Kirchensteuer ist der häufigste Grund für Kirchenaustritte in Berlin

Der Französische Dom im Berliner Ortsteil Mitte.

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Der Französische Dom im Berliner Ortsteil Mitte. Alle aus der Evangelischen Kirche ausgetretenen Menschen sind vom Kirchenkreis in einem persönlichen Brief nach ihren Gründen für den Kirchenaustritt gefragt worden.

Kirchensteuer ist der häufigste Grund für Kirchenaustritte in Berlin
Etwa 2.600 Menschen sind im vergangenen Jahr im Kirchenkreis Berlin Stadtmitte aus der Kirche ausgetreten. Ein Fünftel von ihnen hat verraten, warum sie der Kirche den Rücken gekehrt haben.

Kirchenaustritte haben offenbar mehrheitlich finanzielle Gründe. Bei einer nicht-repräsentativen Umfrage des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte unter ausgetretenen Kirchenmitgliedern gaben 61,2 Prozent finanzielle Aspekte als häufigsten Grund für ihren Kirchenaustritt an, teilte der Kirchenkreis am Montag in Berlin mit. 31,8 Prozent der Befragten begründeten demnach ihren Austritt damit, dass sie mit dem christlichen Glauben nichts mehr anfangen können. 20,9 Prozent wollten so gegen kirchliche Äußerungen zu politischen oder anderen Fragen des öffentlichen Lebens protestieren.

Der Evangelische Kirchenkreis Berlin Stadtmitte ist mit rund 79.800 Mitgliedern der größte auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Im vergangenen Jahr erklärten etwa 2.600 Bewohner des Kirchenkreises ihren Austritt aus der Kirche. Allen diesen Menschen sei vom Kirchenkreis ein persönlicher Brief und ein Fragebogen zugeschickt worden, in dem die Gründe für den Kirchenaustritt erfragt wurden, erklärte Projektleiter Pfarrer Alexander Brodt-Zabka. Der Rücklauf habe bei knapp 20 Prozent gelegen.

Deutlich seltener wurden demnach als Anlass für den Kirchenaustritt negative persönliche Erlebnisse mit einer Pfarrerin oder einem Pfarrer oder einem anderen kirchlichen Mitarbeiter genannt. Auch der Übertritt zu einer anderen Religionsgemeinschaft spiele kaum eine Rolle. "Ich sehe den Grund für Austritte vor allem darin, dass viele Menschen immer stärker ihre Bindung an unsere Kirche verlieren", sagte Brodt-Zabka: "Hier müssen wir ansetzen - und tun das auch bereits."

Ein wichtiger Punkt sei die Mitgliederpflege. "Wir müssen die Menschen persönlich ansprechen, und zwar nicht nur im Gottesdienst, sondern auch bei anderen Gelegenheiten: etwa indem wir auf Straßenfesten präsent sind oder Menschen zu unterschiedlichen Anlässen zu Hause besuchen", sagte der Projektleiter. Auch die sogenannten Kasualien - Taufe, Konfirmation, Trauungen, Beerdigungen - müsse man als große Chance begreifen: "Da werden Menschen angerührt und die geistliche Dimension des Lebens kommt zur Sprache."

Im Kirchenkreis Berlin Stadtmitte leben insgesamt 742.586 Einwohnern, 10,75 Prozent sind Mitglied in der Evangelischen Kirche. Mitte Juli hatte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Mitgliederzahlen für das Jahr 2018 vorgelegt, demnach sank die Zahl der Mitglieder um rund 395.000 auf 21,1 Millionen.

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