Leipziger Kirchen wehren sich gegen Fusion

Leipziger Innenstadtkirchen St. Nikolai und St. Thomas.

© epd-bild/Andreas Schoelzel, Waltraud Grubitzsch/dpa

Innenräume der Leipziger Innenstadtkirchen St. Nikolai (l.) und St. Thomas (r.).

Reformpläne
Leipziger Kirchen wehren sich gegen Fusion
Die beiden überregional bedeutenden Leipziger Innenstadtkirchen St. Nikolai und St. Thomas sollen nach dem Willen der sächsischen Landeskirche enger zusammenarbeiten. Doch die Gemeinden sträuben sich gegen die Reformpläne.

Geplant sei ein so genanntes Schwesternkirchverhältnis oder "mittelfristig sogar eine Fusion der beiden unterschiedlich geprägten Kirchgemeinden", teilten die beiden evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden am Donnerstag in Leipzig mit. Gegen die Strukturreformpläne hätten die beiden Gemeinden Widerspruch beim Landeskirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens in Dresden eingelegt, hieß es.

Bei einem Schwesternkirchverhältnis würde es nur noch ein Pfarramt und eine Pfarramtsleitung geben. Zudem wäre nur eine der beiden Gemeinden Anstellungsträger für Mitarbeitende. Der Bescheid aus dem Landeskirchenamt schlage ohne Begründung als Sitz des Pfarramtes und als anstellende Gemeinde St. Thomas vor, hieß es. Die Nikolaikirche würde damit ihre Eigenständigkeit verlieren.

In ihren Forderungen an das Landeskirchenamt dringen die beiden Kirchgemeinden auf die Beibehaltung der jeweiligen Eigenständigkeit. Nur so könnten die unterschiedlichen Aufgaben erfüllt und Profile bewahrt werden. Die Nikolaigemeinde ist Ort der montäglichen Friedensgebete und Ausgangspunkt der friedlichen Revolution 1989, die Thomaskirche Heimatstätte des Thomanerchors. Beide Kirchen blicken auf eine jahrhundertealte Tradition zurück.

Es gelte, eine flexible Zusammenarbeit zu gestalten und keine starren Strukturen vorzuschreiben, hieß es. Beide Kirchenvorstände hätten überraschend kurz vor der Sommerpause im Juli einen Bescheid des Landeskirchenamtes erhalten. Dieser fordere beide Gemeinden auf, zum 1. Januar 2022 eine "Strukturverbindung" einzugehen. Landeskirchensprecherin Tabea Köbsch sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass die konkreten Pläne der Reformen schon seit 2019 bekannt seien. Der Widerspruch der beiden Kirchgemeinden werde geprüft. Das Landeskirchenamt wolle aber an den Plänen festhalten.

"Neben ihrem geistlichen Auftrag hat die Gemeinde Musik und Bildung zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit gemacht", erklärte Thomaskirchenpfarrerin Britta Taddiken.

Nikolaikirchenpfarrer Bernhard Stief erklärte, die Nikolaikirche sei mit mehr als 850 Jahren die älteste und größte Kirche in Leipzig und habe eine besondere Tradition als Stadtkirche. Seit der Reformation sei sie durchgehend bis heute Sitz des Superintendenten - eine Tradition, die durch die geforderte Strukturverbindung beendet würde.

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