Auch nach Corona: Kirche wünscht sich Wertschätzung der Natur

Fahrradfahrer erkunden die Umgebung von Garmisch-Partenkirchen.

© epd-bild / Jens Schulze

Fahrradfahrer erkunden die Umgebung von Garmisch-Partenkirchen. Radpilgern und Offene Kirchen ziehen jährlich viele Touristen nach Bayern.

Auch nach Corona: Kirche wünscht sich Wertschätzung der Natur
Kirche und Touristiker setzen auf stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit. Das ist das Ergebnis einer Online-Tagung. Mit Hilfe der touristischen Marketing-Profis etwa könnte die Kirche ihre Inhalte "noch zielgruppengerechter vermarkten", hieß es.

Eine höhere Sensibilität für die Mitmenschen und die Natur auch nach dem Ende der Corona-Pandemie wünscht sich Kirchenrat Thomas Roßmerkel von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Wie wenig selbstverständlich und verletzlich das Leben sei, habe die Corona-Krise vielen Menschen jetzt deutlich gemacht. Mit Angeboten wie offenen Kirchen oder Radpilgerwegen möchte die Kirche die spirituelle Sehnsucht der Menschen in der Natur aufnehmen und weiterführende Impulse geben, sagte der Referent für Kirche und Tourismus der bayerischen Landeskirche am Donnerstag bei einer Online-Fachtagung.

Unter dem Titel "Natur - Schöpfung - Spiritualität. Ein (nicht nur) touristischer Blick" tauschten sich mehr als 100 Touristiker und kirchliche Mitarbeiter aus dem Bereich Kirche und Tourismus bei der Tagung aus. "Kirche sollte Hilfestellungen geben, damit die Menschen das diffuse Erleben in der Natur sprachlich einordnen und verarbeiten können", sagte Wolfgang Schürger, Beauftragter für Umwelt- und Klimaverantwortung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Gebäude wie Kirchen oder Klöster an touristisch interessanten Punkten seien wichtige Orte dafür. Hier könnten Menschen zur Ruhe kommen. Die Kirchen müssten deshalb unbedingt offen und zugänglich sein. Gemeinsam mit den Tourismusverbänden müsse man Maßnahmen entwickeln, wie man Vandalismus verhindern könne.

Mit dem lila-gelben Schild "Unsere Kirche ist offen. Treten Sie ein" an den Türen werben evangelische Kirchen in ganz Bayern.

Radpilgern sei ein Beispiel, bei dem "Resonanzräume" in der Natur geschaffen werden könnten, erläuterte Barbara Radomski, Geschäftsführerin der Bayern Tourismus Marketing GmbH aus München. Beim Pilgern oder Radpilgern könnten spirituelle Sehnsüchte der Menschen aufgenommen werden, ergänzte Roßmerkel. Der Trend des Radpilgerns werde in den kommenden Jahren noch zunehmen, sagte Radomski.

Roßmerkel und Radomski wünschten sich eine stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Kirche und Touristikern. "Wir haben gute Inhalte, aber manchmal mangelt es an der Verpackung", sagte Roßmerkel. "Wir sind die Inhalts-Profis, und die Touristiker sind die Marketing-Profis." Man könne die Inhalte der Kirche noch zielgruppengerechter vermarkten, auch ohne die Seele der Angebote aufzugeben, sagte Radomski.

Neben der Wertschätzung der Natur erwarte sie sich auch eine bleibende Wertschätzung für das Thema Gesundheit, ergänzte Barbara Radomski. Auch im touristischen Angebot könne man dies nutzen und das Thema Gesundheit im Urlaub weiter voranbringen. Gerade für die seelische Gesundheit könne die Kirche gute Angebote der Stille oder des Rückzuges machen.