Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hat mit Respekt auf die Entscheidung des Limburger Bischofs Georg Bätzing reagiert, im Februar nicht erneut für den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz zu kandidieren. Sie bedauere diese Entscheidung persönlich, sagte die Hamburger Bischöfin am Montag: "Uns verbindet eine lange, vertrauensvolle Zusammenarbeit, in der wir gemeinsam an unterschiedlichen Orten Verantwortung getragen und wichtige Fragen von Kirche und Gesellschaft im guten ökumenischen Miteinander beraten haben. Für diese Zusammenarbeit bin ich sehr dankbar."
Auch der evangelische Ökumene-Bischof Christian Kopp hat mit großem Bedauern auf die Entscheidung des Limburger Bischofs Georg Bätzing reagiert. "Er war mit seiner feinen Art und in seiner vermittelnden Funktion ein wichtiger Wegbereiter nicht nur in der römisch-katholischen Kirche, sondern auch in der Ökumene", erklärte der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Ökumene- und Catholica-Beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).
"Die persönliche Entscheidung von Bischof Bätzing bedauere ich außerordentlich", betonte Kopp: "Ich habe seinen Einsatz für die Gestaltung von Synodalität sehr geschätzt. Dies war sicher nicht immer einfach und ich wünsche ihm, dass er dennoch dankbar auf die Zeit seines Vorsitzes zurückblicken kann."
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) bedauert, dass der Limburger Bischof Georg Bätzing nicht erneut kandidiert. "Zugleich hat dieser Schritt meinen vollen Respekt", sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp: "Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat für die katholische Kirche in Deutschland in sechs Jahren Amtszeit viel geleistet. Dem ZdK war er ein kollegiales, wahrhaftiges und hochengagiertes Gegenüber."
Bätzing zeichne eine integre, herzliche Persönlichkeit aus, fügte Stetter-Karp hinzu. Insbesondere auf dem Synodalen Weg sei Georg Bätzing ein mit "Augenmaß agierender, zugleich zukunftsorientiert vorangehender Vorsitzender, mit dem ich im Co-Vorsitz der Synodalversammlungen und im Synodalen Ausschuss sehr gern zusammengearbeitet habe". Sie hoffe zugleich, "dass der, der ihm nachfolgen wird, in ähnlicher Weise zukunftsorientiert sein wird".
Nach Ansicht von "Wir sind Kirche" ist Bätzings Rückzug ein herber Rückschlag für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt sowie für alle anstehenden Reformen in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. "Wir sind Kirche befürchtet, dass dies den Weg der Kirche in die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit noch beschleunigen wird", erklärte die katholische Reformbewegung am Dienstag in München.
"Wir sind Kirche" dankte Bätzing für seinen Einsatz als Vorsitzender der Bischofskonferenz, die mühsame, aber dringend notwendige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt voranzubringen. Gewürdigt wurde zudem sein Engagement für die anstehenden pastoralen Reformen. Unter Georg Bätzing habe der Synodale Weg "trotz aller inneren und äußeren Schwierigkeiten wesentliche grundlegende wie handlungsorientierte Reformschritte erarbeitet, die auch weltweit Beachtung finden, auch auf der Ebene des 2021 von Papst Franziskus begonnenen weltweiten Synodalen Prozesses".
Es sei "ein Trauerspiel, wie es den traditionalistischen spalterischen Kräften innerhalb der deutschen Bischöfe gelungen ist, den Synodalen Weg von Anfang an zu bremsen, die Weiterarbeit im Synodalen Ausschuss zu blockieren und jetzt ihre Sperrminorität zu nutzen, eine Wiederwahl von Bischof Bätzing zu verhindern", fügte das "Wir sind Kirche"-Bundesteam hinzu.
Auch die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) bedauerte den Rückzug von Bischof Bätzing vom Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Die Gemeinschaft würdigte besonders Bätzings Engagement für den sakramentalen Diakonat der Frau. "Von seinem Nachfolger erwarten wir, dass der Synodale Prozess konsequent weitergeführt wird", erklärte die kfd-Bundesvorsitzende und Synodalin Ulrike Göken-Huismann am Dienstag in Düsseldorf. Die Zukunft der Kirche entscheide sich nicht daran, ob Frauen beteiligt werden, sondern dass sie volle Gleichberechtigung in Verantwortung und Leitung erlangen und zu allen Diensten und Ämtern zugelassen werden.
Amtszeit durch Querelen geprägt
Vor sechs Jahren war Bätzing zum Nachfolger des Münchner Erzbischofs Kardinal Reinhard Marx gewählt worden. Nach nur einer Amtszeit stellt er sich nun nicht erneut zur Wahl bei der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe vom 23. bis 26. Februar in Würzburg. Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz am Montag in Bonn mit. Der 64-jährige Bischof hatte sich im Richtungsstreit über Reformen in der katholischen Kirche in Deutschland auf die Seite der Reformer gestellt. Seine Amtszeit war geprägt durch Querelen bezüglich möglicher Kirchenreformen mit dem Vatikan.


