Joachim Gauck: Dem Fremden begegnen

Joachim Gauck beim Interview auf dem Roten Sofa des Kirchentags 2019

© epd-bild/Stefan Arend

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck auf dem Roten Sofa

Joachim Gauck: Dem Fremden begegnen
"Was einem vertraut ist, muss man nicht mehr fürchten", sagt Altbundespräsident und Pfarrer Joachim Gauck. Er plädiert deshalb für die Einübung von Toleranz und macht dies an persönlichen Beispielen deutlich.

"Ich kann mittlerweile Döner essen", sagt der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck. Und italienisches Essen schmecke ihm inzwischen besser als so manches Gericht aus seiner mecklenburgischen Heimat. Mit persönlichen Beispielen nähert sich Gauck in seinem aktuellen Buch dem Thema "Toleranz" an, und auch auf dem Roten Sofa beim Dortmunder Kirchentag ging es darum, wie man dem Fremden in der Welt begegnen kann. Gauck plädiert für eine Annäherung. "Denn was einem vertraut ist, muss man nicht mehr fürchten." Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall seien sich Ost- und Westdeutsche noch in vielem fremd. Gauck, der als Pfarrer den Weg der DDR-Oppositions- und Bürgerrechtsbewegung, die in der Kirche Freiräume fand, hautnah begleitete, fordert einmal mehr Verständnis für die gänzlich andere Prägung der Menschen in 40 Jahren DDR. "Sie konnten nicht über Generationen einüben, was ein freier Bürger ist." Es gebe gewachsene Unterschiede, "die nichts mit dem Charakter zu tun haben", betont Gauck. "Wenn es bei Ihnen in Dortmund DDR gegeben hätte - das hätte genau so funktioniert wie in Leipzig."