Corona soll nicht zur "Vollbremsung" in der Kirche führen

Hinweisschild in Kirche

© epd-bild/Rolf Zoellner

Hinweisschild zum tragen einer Schutzmaske gegen Corona-Infektion.

Corona soll nicht zur "Vollbremsung" in der Kirche führen
Bayerische Landessynode muss Haushalt und zukünftige Schwerpunkte beschließen
Ein Spagat steht der bayerischen Landeskirche bevor: Sie will ihre Aktivitäten trotz Corona weitgehend aufrechterhalten, muss aber gleichzeitig finanzielle Einschnitte händeln. Eine Lösung soll die Landesynode bei ihrer Herbsttagung finden

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen werden in der bayerischen Landeskirche nicht zu einer "Vollbremsung" führen. Die kirchlichen Aktivitäten von Gottesdiensten bis zur Altenheimseelsorge würden auch unter dem Sparzwang der Corona-Krise weitgehend aufrechterhalten, sagte der kommissarische kirchlich Finanzchef Nikolaus Blum am Donnerstag bei einer Video-Pressekonferenz im Vorfeld der Herbsttagung der Landessynode (22. bis 26. November). Allerdings stelle die Corona-Pandemie die Landeskirche mit ihren rund 2,3 Millionen Mitgliedern vor enorme finanzielle Herausforderungen.

Der Gesamthaushalt, der für 2020 noch bei 961 Millionen Euro lag, muss deshalb im nächsten Jahr auf 938 Millionen zurückgefahren werden und weise dann sogar noch ein geplantes Defizit von 32,5 Millionen Euro aus. Grund hierfür seien die um 13 bis 14 Prozent eingebrochenen Kirchensteuer-Einnahmen in diesem Jahr. Zu den gesunkenen Einnahmen kämen coronabedingte Mehrausgaben. Bei den Zuwendungen für die 1.540 evangelischen Gemeinden in Bayern solle es hingegen keine Abstriche geben.

Die Landeskirche hat Blum zufolge für notleidende kirchliche Einrichtungen, wie etwa Tagungshäuser, die wegen der Pandemie keine oder nur wenig Einnahmen hatten, einen Hilfsfonds als Nachtragshaushalt mit rund 28 Millionen Euro aufgesetzt. Auch deshalb werde die Landeskirche schon in diesem Jahr ein Minus von 130 Millionen Euro verbuchen. Der Vorsitzende des synodalen Finanzausschusses, Joachim Pietzcker, sagte, es sei "einerseits ein Graus" für die Synode, so einem Haushalt zustimmen zu sollen. Trotzdem werde der Finanzausschuss der Synode empfehlen, dem Vorschlag von Oberkirchenrat Blum zu folgen, "um eben keine Vollbremsung machen zu müssen".

Allerdings rechnen die kirchlichen Finanzexperten mit einer tendenziellen Verbesserung der Haushaltslage in den nächsten Jahren und gehen davon aus, dass die Kirchensteuerreinnahmen ab 2024 oder 2025 das Vor-Corona-Niveau von 2019 mit rund 790 Millionen Euro erreichen werden.  

Landesstellenplanung verschoben

Die gerade laufenden, umfassenden kirchlichen Reformprozesse werden nach Überzeugung von Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel durch die aktuelle Corona-Krise nicht beeinträchtigt. Der von Corona ausgehende Druck habe die Umsetzung des Reformkonzepts "Profil und Konzentration" (PuK) sogar noch beschleunigt. Dieses Konzept, mit dem sich die evangelische Kirche neu aufstellen und neue Zugänge zu den Menschen finden will, sei bereits vor der Corona-Krise gut vorbereitet worden. Die Landesstellenplanung, mit der das theologische Personal in Bayern verteilt wird, soll indes um ein halbes Jahr verschoben werden. Dadurch hätten die Dekanate und die Gemeinden einen größeren Zeitraum, die nötigen Zahlen und Daten auch unter veränderten Umständen zu liefern.

Neben dem Haushalt muss die Landessynode als Kirchenparlament der bayerischen Protestanten auch über ein "Präventionsgesetz" gegen Missbrauch und sexualisierte Gewalt entscheiden. Die Tagung der 108 Synodalen, in der Mehrzahl Laien, wird erstmals ausschließlich als digitale Konferenz ablaufen. Wie Vizepräsident Hans Stiegler (Ansbach) sagte, werde es zwar eine neue Form geben, am geistlichen Leben der Synode und an den Inhalten ändere sich jedoch nichts. Deshalb solle der Eröffnungsgottesdienst am Sonntag, bei dem Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski predigen und das Vokal-Ensemble Viva Voce die musikalische Gestaltung übernehmen wird, vorab in Ansbach aufgenommen werden und digital ausgestrahlt werden.