"kidscom" will Kindern Heimat in Kirche geben

Projekt "kidscom"

© epd/Dieter Junker

Pfarrerin Anke Wiedekind, Rebecca Schmaranzer und Ilona Gertfelder mit zwei Kindern in den Räumen von „kidscom“ im rheinland-pfälzischen Cochem. Das Projekt soll Kinder in das Gemeindeleben einbinden und zeigen, dass schon Sechsjährige ihre Gemeinde mitgestalten können.

"kidscom" will Kindern Heimat in Kirche geben
Projekt in Cochem zählt zu "Erprobungsräumen" der Evangelischen Kirche im Rheinland
Eine Gemeinde der Zukunft muss Kindern ein Zuhause geben, sagt Pfarrerin Anke Wiedekind aus Cochem. Mit "kidscom" erproben ihre Gemeinde und die rheinische Landeskirche, wie das funktionieren kann.

Kindern schon früh Lust auf Kirche zu machen, ihnen Möglichkeiten zum Mitmachen eröffnen, ihre Wünsche und Ideen ernst nehmen und entsprechende Räume zur Verfügung stellen - das ist das Ziel von "kidscom", der Kindergemeinde der evangelischen Kirchengemeinde Cochem. Seit zwei Jahren hat sich die Gemeinde an der Mosel und in der Eifel auf den Weg gemacht, dies umzusetzen. Nun wurde "kidscom" einer von zehn sogenannten Erprobungsräumen der Evangelischen Kirche im Rheinland - ein Lernfeld für eine Kirche der Zukunft.

"Eine Gemeinde, das sollte ein Ort sein, an dem sich Menschen ausprobieren dürfen", sagt Pfarrerin Anke Wiedekind. "Das gilt gerade auch für die Kleinen in der Gemeinde." Darum wolle die Kirchengemeinde Cochem den Kindern Möglichkeiten und Plattformen geben, sich auszuprobieren, zu sehen, was ihnen Spaß macht und herausfinden, wo ihre Stärken liegen. "Bei uns sollen sie unterwegs sein, gerne auch unsicher, neugierig, am Wachsen. Und sie sollen so auch ihre Kirche kennenlernen", erläutert sie.

Vor zwei Jahren wurde "kidscom" entwickelt. Damals wurde in der Gemeinde für die Konfirmationen ein neues System eingeführt, das "3/7"-Modell. Das heißt, der erste Konfirmandenkurs findet bereits in der dritten Klasse statt, der zweite Teil folgt dann in der siebten Klasse und endet mit der Konfirmation. Für die Zeit dazwischen wurde "kidscom" geboren.

"Schon Kinder ab sechs Jahren können ihre Gemeinde mitgestalten"

"Es ist eine Zeit im Leben eines Kindes, in der man sich zwischendrin befindet", erzählt Rebecca Schmaranzer. Sie leitet gemeinsam mit ihrem Mann die Jugendarbeit in der Kirchengemeinde. "Auf der einen Seite zu alt für die Kinderangebote, aber doch noch zu jung für die Angebote der Jugend. Man ist irgendwie dazwischen." Mit "kidscom" soll den Kindern für diese Zeit ein eigener Platz in der Gemeinde gegeben werden. Dieses Ziel steht auch groß auf einem Plakat an der Wand im Keller des Gemeindehauses, wo sich die Kleinen regelmäßig treffen: "Wir wollen dazu beitragen, dass durch 'kidscom' jedes Kind ein buntes Zuhause bei Gott findet, in dem es gesehen und geliebt mitgestalten darf und die Mitarbeitenden ein Gegenüber sind."

Die Cochemer Kirchengemeinde kann hier auf die erfolgreichen Erfahrungen von "youcom", der Jugendgemeinde in Cochem, aufbauen. Seit zehn Jahren gibt es diese Jugendgemeinde innerhalb der Kirchengemeinde. Mit eigener Gemeindeleitung, mit Jugendgottesdiensten, zahlreichen Angeboten für Jugendliche, eigenen Räumen im Gemeindehaus, Jugendhauskreisen und Gottesdiensten im Kino. "Mit 'kidscom' ergänzen wir die Arbeit unserer Jugendgemeinde und verzahnen diese miteinander", erläutert Pfarrerin Anke Wiedekind. Und man wolle zeigen, dass auch schon Kinder ab sechs Jahren ihre Gemeinde mitgestalten können.

