um das Angebot zunächst mit einem Kokon zu testen.

Sechs "Reerdigungen" hat es dort bislang gegeben. Pastorin Hilke Lage bekam bereits Anfragen aus der ganzen Republik. "Wir finden diese Form der Bestattung total nachhaltig und schöpfungsgemäß und hätten das Projekt gern weiter unterstützt", sagte die Theologin.

Den Mietvertrag für die Möllner Kapelle wird Circulum Vitae voraussichtlich noch einmal bis Ende des Jahres verlängern. Das Berliner Unternehmen ist auch mit fast allen anderen Bundesländern im Gespräch für weitere Pilotprojekte.

Bei der "Reerdigung" wird der Leichnam 40 Tage lang in einem sargähnlichen Behälter aus Edelstahl, dem sogenannten Kokon, aufbewahrt. Körpereigene Mikroorganismen verwandeln den Inhalt des Kokons in dieser Zeit zu Erde. Übrig gebliebene Knochen- und Zahnreste werden gemahlen und der Erde wieder zugefügt. Die Angehörigen können dann entscheiden, ob die Erde in einem klassischen Sarg oder in einem Leinentuch beigesetzt wird.

Die Bestattungsform gilt als besonders nachhaltig, weil anders als bei der Feuerbestattung keine fossilen Brennstoffe benötigt werden. Der Behälter wird nach einer "Reerdigung" gereinigt und erneut verwendet. Eine "Reerdigung" kostet, ähnlich wie eine Feuerbestattung, um die 2100 Euro zuzüglich der Grabkosten.

 

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