Bedford-Strohm wirbt für "Kultur der Nachdenklichkeit"

Bedford-Strohm

©epd-bild/Juergen Blume

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm plädiert für eine "Kultur der Fehlerfreundlichkeit". Diese könnte ein wichtiger Impuls von der Kirche in der Zivilgesellschaft sein, um "unsozial werdenden Medien" wieder zu "sozialen Medien" zu machen. .

Politische Debatte
Bedford-Strohm wirbt für "Kultur der Nachdenklichkeit"
Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm wünscht sich einen anderen Diskussionsstil in Deutschland. An die Stelle von Selbstbestätigung und Abwertung solle Selbstkritik und die "gemeinsame Erkenntnissuche" treten.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat für eine neue "Kultur der Nachdenklichkeit" in Politik und Medien geworben. Insbesondere in den sozialen Medien habe sich eine "Kultur der Beschuldigung, Abwertung und Anprangerung" breitgemacht, sagte Bedford-Strohm in Berlin beim Festakt anlässlich der Anfänge der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) vor 100 Jahren. Durch mehr "kritische Selbstprüfung" könnten die zunehmend "unsozial werdenden Medien" wieder zu "sozialen Medien" werden.

Auch die politische Kultur könnte sich damit verändern, fügte Bedford-Strohm laut einem vorab verbreiteten Redetext hinzu: "Kleinkarierte parteipolitische Debatten, deren erste Zielrichtung nicht die sachlich besten Lösungen sind, sondern die Bestätigung des eigenen politischen Lagers, könnten zur gemeinsamen Erkenntnissuche werden." Öffentliche Personen könnten so "ohne Angst Fehler freiherzig einräumen und dadurch die Grundlage für Lernprozesse in der Zukunft legen".

Bedford-Strohm fragte: "Welche Heilung würde unsere Gesellschaft erfahren, wenn eine Dynamik sich Raum schaffen würde, in der die Bereitschaft zur Selbstkritik an die Stelle von Selbstrechtfertigung und Schuldzuweisung treten würde?" Der EKD-Ratsvorsitzende plädierte in diesem Zusammenhang für eine "Kultur der Fehlerfreundlichkeit". Diese könnte ein wichtiger Impuls von der Kirche in der Zivilgesellschaft sein, fügte Bedford-Strohm hinzu, der auch bayerischer Landesbischof ist.

Glauben nachvollziehbar machen

Im Jahr 1921 hatte in Berlin mit der "Apologetischen Centrale" die Vorgängerinstitution der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) ihre Arbeit aufgenommen. Damit hatte die evangelische Kirche auf die großen Umbrüche in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg reagiert. Das Institut sollte alternative religiöse und areligiöse Gruppen beobachten und sich mit den geistigen Strömungen der Moderne auseinandersetzen. 1937 hatten die Nationalsozialisten die Einrichtung geschlossen.

Mit Apologetik ist ursprünglich die Verteidigung der christlichen Religion gemeint. Heute hat Apologetik vor allem das Ziel, die Inhalte des Glaubens in der modernen Welt als glaubwürdig zu vermitteln. Ein Schwerpunkt der EZW heute ist die Aufklärung über außerchristliche Religionen, weltweite Sekten und esoterische Anschauungen.

Apologetik habe bis heute die Aufgabe, den christlichen Glauben für das Herz als auch für den Verstand "nachvollziehbar zu machen", sagte Bedford-Strohm: Die Apologetik sei heute noch viel mehr als vor 100 Jahren eine "wesentliche, unverzichtbare Aufgabe von Theologie und Kirche, will sie ihre Inhalte über die eigenen Blasen hinaus zugänglich machen". Zur Apologetik gehöre deshalb nicht nur die Aufgabe darzustellen, "in welchen Punkten die christliche Sicht mit anderen Religionen und Weltanschauungen Berührungspunkte findet, sondern auch, wodurch und in welchen Punkten sie sich von diesen unverwechselbar unterscheidet".

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