Frankfurter Theologen verteidigen gemeinsames Abendmahl

Frankfurter Theologen verteidigen gemeinsames Abendmahl
Vor dem 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt am Main im Mai haben evangelische und katholische Frankfurter Theologen eine gegenseitige Einladung zum Abendmahl gegen Kritik des Vatikans verteidigt. Die wechselseitige Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl mache die gewachsene Gemeinsamkeit evangelischer und katholischer Christen sichtbar, heißt es in der Erklärung.

Die Erklärung wurde unter anderen vom evangelischen FRankfurter Stadtdekan Achim Knecht, dem katholischen Stadtdekan Johannes zu Eltz, dem Professor und früheren Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen, Ansgar Wucherpfennig, und dem früheren Direktor des Theologischen Seminars der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Scherle unterzeichnet. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte zuerst darüber berichtet.

Die Frankfurter Theologen berufen sich auf die vor zwei Jahren veröffentlichte Studie "Gemeinsam am Tisch des Herrn" des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen. Diese kam zu dem Schluss, dass es keine theologischen Gründe gebe, die jeweils andere Konfession vom Abendmahl auszuschließen. Die inzwischen erreichte Verständigung lasse es zu, dass beide Konfessionen ihre unterschiedlichen Mahlfeiern als Ausdruck der Gemeinschaft mit dem gegenwärtigen Christus verstehen. Die Theologinnen und Theologen sprachen sich daher für eine wechselseitige Teilnahme am Abendmahl der jeweils anderen Konfession aus.

"Ökumene ist kein Kompromiss"

Dies hatte der Präsident des Päpstlichen Ökumene-Rates, Kardinal Kurt Koch, in einem offenen Brief kritisiert. Er könne nicht die Voraussetzung teilen, dass die katholische Eucharistiefeier und das evangelische Abendmahl identisch seien, sagte Koch im Januar in einem Interview mit "Vaticannews". Damit bekräftigte er die im vergangenen Dezember veröffentlichten Leitlinien des päpstlichen Einheitsrats. Andere Christen könnten nur dann zur Eucharistie zugelassen werden, wenn sie den katholischen Glauben in Bezug auf die Sakramente teilten, hatte Koch damals erläutert. Die Sakramente dürften "nie aus reiner Höflichkeit geteilt werden". Es könne nicht darum gehen, zugunsten des Kompromisses Grundsätze der katholischen Lehre aufzugeben. "Ökumene basiert nicht auf Kompromiss", betonte der Kardinal.

Die Frankfurter Erklärung mit dem Titel "Vertrauen ist besser" setzt dagegen: "Als Frankfurter Christinnen und Christen verbindet uns das Vertrauen, dass wir auf demselben Grund der Taufe und des Glaubens an den lebendigen Christus die Teilnahme an der Mahlfeier der anderen Konfession getrost annehmen und gutheißen können." Die Unterzeichner räumen ein, dass es beim unterschiedlichen Amtsverständnis der Kirchen weiteren Klärungsbedarf gebe. "Trotzdem haben wir Frankfurter Christinnen und Christen das Vertrauen in die jeweils andere Form der Mahlfeier", heißt es weiter. Die wechselseitige Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl geschehe "im tiefen Vertrauen darauf, dass wir alle Gäste am Tisch des Herrn sind".

Die Frankfurter Erklärung sei ein gutes Beispiel dafür, wie gegenseitiges Wertschätzung in der Ökumene funktionieren können, sagte Mario Zeißig, Sprecher des 3. Ökumenischen Kirchentags. "Wir freuen uns darüber, dass das Vertrauen in Frankfurt so groß ist, dass sie diesen ökumenischen Schritt gehen und transparent machen."

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