Kurschus: "Es geht um ein Wiederentdecken unseres Grundauftrags"

Wiederentdecken des Grundauftrags

© Nicholas Jeffries/Unsplash

Annette Kurschus wirbt für eine Neuentdeckung von Mission.

Kurschus: "Es geht um ein Wiederentdecken unseres Grundauftrags"
Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, wirbt für eine Neuentdeckung von Mission. Der Begriff sei leider in der Geschichte missbraucht und dadurch verdorben worden, sagte die stellvertretende Ratsvorsitzende der EKD.

Gegenüber dem evangelichen Pressedienst sagt sie, es wäre aber schade, allein deshalb auf den Begriff zu verzichten. Es gehe um "ein Wiederentdecken unseres Grundauftrags": Richtig verstanden bedeute Mission, "Anderen zu sagen, wer uns trägt, und zeigen, was wir lieben". Das Missionsverständnis der westfälischen Landeskirche ist auch Thema der bis Mittwoch tagenden Landessynode.

epd: Mission ist ein umstrittener, historisch vorbelasteter Begriff. Was verstehen Sie unter Mission?

Annette Kurschus: Mission ist in unserer Kirchengeschichte leider ein verdorbener Begriff. Das ist deshalb besonders beschwerlich, weil Mission ein Grundauftrag der Kirche ist, eine Aufgabe, die wir Christinnen und Christen alle gemeinsam haben. Wir sind Gesandte. Nichts anderes heißt "Mission". Wir sind im Auftrag Jesu Christi unterwegs hinein in die Welt. Mission war in der Geschichte oft mit Hierarchien und Machtgefälle verbunden, weil einige den Begriff so verstanden haben: Die einen bringen und die anderen empfangen das Zeugnis.

Wir entdecken jetzt neu, dass wir gesandt sind, uns gemeinsam aufzumachen, Menschen aus allen Teilen dieser Welt. Wir tragen die Botschaft von der Liebe Gottes in die Welt. Diese Botschaft verbindet sich mit der sehr handfesten Sorge um gesellschaftspolitische Fragen von Gerechtigkeit, Verteilung von Lebensgütern und Menschenwürde. So sendet uns Gott auf einen gemeinsamen Weg des Friedens.

"Wir tragen die Botschaft von der Liebe Gottes in die Welt"

Haben Sie die Sorge, dass der Begriff missverstanden wird?

Kurschus: Einen Begriff zu vermeiden, weil er problematisch und vorbelastet ist, halte ich für keinen angemessenen Weg. Aus meiner Sicht wäre es ein Verlust , wenn dieser Kernbegriff aus unserem kirchlichen Leben verschwindet. Unser Anliegen ist, zum Grundverständnis dieses schönen Begriffs und der schönen Sendung zurückfinden, von Christus Zeugnis zu geben. Das steht keineswegs im Widerspruch zum interreligiösen Dialog. Hier bedeutet Mission, buchstäblich un-verschämt und frei und offen vom eigenen Glauben zu erzählen. Aus dem Begriff Mission ist das missverständliche Verb "missionieren" entstanden. Richtig verstanden bedeutet es nichts anderes als: Anderen sagen, wer uns trägt, und zeigen, was wir lieben.

Wie kann Mission konkret aussehen?

Kurschus: Ich denke nicht an neue, große missionarische Aktivitäten. Es geht um ein Wiederentdecken unseres Grundauftrags: Wir reden von unserem Glauben, weil wir zutiefst glauben, dass Christus der Herr dieser Welt ist und uns in die Verantwortung nimmt. Davon Zeugnis abzulegen, ist für mich Mission. Ob Angehörige anderer Religionen an denselben Gott glauben wie wir, muss und darf das Geheimnis Gottes bleiben.

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