Bischöfe rufen zum Einheitstag zu Demokratie und Teilen auf

Zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung ist in der Probsteikirche St. Peter und Paul in Potsdam ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert worden.

© epd/Christian Ditsch

Zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung ist in der Probsteikirche St. Peter und Paul in Potsdam ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert worden.

Bischöfe rufen zum Einheitstag zu Demokratie und Teilen auf
Zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung ist am Samstag in Potsdam ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert worden. Dabei rief der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch zum Respekt vor der Demokratie auf. Demokratie sei nicht nur eine Staatsform, sondern eine "Haltung der Achtung und Hochachtung der Menschen voreinander", sagte Koch laut Redemanuskript.

Demokratie sei die Vereinbarung, einander zuhören und verstehen zu wollen und die Entscheidungen, die dann nach rechtsstaatlichen Regeln getroffen werden, zu respektieren, betonte Koch in dem Gottesdienst in der katholischen St. Peter-und-Paul-Kirche: "Demokratie ist ein Weg, Demokratie ist ein Lernprozess."

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, nannte die Wiedervereinigung in seiner Predigt eine "faszinierend schöne Geschichte". 30 Jahre Deutsche Einheit stünden für unzählige Wiedersehens- und Aufbruchsgeschichten, gegenseitiges Bereichern und das Finden neuer Wege, für Mut und Lust an Freiheit.

Der evangelische Bischof erinnerte laut Redemanuskript aber auch daran, dass Menschen noch immer nicht satt würden - "auf der Welt, in diesem Land, mitten unter uns". Aber wo geteilt werde, bekämen alle genug: "Wo geteilt wird, werden die Dinge nicht weniger, sie werden mehr." Manchmal gelte "Mach' doch einfach", sagte Stäblein auch unter Hinweis auf Europa und die Zustände im Flüchtlingslager Moria. Mut gemacht werden müsse auch jenen, "die im Moment für Gerechtigkeit und Freiheit weggesperrt werden, ob in Belarus oder Hongkong".

Zum Tag der Deutschen Einheit hat auch die Hamburg-Lübecker Bischöfin Kirsten Fehrs dazu aufgerufen, die glücklichsten Momente im eigenen Leben wachzuhalten. Aus solchen Erinnerungen entstünde "Rückenwind für all die Stimmen der Menschlichkeit und der Hoffnung", sagte Fehrs am Sonnabend im Gottesdienst an der Grenzdokumentationsstätte Lübeck-Schlutup. "Das Wunder von 1989 und 1990 mahnt, nicht nur die Grenzen, sondern auch die Herzen offen zu halten." Sie wünsche sich, dass Deutschland weiterhin Freundlichkeit ausstrahle im Herzen Europas.

Die Bilder vom November 1989 zeigten, wie sich wildfremde Menschen in den Armen lagen, so Fehrs. Jetzt sei allerdings körperlicher Abstand gefordert. Kein vernünftiger Menschen stelle den Schutz vor dem Virus infrage. Äußerer Abstand dürfe aber nicht zu innerer Abgrenzung führen. "Wir brauchen nicht nur einen gesunden Körper, sondern auch eine gesunde Seele." Das Virus dürfe die Menschen nicht auseinandertreiben und Gesunde gegen Kranke, Senioren gegen Schulkinder ausspielen. Die Lasten der Pandemie müssten gerecht verteilt werden, "dass nicht die Onlinehändler boomen und die Gastronomen pleitegehen".

Erinnerung wachhalten

Die Bischöfin betonte in ihrer Predigt die besondere Bedeutung des ehemaligen Grenzübergangs Lübeck-Schlutup. Die Grenzdokumentationsstelle halte die Erinnerung wach "an all die Tränen, die Menschen geweint haben, weil sie auseinandergerissen worden sind". Erinnert werde hier auch an diejenigen, die ihr Leben verloren haben, weil sie die Grenze als unmenschliche Beschneidung ihrer Freiheit nicht akzeptieren wollten.

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