TV-Tipp: "Die Toten vom Bodensee: Schicksalsrad"

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26. Januar, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Die Toten vom Bodensee: Schicksalsrad"
Wurden ein armenischer Vater und seine Tochter verflucht? Die aus der Heimat Geflohenen sind beide tot. Erst ist der Vater einem Herzinfarkt erlegen, nun ist seine Tochter Lorena ermordet worden. Der Schauplatz ist ein Kirmesgelände. Die Tote kennt angeblich keiner der Anwesenden.

Die Angst vor dem sogenannten bösen Blick findet sich in nahezu allen Kulturen: Bestimmten Personen, zumeist Frauen, wird die Gabe zugeschrieben, ihre Mitmenschen allein durchs bloße Anschauen mit einem Fluch zu beladen; zu den angeblichen Folgen gehören Unheil, Krankheit oder gar der Tod.

Einen armenischen Vater und seine Tochter hat diese Furch aus ihrer Heimat vertrieben, aber den Fluch sind sie offenbar nicht los geworden: Erst ist der Vater einem Herzinfarkt erlegen, nun ist seine Tochter Lorena ermordet worden.

Schon allein dieser Hintergrund bildet eine reizvolle Basis für den 24. Krimi aus der ZDF-Reihe, aber das Trio Jeanet Pfitzer, Frank Koopmann und Roland Heep, das nun schon seit vier Jahren und elf Filmen die Drehbücher für "Die Toten vom Bodensee" schreibt, hat mit dem Schauplatz noch eins drauf gesetzt: "Das Schicksalsrad" spielt zu weiten Teilen auf einem Bregenzer Kirmesgelände, denn Lorena wird tot in der Gondel eines Riesenrads entdeckt. Zunächst behauptet der Schausteller, dem rund die Hälfte aller Fahrgeschäfte gehört, er kenne die junge Frau nicht, doch tatsächlich war sie seine Angestellte, allerdings ohne Arbeitserlaubnis.

Das ist Micha Oberländer und Mara Eisler (Matthias Koeberlin, Anna Werner Friedmann) erst mal egal; sie wollen wissen, wer Lorena in den frühen Morgenstunden mutmaßlich mit einem Schraubenzieher erstochen hat. Bei der Obduktion stellt sich außerdem ’raus, dass sie schwanger war, jedoch nicht, wie sich später zeigt, von ihrem Freund Gino, was den Reigen möglicher Verdächtiger prompt vergrößert.

Die Geschichte mag nicht sonderlich aufregend klingen und entspricht tatsächlich in vielerlei Hinsicht dem handelsüblichen Krimigeschehen, aber das Jahrmarktumfeld sorgt für reizvolle Nebenebenen. Wichtigste Episodenfigur neben Gino ist dessen Mutter: Peggy Renoldi (Gerti Drassl) sagt ihrer Kundschaft mit Hilfe von Tarotkarten die Zukunft voraus. Lorena hatte die titelgebende Karte mit dem Schicksalsrad in der Tasche.

Nach dem Leichenfund kratzt die alte Frau zum Schutz vor bösen Mächten rasch ein Pentagramm in den Schotter vor ihrem Wohnwagen. Peggy Renoldi spielt aber nicht nur im Rahmen des Mordfalls eine besondere Rolle. Als der deutsche Kommissar sie befragen will, empfängt sie ihn mit der Feststellung, dass ihm "großes Unheil" drohe. Ihr Angebot, sich die Karten legen zu lassen, lehnt Oberländer dankend ab, auch wenn ihm die Frau versichert: "Nur wer sein Schicksal kennt, kann ihm mutig entgegentreten."

Mit diesem kurzen Geplänkel sät das Drehbuch clever eine Saat, die erst gegen Ende an Bedeutung gewinnt: Das Unheil ist zwischenzeitlich nähergekommen, und als die Wahrsagerin doch noch einen Blick in seine Schicksalskarten werfen darf, ist die letzte wie schon bei Lorena der Tod; prompt ist der Filmschluss ein böser Cliffhanger. Zwischen diesen beiden Polen entspricht "Schicksalsrad" den gewohnten Krimikonventionen mit vielen Befragungen, diversen Verdächtigen und falschen Alibis.

Für Spannung sorgt eine Verfolgungsjagd quer über das Jahrmarktgelände, als Gino (Joshua Jagersberger) mit Lorenas Notizbuch davonrennt. Darin hat sie unter dem Namen Zaminski notiert, wie viel Geld sie den Leuten schuldet, die sie und ihren Vater vor zwei Jahren über die Balkanroute nach Österreich geschmuggelt hat. Gino ist überzeugt, dass die Schleuser für den Tod seiner Freundin verantwortlich sind, und klappert kurzerhand alle Zaminskis in Bregenz ab. Auf diese Weise kommt auch die Polizei der Bande auf die Spur.

Regie führte Patricia Fey. Ihre bisherigen Beiträge für die "Die Toten vom Bodensee" ("Die Medusa", "Das Geisterschiff", beide 2025) hatten zwar nicht die Intensität der Inszenierungen von Michael Schneider, der seit 2019 mit Abstand die meisten Episoden der 2014 gestarteten Reihe gedreht hat, waren aber ebenfalls sehenswert. Die sorgfältige Bildgestaltung – seit "Fluch aus der Tiefe" (2020) stets Lukas Gnaiger – ist ohnehin längst ein Markenzeichen der Reihe, ebenso wie die auch diesmal wieder nicht nur in den dynamischen Szenen sehr präsente Musik von Chris Bremus.

Für heitere Abwechslung sorgen die Dialoge zwischen den Mitgliedern des Ermittlungs-Teams: Kollege Komlatschek (Hary Prinz), seit geraumer Zeit Oberländers Untermieter, hat endlich eine eigene Wohnung gefunden, was die immer noch neue Inspektorin Eisler auf die Idee bringt, seine Nachfolge anzutreten. Das Beste an "Schicksalsrad" sind dennoch die Jahrmarktszenen, zumal ein Ausflug in die Geisterbahn für wohliges Gruseln sorgt.