Kühnbaum-Schmidt: Wasser ist in der Bibel ein Urbild des Leben

Ein sprudelnder Bach
Gemeinfrei via Fundus / Christian Schönfeld
Aus kleinen Bächen erwachsen landschaftsprägende große Ströme wie der Rhein, der Main oder die Elbe.
EKD-Schöpfungsbeauftragte
Kühnbaum-Schmidt: Wasser ist in der Bibel ein Urbild des Leben
Die Landesbischöfin der evangelischen Nordkirche und EKD-Beauftragte für Schöpfungsverantwortung (EKD), Kristina Kühnbaum-Schmidt, spricht sich für den Schutz des Lebensraums Elbe aus.

Die Elbe ist nach Ansicht von Nordkirchen-Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt ein "Lebensraum von unschätzbarem Wert". Kühnbaum-Schmidt ist auch Schöpfungsbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). 

epd: Welchen Stellenwert nehmen Wasser, Flüsse und darin lebende Tiere in der Bibel ein?

Kristina Kühnbaum-Schmidt: Wasser ist in der Bibel ein Urbild des Lebens und seiner Fülle. Zu Beginn der Schöpfung schwebt Gottes Geist über den Wassern. Reiche Flussströme durchziehen den Paradiesgarten, schenken Wachstum, Nahrung und Erholung. Die Psalmen besingen das Wasser als Quelle der Lebenskraft und der Regeneration. Entlang der Flüsse, Bäche und Meere versorgt Gott die Vielfalt seiner Schöpfung - Menschen wie Mitgeschöpfe, vom Löwen bis zum Klippdachs.

"Alles, was lebt, ist miteinander verbunden."

Zugleich hat die Bibel ein feines Gespür für die zerstörerische Kraft des Wassers: Die Wassermassen der Sintflut verschlingen Tiere, Menschen und selbst die höchsten Berge. Solche Bilder begegnen uns auch heute bei Flutkatastrophen. Diese Erzählungen machen deutlich: Wasser ist keine Ressource, über die der Mensch grenzenlos verfügen kann. Nach der Sintflut beginnt Noah sein Leben neu - im Einklang mit den Tieren und der Natur, die ihm anvertraut sind.

Menschen, Tiere, Pflanzen, die Gewässer selbst - sie gehören zu Gottes guter Schöpfung und stehen unter seinem Segen. Alles, was lebt, ist miteinander verbunden.

Welche Verantwortung schreibt die Nordkirche dem Menschen im Hinblick auf die Elbe und ihre Tier- und Insektenwelt zu?

Kühnbaum-Schmidt: Als Nordkirche verstehen wir die Elbe als einen Lebensraum von unschätzbarem Wert - ökologisch, kulturell und spirituell. Sie verbindet Regionen, Menschen und Lebensformen. Zugleich ist sie ein empfindliches Ökosystem, das unter dem Druck des Klimawandels, der Verschmutzung und der intensiven Nutzung steht.

Aus unserem Glauben erwächst die Verantwortung, die Vielfalt des Lebens zu schützen, die Gott uns anvertraut hat. Das gilt besonders für die Tier- und Insektenwelt an der Elbe, die vielerorts erneut unter Druck geraten ist. Aus der jüngeren deutschen Geschichte wissen wir, wie wirksam konsequente Umweltschutzmaßnahmen sein können: In den 1990er Jahren erholte sich die Elbe von einem der am stärksten belasteten Flüsse Europas zu einem ökologisch weitgehend intakten Gewässer.

Bewahrung der Schöpfung heißt für uns: Lebensräume schützen, Belastungen mindern und Entscheidungen unterstützen, die dem Leben dienen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Elbe ein lebendiger Fluss bleibt - ein Ort wachsender Artenvielfalt.

Wie können Kirchengemeinden und einzelne Menschen dazu beitragen, die Artenvielfalt an Flüssen wie der Elbe zu bewahren?

Kühnbaum-Schmidt: Viele Gemeinden in der Nordkirche leben diese Verantwortung bereits: In Kirchgärten entstehen naturnahe Räume, heimische Pflanzen finden Platz, Insekten Nahrung, Vögel Brutstätten. Pestizide werden vermieden, Blühflächen angelegt, Bereiche bewusst "wild" gelassen, damit Lebensräume entstehen und sich erholen können.

Gemeinden arbeiten mit Naturschutzinitiativen zusammen, pflegen Uferbereiche, bieten Bildungsformate an und stärken das Bewusstsein für die Bedeutung gesunder Flusslandschaften. So wird sichtbar: Achtsamkeit gegenüber der Schöpfung wächst dort, wo Menschen vor Ort Verantwortung übernehmen - und Orte wie die Elbe als lebendigen Lebensraum erhalten.