Das Augsburger Pfingsttreffen - ein Vorläufer ökumenischer Kirchentage

Augsburger Pfingsttreffen

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Das "Augsburger Pfingsttreffen" von 1971 war eine wichtige Etappe in der bundesdeutschen Ökumene. Wie die Transparente verraten, ging es auch sehr politisch zu.

Das Augsburger Pfingsttreffen - ein Vorläufer ökumenischer Kirchentage
Das Augsburger Pfingsttreffen war die erste ökumenische Großveranstaltung in Deutschland. Vor 50 Jahren kamen gut 8000 Teilnehmer. Bis daraus ein echter Kirchentag wurde, vergingen drei Jahrzehnte. Eine Teilnehmerin von damals erinnert sich.
29.05.2021
Andreas Jalsovec
epd

Den Abschlussgottesdienst vor 50 Jahren im Augsburger Rosenaustadion hat Schwester Claudiana noch gut im Gedächtnis. "Es war egal, ob jemand katholisch oder evangelisch war: Es gab eine spürbare Gemeinschaft", erzählt die Ordensfrau. An dieses Gefühl erinnere sie sich bis heute: "Für mich war es wie ein Pfingstwunder."

Die Franziskanerin aus dem Augsburger Kloster Maria Stern war eine von rund 18.000 Teilnehmern am Gottesdienst zum Ausklang des Ökumenischen Pfingsttreffens in Augsburg. Vom 3. bis 5. Juni 1971 waren mehr als 8000 Dauerteilnehmer zu dieser ersten kirchentagsähnlichen Veranstaltung katholischer und evangelischer Christen in Deutschland zusammengekommen. Zuvor hatten sie stets getrennte Kirchentage gefeiert. Das Ökumenische Pfingsttreffen gilt daher als Vorläufer der heutigen Ökumenischen Kirchentage.

Ordensfrauen entdecken Gemeinsamkeit

Organisiert hatten das Treffen damals wie heute das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der Deutsche Evangelische Kirchentag. Als Veranstaltungsort war zunächst Frankfurt im Gespräch. Dass die Wahl auf Augsburg fiel, hat mit der Geschichte der Stadt zu tun: 1555 wurde hier der Augsburger Religionsfriede geschlossen. Er legte damals die Bedingungen für ein friedliches Zusammenleben von Protestanten und Katholiken fest. Vielleicht wollten die Organisatoren des Pfingsttreffens aber mit der Standortwahl auch möglichen Konflikten aus dem Weg gehen. Weil Frankfurt für Demonstrationen größerer Gruppen geeigneter sei, habe man das "stille, abgelegene Augsburg" als Tagungsort gewählt, mutmaßte die Wochenzeitung "Die Zeit" damals.

Von den Diskussionen rund um das Treffen habe sie wenig mitbekommen, sagt Schwester Claudiana. Zusammen mit anderen Ordensfrauen hatte die damals 26-Jährige im Vorfeld des Pfingsttreffens Gebete und Gottesdienste vorbereitet. Evangelische und katholische Schwestern aus verschiedenen Orden arbeiteten dabei zusammen. "Das war für mich etwas Einmaliges", sagt sie. "Wir hatten uns vorher ja kaum auf der Straße gegrüßt." Nun stellten sie fest, dass sie kaum etwas voneinander trennt. "Wir haben gemerkt: Wir leben, beten und glauben dasselbe."

Drei Jahrzente Schweigen

Bei einigen Veranstaltungen des Pfingsttreffens wurde dagegen auch das Trennende deutlich. Etwa bei einem Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Wolfgang: Katholischer und evangelischer Pfarrer wollten dort gemeinsam Brot und Wein ausgeben. Nachdem der katholische Bischof und der evangelische Landeskirchenrat sich gegen diese "Interkommunion" wandten, sahen die Pfarrer davon ab. Die Gottesdienstbesucher empfingen das Abendmahl zu beiden Seiten des Altars - gleichzeitig, jedoch getrennt nach evangelisch und katholisch.

Viele Teilnehmer hätten damals das Treffen gerne möglichst bald wiederholt, schrieb der Evangelische Pressedienst zum 25. Jahrestag. Nach Augsburg jedoch kam "das große Schweigen": Es dauerte mehr als drei Jahrzehnte bis dem Augsburger Pfingsttreffen im Jahr 2003 in Berlin der erste Ökumenische Kirchentag nachfolgte. Zwei weitere gab es bislang. Das zweite ökumenische Treffen fand 2010 in München statt, das dritte gab es Mitte Mai dieses Jahres - wegen der Corona-Pandemie in digitaler Form.

Von Augsburg sei damals durchaus ein Impuls für die Ökumene ausgegangen, meint Schwester Claudiana. Das zeige sich auch an den Vorbereitungstreffen der Ordensfrauen vor 50 Jahren. Aus ihnen entstand ein ökumenischer Schwesternkreis, der bis heute besteht. Wegen Corona pausieren die Treffen derzeit. Aber danach wollen sich die Schwestern unterschiedlicher Konfessionen wieder regelmäßig sehen, um zusammen zu beten, die Bibel zu lesen, Gottesdienste zu feiern. Ein gemeinsames Abendmahl gebe es dabei nicht, sagt Schwester Claudiana. Aber das sei auch nicht nötig: "Der Herr ist dann spürbar in unserer Mitte - mehr braucht es nicht."