Sorge um Klimaschäden in Kirchen wächst

Weiße, kunstvolle Orgel

© Wim van t Einde/Unsplash

Extremes Klima kann sich negativ auf Orgeln auswirken.

Viele Orgeln durch Hitze verstimmt
Sorge um Klimaschäden in Kirchen wächst
Unter diesem heißen Sommer haben die Orgeln in den Kirchen gelitten. Viele Organisten klagten über verstimmte oder sogar unbespielbare Instrumente, wie in der Nürnberger Lorenzkirche, wo eine ganze Konzertreihe abgesagt werden musste. Das Klima hat aber in den Kirchen nicht nur Folgen für die Orgeln.

Der stellvertretende Landeskirchenmusikdirektor, Matthias Roth (Bad Reichenhall), erklärte im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass eine Orgel ab einer gewissen Temperatur und geringer Luftfeuchtigkeit nicht mehr mit anderen Instrumenten zusammenspielen könne. Die Stimmtonhöhe steige pro Grad um 0,8 Hertz. Bei einer bestimmten Hertz-Höhe "beißen sich die anderen Musiker auf die Lippen".

Man könne aber nicht generell sagen, dass das trockene und heiße Wetter den Kirchenorgeln schade. "Das Problem ist sehr vielschichtig, es gibt nicht den einen einzigen Grund." Von Bauwerk zu Bauwerk seien die Schwierigkeiten verschieden, so Roth. Die Orgelsachverständigen der Bayerischen Landeskirche würden auch im Sommer manchmal in Kirchen gerufen, in denen die Gemeinde über eine mit Schimmel befallene Orgel klage, aber übersehe, dass die Kirchenbänke ebenfalls mit Schimmel überzogen sind. Hier sei entweder das Lüften vergessen worden oder eine Kirche sei vor 300 Jahren "gar nicht zum ordentlichen Lüften gebaut worden".

"Die Orgel ist ein Indikator dafür, dass der Raum etwas braucht", stellt Roth fest. Bei extremer Trockenheit könnten Holzpfeifen reißen und Lederventile porös werden. "Aber auch Kunstexperten blutet das Herz, wenn bei solchen Bedingungen etwa eine Altareinfassung abspringt." Manchmal könne schon ein auf dem Kirchenboden ausgeschütteter Eimer Wasser helfen.

"Wir müssen uns um unsere Räume kümmern", appelliert Roth an alle Kirchenvorstände und Pfarrerinnen und Pfarrer. Ihm mache es Sorgen, wenn Mesner-Personal eingespart werde und keiner mehr Verantwortung für den Kirchenraum übernehme. "Als Folge könnten uns in 30 bis 40 Jahren die Schäden an den Kirchen auf die Füße fallen." Angesichts der derzeitigen angespannten Finanzsituation sehe er aber gerade auch keine praktikable Lösung.

Roth wies auf die Orgelsachverständigen in den Kirchenkreisen oder Dekanaten hin. Die sollten die Pfarrerinnen und Pfarrer und Gemeinden, die Probleme mit ihrer Orgel hätten, "ruhig strapazieren". Sie wüssten oft, was zu tun sei. Dass in absehbarer Zeit die Gemeinden auf andere Musik als die Orgelmusik ausweichen müssten, glaubt der Kirchenmusikdirektor nicht: "Sie steht nicht zur Disposition."

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