"Frauenordination ist ein Geschenk"

Lutherische Pfarrerin  wird ordiniert

© epd-bild/Christian Ditsch

Die Entscheidung zur Ordination von Frauen liegt bei den einzelnen LWB-Mitgliedskirchen.

Lutheraner Generalsekretär
"Frauenordination ist ein Geschenk"
Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Martin Junge, hat sich zum Ende seiner Amtszeit für die Ausweitung der Frauenordination stark gemacht. Es gebe "starke theologische Argumente" für den Dienst von Frauen als ordinierte Geistliche.

Das erklärte der chilenische Theologe in einem am Montag veröffentlichen Interview auf der LWB-Homepage. Er begrüßte ausdrücklich die Mitte Oktober erfolgte Entscheidung der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, auch Frauen zu Pfarrerinnen zu ordinieren.

Die Frauenordination sei ein "Geschenk der lutherischen Theologie", fügte Junge hinzu. Heute stehe in rund 85 Prozent der 148 LWB-Mitgliedskirchen in 99 Ländern weltweit das ordinierte Gemeindeamt sowohl Männern wie Frauen offen, "und diese Zahl wächst weiter". Der Lutherische Weltbund wurde 1947 gegründet. Ihm gehören mehr als 77 Millionen Christinnen und Christen an. Die Entscheidung zur Ordination von Frauen liegt bei den einzelnen LWB-Mitgliedskirchen.

In der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen hatten am 16. Oktober 45 Mitglieder der Synode für einen entsprechenden von der Frauenkommission vorgelegten Antrag gestimmt. 13 Mitglieder stimmten dagegen bei einer Stimmenthaltung. Die Diskussion über die Ordination von Frauen in der polnischen Kirche wurde laut LWB seit mehr als 70 Jahren immer wieder geführt. Bei der letzten Abstimmung 2016 gab es zum ersten Mal eine höhere Zahl von Mitgliedern der Synode, die den Antrag unterstützten, als Stimmen dagegen. Allerdings reichte das nicht für die erforderliche Zweidrittelmehrheit im Kirchenparlament.

Anne Burghardt vom Lutherischen Weltbund am 09.10.2013  beim Internationalen Kongress zum Reformationsjubiläum 2017 in Zürich.

Seit 1963 sind in Polen theologisch ausgebildete Frauen befugt, Gottesdienste zu leiten und in den Gemeinden seelsorgerisch tätig zu sein, wie der LWB weiter mitteilte. Seit 1999 dürfen Frauen Diakoninnen werden, Gottesdienste abhalten und Sakramente verwalten. Seit 2016 dürfen sie auch Abendmahlsfeiern leiten. Es war ihnen jedoch nicht gestattet, einer Gemeinde vorzustehen oder ein Bischofsamt zu übernehmen. Der neue Beschluss tritt am 1. Januar 2022 in Kraft.

Nach elf Jahren scheidet der 1961 in Chile geborene Junge am 31. Oktober aus dem Amt des LWB-Generalsekretärs. Ihm folgt Pfarrerin Anne Burghardt von der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Der LWB hatte mit der 45-jährigen Burghardt erstmals eine Frau in die Position der Generalsekretärin gewählt. Die Amtszeit beträgt sieben Jahre. Junge war zuvor Präsident der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile.

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