Kirchen zum Jahreswechsel: Es braucht Gottvertrauen

Bibel liegt neben Kreuz auf Tisch

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Kirchen zum Jahreswechsel: Es braucht Gottvertrauen
Erderwärmung, Populismus, verrohende politische Kultur - angesichts beunruhigender Entwicklungen rufen die Kirchen zu Gottvertrauen und Mut im neuen Jahr auf. Der Papst nutzt seine Predigt am Neujahrstag für einen Appell gegen Gewalt an Frauen.

Papst Franziskus hat am Neujahrstag Gewalt gegen Frauen scharf verurteilt. Frauen würden unablässig "beleidigt, geschlagen, vergewaltigt und dazu gebracht, sich zu prostituieren", beklagte das katholische Kirchenoberhaupt am Mittwoch in einer Messe im römischen Petersdom. Diese Gewalt sei eine "Schändung Gottes, der von einer Frau geboren wurde". In Deutschland riefen die Kirchen in ihren Neujahrsbotschaften dazu auf, mit Gottvertrauen und Mut in die Zukunft zu blicken.

Der Papst warb dafür, Frauen stärker an der Lösung von Konflikten zu beteiligen. "Die Frau ist Spenderin und Mittlerin des Friedens und muss an den Entscheidungsprozessen voll beteiligt werden", sagte Franziskus anlässlich des katholischen Weltfriedenstags am 1. Januar. "Denn wenn die Frauen ihre Gaben weitergeben können, dann ist die Welt geeinter und friedvoller", betonte er.

Bedford-Strohm besorgt um politische Kultur 

Die Repräsentanten der Kirchen in Deutschland warben zum Jahreswechsel für Zuversicht, wiesen aber zugleich auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen hin. So zeigte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, besorgt um die politische Kultur und beklagte verbale Attacken auf Politiker im Ehrenamt, insbesondere auf Ebene der Städte und Gemeinden. "Ein politisches Amt ist heute manchmal nicht mehr vor allem mit Ehre verbunden, vielmehr muss man vor allem in der Kommunalpolitik mit Beschimpfungen rechnen", sagte er der "Rheinischen Post" (Dienstag).

Es gebe in Teilen der Bevölkerung eine ablehnende Grundhaltung, die alle Politiker in einen Topf werfe, führte Bedford-Strohm aus: "Dem widerspreche ich in aller Entschiedenheit. Die meisten Politiker haben Ideale und versuchen sie umzusetzen."


Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, forderte ein neues Denken in Kirche und Gesellschaft. Dazu müssten "alte Schablonen und Besitzstanddenken" beiseitegelassen werden, sagte der Kardinal in seiner Silvesterpredigt im Münchner Liebfrauendom: "Wenn die Kirche, wenn Europa und die ganze Welt im neuen Jahr einen Weg gehen wollen, dann nicht in einer Verteidigungshaltung, sondern in der Zuversicht, dass Gott uns neue Möglichkeiten erschließt - ohne Angst, ohne Enge, sondern mit großem Mut und mit großer Lust, Neues zu denken."

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung erklärte, viele Menschen schwankten derzeit beim Blick in die Zukunft zwischen Angst und Hoffnung. So fragten sich viele, ob die "Katastrophe der Erderwärmung" abzuwenden sei, die Gesellschaft wieder besseren Zusammenhalt finde oder Staaten für eine engere Kooperation gewonnen werden könnten, erklärte der evangelische Theologe. Es sei jedoch ein Charakterzug des christlichen Glaubens, dass "Gottes Kraft in der Welt allem Bedrohlichen und Unheilvollen entgegentritt und es zum Guten wendet".

Nach den Worten des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, wird es "im neuen Jahr immer solche Situationen geben, wo wir mit unserem Glauben hilflos vor der Not Anderer und auch vor den Herausforderungen unseres eigenen Lebens stehen". Wer sich aber auf Jesus Christus verlasse, der könne aus dem Potenzial Gottes schöpfen, sagte er in Düsseldorf. Dazu gehöre auch Kraft und Mut, aus diesem Glauben heraus die Welt ein kleines Stück zum Besseren zu verändern.

Kohlgraf: Zunehmender Antisemitismus

Der Mainzer katholische Bischof Peter Kohlgraf sagte in seiner Silvesterpredigt: "Der um sich greifende Populismus mit seinen einfachen und oft menschenverachtenden Antworten macht uns Sorge." In Deutschland mache sich ein zunehmender Antisemitismus breit. Christen müssten im praktischen Miteinander deutlich machen, dass die Juden ihre älteren Geschwister seien.

Die westfälische Präses Annette Kurschus betonte, der christliche Glauben dürfe nicht "missbraucht werden, sich von anderen abzugrenzen und eine Trennlinie zu den 'Ungläubigen' zu markieren". Wer dies tue, sei nicht in der Spur Christi unterwegs. Die Liebe Gottes gelte bedingungslos allen, betonte die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der Dresdner Frauenkirche in einem Neujahrsgottesdienst, den das ZDF live übertrug.

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