Zahl der katholischen Erwachsenentaufe steigt

Wasser wird aus einer Kanne ins Taufbecken geschüttet
Jens Schulze/EMSZ/Fundus
Ein Tauffest ist auch im Erwachsenenalter ein bewegendes Erlebnis.
Männer in Niedersachsen
Zahl der katholischen Erwachsenentaufe steigt
Die großen Kirchen verlieren stetig Mitglieder. Dennoch zeigt sich in Niedersachsen ein gegenläufiger Trend: Die Zahl der katholischen Erwachsenentaufen steigt seit Jahren. Warum das bei evangelischen Erwachsenen nicht der Fall ist.

Die katholische Kirche verzeichnet in Niedersachsen einen Anstieg bei den Erwachsenentaufen. Dies zeigen Taufzahlen, die der Evangelische Pressedienst (epd) bei den Bistümern Hildesheim und Osnabrück sowie beim Offizialat Vechta des Bistums Münster erfragt hat. Demnach hat in der Hildesheimer Diözese die Zahl der Erwachsenentaufen seit 2020 stetig zugenommen, von 42 auf 116 im vergangenen Jahr.

Im Oldenburger Teil des Bistums Münster ließen sich 2022 noch 21 Erwachsene katholisch taufen. 2025 waren es nach Angaben des Offizialats Vechta bereits 35. Einen Zuwachs meldete auch das Bistum Osnabrück, von 52 Erwachsenentaufen im Jahr 2024 auf 60 im vergangenen Jahr.

Als erwachsen gilt in der Statistik jede Person, der religionsmündig, also mindestens 14 Jahre alt ist. In Niedersachsen leben gut 1,2 Millionen Katholiken. 2011 waren es noch 1,4 Millionen. Austritte und Sterbefälle haben die Mitgliederzahlen insgesamt sinken lassen.

Hohe Taufbereitschaft evangelischer Eltern

In der evangelischen Kirche sei den Statistiken ein Anstieg bei Erwachsenentaufen derzeit nicht zu entnehmen, sagte der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover, Georg Lämmlin. Dies liege auch an der immer noch hohen Taufbereitschaft evangelischer oder ehemals evangelischer Eltern, die zu einer "noch starken Ausschöpfung der möglichen Taufquote von Kleinkindern" führe.

Ob sich in den Zahlen der Bistümer ein internationaler Trend spiegelt, sei derzeit noch nicht erkennbar, sagte der Theologe. Seit dem vergangenen Jahr häufen sich Medienberichte über einen katholischen "Taufboom", etwa in Frankreich oder in den USA. In Deutschland handelt es sich Lämmlin zufolge eher noch um ein "Nischenphänomen".

 

Dieses sei womöglich in Zusammenhang mit einer stärkeren Religionsorientierung bei jüngeren Erwachsenen zu sehen, erläuterte Lämmlin. Insbesondere bei jüngeren Männern hätten sich bei Social-Media-Analysen zuletzt vereinzelt "konservative Orientierungsbedürfnisse" gezeigt, auf die stark traditionsorientierte Religionsformen eine Antwort sein könnten. "Diese Antwort wird allerdings nicht unbedingt bei den stark auf Gleichstellung ausgerichteten evangelischen Kirchen gesucht." Weitergehende empirische und statistische Daten gebe es dazu jedoch noch nicht.