Klage gegen Ex-Papst soll mündlich vor Gericht

Papst Benedikt XVI. - Relief im Dom zu Unserer Lieben Frau in München.

© epd-Bild/Norbert Neetz

Papst Benedikt - hier als Plastik verewigt im Dom zu München - wird in einem Gerichtsverfahren zur Last gelegt, dass er als Kardinal in München Missbrauchsvorwürfe gegen einen ihm unterstellten Priester nicht ernst nahm. Der Priester wurde nach München versetzt, nachdem er wegen sexuellen Missbrauchs Jugendlicher in Essen ertappt wurde.

Sexuelle Übergriffe nicht verhindert?
Klage gegen Ex-Papst soll mündlich vor Gericht
Eine Klage wegen sexuellen Missbrauchs durch einen Kleriker, die sich auch gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. richtet, soll vor dem Landgericht Traunstein mündlich verhandelt werden. Wie das Recherchenetzwerk Correctiv und der Bayerische Rundfunk (BR) am Montag mitteilten, hat das Gericht den 28. März als Verhandlungstag vorgeschlagen - die Parteien sollen sich bis Mitte Januar dazu äußern, ob ihnen der Termin möglich ist.

Im Juni 2022 hatte der Berliner Rechtsanwalt Andreas Schulz für ein Opfer des Missbrauchstäters Peter H. eine zivilgerichtliche Feststellungsklage eingereicht. So kann zwar keine strafrechtliche Verurteilung, womöglich aber eine Feststellung der Schuld erreicht werden. Schulz' Mandant hofft, dass nun das Landgericht feststellt, dass H. ihn missbraucht hat und deswegen Schadensersatz leisten muss. Die Klage richtet sich neben dem emeritierten Papst Benedikt XVI. auch gegen den ehemaligen Münchner Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter sowie den Ex-Priester Peter H.

Nach den Recherchen von Correctiv und BR lässt sich emeritierte Papst und Münchner Erzbischof Ratzinger von der Kanzlei Hogan Lovells vertreten - einer internationalen Wirtschaftskanzlei. Der Anwalt von Peter H. hat den Recherchen zufolge für seinen Mandanten "das gemeinsame Schauen eines pornografischen Filmes" eingeräumt und eine Entschuldigung angeboten - gleichwohl aber habe er vor dem Landgericht eine Abweisung der Klage beantragt. Das Landgericht werde aber "über die Klage insgesamt" und "nicht über einzelne Anträge" entscheiden, erläuterte eine Gerichtssprecherin.

Peter H. spielt auch im Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising vom Januar 2022 eine zentrale Rolle. In den 1990er-Jahren soll H. in der Erzdiözese München mehrere Kinder und Jugendliche missbraucht haben, auch den Kläger. Die Leitung der Erzdiözese rund um den damaligen Erzbischof Kardinal Joseph Ratzinger und späteren Papst Benedikt XVI. hatte den pädophilen Priester 1980 im Erzbistum aufgenommen und dessen Umgang mit Jugendlichen nicht unterbunden - obwohl H. zuvor bereits in Essen bei mehreren sexuellen Übergriffen ertappt worden war.

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