Dafür gibt es in der Kirchengemeinde Cochem mittlerweile viele Angebote, die in den zwei Jahren schon entwickelt wurden. So beispielsweise "kidscom planet", ein monatlicher Aktionstag, abwechselnd in Cochem und in Ulmen. Mit Zeit zum Spielen, Theater, Musik, Kleingruppen und Workshops. "Drei Stunden eine fröhliche, bunte, kreative Zeit", erzählt Ilona Gertfelder, die zum Team von "kidscom" gehört. Daneben gibt es Kinderfreizeiten, alle zwei Jahre ein ökumenisches Kindermusical, Kindergottesdienste und viele Projekte.

"Generationen sollen sich hier gegenseitig inspirieren"

Die Ideen und die Angebote von "kidscom" werden gemeinsam mit den Kindern entwickelt. "Wir merken, dass Kinder auch Verantwortung übernehmen wollen, dass sie eigene Ideen haben und diese auch einbringen möchten in die Arbeit", berichtet Pfarrerin Anke Wiedekind. Eine wichtige Möglichkeit dazu ist das Kinderparlament. Das ist ein regelmäßiges Treffen von einigen Kindern und einem Mitarbeiter, bei dem auf spielerische Art Ideen gesammelt, Programme entworfen und Gedanken entwickelt werden.

Diese Gedanken fließen dann in die Arbeit des Kinderausschusses ein, der "kidscom" leitet. "Uns ist wichtig, den Kindern zu zeigen, dass sie auch in ihrem Alter schon einen Platz in der Gemeinde haben und ernstgenommen werden mit ihren Anliegen und Wünschen", betont Rebecca Schmaranzer.

Dabei bleiben die Angebote für die Kleinen Teil der ganzen Gemeinde, wie Anke Wiedekind unterstreicht. In Gottesdiensten werden Kinder aus "kidscom" eingebunden und es werden Lieder der Kinder gesungen. Außerdem gibt es Gottesdienstformate, die speziell die Familien einbinden sollen. Und umgekehrt besuchen die Kleinen auch Projekte der Kirchengemeinde. "Generationen sollen sich hier gegenseitig inspirieren", hofft die Pfarrerin. Und durch "kidscom" entsteht zudem ein besserer Kontakt zu den Eltern. "Mittlerweile haben wir auch viele Mütter und Väter als Mitarbeitende für die Gemeinde gewinnen können", berichtet Anke Wiedekind.

In den zwei Jahren hat sich "kidscom" jedenfalls in der Kirchengemeinde Cochem bewährt, wie die Pfarrerin sagt: "Es ist etwas richtig Neues, aber auch sehr Schönes entstanden." Mit diesem Angebot gelinge es, Kindern in der Kirche ein Zuhause zu geben, sie in die Gemeindearbeit zu integrieren, sie vor allem aber auch daran zu beteiligen. "Und so zu einer Kirche mit Zukunft werden", hofft Anke Wiedekind. Das, was die Erprobungsräume der Evangelischen Kirche im Rheinland ja auch zeigen sollen.

Mit zunächst zehn sogenannten Erprobungsräumen fördert die Evangelische Kirche im Rheinland innovative und unkonventionelle Formen kirchlichen Lebens. Die Modellprojekte und Initiativen sollen mit Mut und Kreativität erproben, wie Kirche neu Gestalt gewinnen kann. Damit will die zweitgrößte deutsche Landeskirche Menschen erreichen, die sich in bisherigen kirchlichen Angeboten nicht beheimatet fühlten. Zu den ausgewählten Initiativen gehören unter anderem eine virtuelle Kirche, eine Kindergemeinde und ökumenische Segensfeiern.

Die Projekte werden für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren gefördert. Die rheinische Landessynode hatte das Förderprogramm mit einem Gesamtvolumen von bis zu 13 Millionen Euro im Januar beschlossen. Die zweite Bewerbungsphase für weitere Erprobungsräume beginnt am 31. Oktober, dem Reformationstag.

aus dem chrismonshop

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