Bayerische Landeskirche richtet Corona-Sonderfonds für afrikanische Partnerländer ein

Bayerische Landeskirche richtet Corona-Sonderfonds für afrikanische Partnerländer ein
Experte: Corona wird afrikanische Gesundheitssysteme überfordern
Auch in einigen afrikanischen Ländern hat das Coronavirus das kirchliche Leben lahmgelegt. Der Unterschied: Dort wird alles über die Kollekte im Gottesdienst finanziert. Deshalb geht den Geistlichen dort das Geld aus. Die bayerische Landeskirche will ihren Partnerländern helfen.
08.04.2020
Daniel Staffen-Quandt
epd

Sollte es in den meisten afrikanischen Ländern zu einem ähnlich pandemischen Ausbruch des Coronavirus kommen wie in Europa, wird dies die dortigen Gesundheitssysteme massiv überfordern. Wie der Afrika-Referent des landeskirchlichen Partnerschaftszentrums Mission EineWelt, Klaus Dotzer, dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte, seien vor allem Staaten mit Ebola-Erfahrungen zwar verhältnismäßig gut vorbereitet: "Aber wenn es selbst den reichsten Ländern der Welt nicht gelingt, ausreichend Schutzausrüstung einzukaufen, wie soll das dann deutlich ärmeren Ländern in Afrika gelingen?"

Die bayerische Landeskirche unterhält in Afrika direkte Partnerschaften zu den lutherischen Kirchen in Liberia, Kenia, Mosambik, Tansania und dem Kongo. Die Länder seien bislang verschieden stark von Covid-19 betroffen und hätten auch unterschiedlich auf die Herausforderung reagiert. Während die Lage in Tansania oder auch in Mosambik mit 22 und 10 bestätigten Fällen (Stand: Montagnachmittag, 15 Uhr) sowie einem Todesfall in Tansania noch sehr übersichtlich sei und das öffentliche Leben weitestgehend normal weiterlaufe, sehe die Situation etwa in Liberia, Kenia und Kongo ganz anders aus.

Liberia und Kongo hätten schnell reagiert und Ausgangssperren verhängt, Kenia ebenfalls. In Liberia gebe es aktuell 13 bestätigte Fälle (drei Tote), im Kongo 154 Fälle (18 Tote) und in Kenia 142 Fälle (vier Tote). Aufgrund mangelnder Testmöglichkeiten sei aber mit wesentlich höheren Dunkelziffern zu rechnen. "Die Länder haben durch ihre Erfahrungen mit Epidemien einige Vorräte an Schutzausrüstung, aber die reichen nicht ewig", sagte Dotzer. Bei anderen Schutzmaßnahmen, etwa Tracking-Apps, um Infektionsketten nachzuvollziehen, seien die afrikanischen Staaten vorne mit dabei. Auch seit den letzten Ebola-Ausbrüchen habe sich in vielen afrikanischen Staaten einiges an Aufklärung und Bewusstseinsbildung getan, sagte er.

"Das gewohnte kirchliche Leben in den Ländern mit Ausgangsbeschränkung liegt weitestgehend brach - ebenso wie uns", sagt Pfarrer Dotzer. Freilich gäben sich die Kirchen auch dort Mühe, über digitale Angebote Kontakt zu halten. "Das Problem für die Kirchen dort ist: Alles wird über die Kollekte im Gottesdienst finanziert." Das heißt, dass auch den Pfarrern vor Ort das Geld zum Leben ausgeht, je länger die Gottesdienst-Zwangspause dauert. Mission EineWelt habe einen Sonderfonds für seine Partnerkirchen eingerichtet. Für größere Hilfsprojekte hat die bayerische Landeskirche 400.000 Euro über den Corona-Hilfsfond des Lutherischen Weltbundes in Genf bereitgestellt.

Wichtig sei, dass auch auf internationaler Ebene die weltweite Problematik der Corona-Pandemie bewusster werde: "Wenn schon Industrieländer wirtschaftlich mit den Folgen kämpfen, könnte das manche afrikanische Staaten in die Zahlungsunfähigkeit stürzen." Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) warnt, dass die Corona-Pandemie in Afrika zum Ausbruch neuer Gewalt und zu neuen Flüchtlingsbewegungen führen könnte. Eine mögliche Antwort auf diese Lage sei ein Schuldenerlass, wie ihn etwa die internationale Hilfsorganisation Oxfam oder der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed ins Gespräch gebracht haben, sagte Dotzer: "Das würden wir sehr unterstützen."

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