Theologe: Leerstehende Kirchen müssen genutzt werden

Alte Kirche in Niederweimar bei Marburg

© epd-bild/Richard Menzel

Alte Kirche in Niederweimar bei Marburg. Gottesdienste gibt es in der Dorfkirche schon lange nicht mehr. Ein Verein übernahm 1988 die leerstehende alte Kirche. In dem denkmalgeschützten Gebäude finden jetzt Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Theater und Kabarett statt.

Theologe: Leerstehende Kirchen müssen genutzt werden
Etwa ein Viertel der evangelischen Kirchen in Mitteldeutschland sind das ganze Jahr über geschlossen, weil sie nicht mehr kirchlich genutzt werden. Über zukünftige Nutzungskonzepte und Möglichkeiten berät der Evangelische Kirchenbautag in diesem Jahr.

Auf dem Evangelischen Kirchbautag im September in Erfurt wollen rund 600 Architekten, Theologen, Künstler und interessierte Bürger diskutieren, was mit ihnen gemacht werden kann. "Die Kirchen sind alle renoviert. Aber eine Zukunft haben sie nur, wenn sie genutzt werden", sagte der Direktor des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart an der Universität Marburg, Thomas Erne, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Das Thema des 29. Evangelischen Kirchbautages vom 19. bis 22. September in der thüringischen Landeshauptstadt lautet "Aufgeschlossen". Die Teilnehmer unternehmen unter anderem Exkursionen zu Kirchen, die aus einem Ideenwettbewerb zur Nutzung leerstehender Gebäude ausgewählt wurden. Veranstalter sind die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und das EKD-Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst.

Jedes Dorf habe eine Kirche, jedoch oft keine Kirchengemeinde mehr, berichtete Erne. Er glaube aber, dass es in der Zivilgesellschaft genügend Leute gebe, die sich um die Gebäude kümmern würden. Eine Exkursion führt beispielsweise zur St. Annen-Kapelle in Krobitz im Saale-Orla-Kreis, für die der international bekannte Künstler Carsten Nicolai ein Kunstprojekt entwickelt hat. Drei bis vier zugezogene Familien kümmern sich Erne zufolge um die Kirche. "Man entdeckt plötzlich Leute, die was machen wollen."

Bildergalerie

Wo leere Gotteshäuser neu zum Leben erwachen

Alte Kapelle wird zum modernen Apartment

Foto: Cornbread Works

Alte Kapelle wird zum modernen Apartment

Foto: Cornbread Works

Das niederländische Architekturbüro "Zecc Architecten" verwandelte in Utrecht eine alte katholische Kapelle in ein modernes Apartment. Dabei blieb der bauliche Charakter der kleinen Kirche erhalten. Zusätzliche Dachfenster machen den Raum heller und die Glasmalerei wirkt stimmungsvoll. Hinter dem ursprünglichen Altar wurde ein mondrianähnliches Fenster eingebaut. Der Balkon, auf dem die Orgel stand, wurde erweitert. Ehemalige Kirchenbänke stehen nun im Essbereich. Aus einzelnen Bänken wurde auch der Tisch gezimmert. Das Schlafzimmer des Apartments ist bewusst dunkler gehalten. Weitere Informationen unter <a href="http://www.zecc.nl/nl/Projecten/project/1/Woonkapel-Utrecht">www.zecc.nl</a>

Brauerei

Foto: Rene Mattes/hemis.fr/laif

Haarlem war einst eine der wichtigsten Brauereistädte der Niederlande. Heute sind in der ehemaligen Jacobskirche im Raaks-Quartier in Haarlem eine Brauerei, ein Grand Café und ein Restaurant untergebracht. Eine Bierprobe ist möglich. Mehr Informationen unter <a href="http://www.jopenkerk.nl/haarlem/de/">www.jopenkerk.nl</a>

Hotel

Foto: Etienne van Sloun

Die ehemalige Kreuzherrenkirche in Maastricht ist nun ein Hotel mit Rezeption und Glasaufzug. Die Zimmer sind im angrenzenden Kloster untergebracht und die Ausstattung harmoniert mit der gotischen Architektur des Spätmittelalters. Wo einst der Altarraum war, befindet sich die Hotelbar. Mehr Informationen unter <a href="http://www.oostwegelcollection.nl/de/hotels/kruisheren-hotel">www.oostwegelcollection.nl</a>

Schlafzimmer

Foto: Etienne van Sloun

Wo einst gebetet wurde, werden heute in der ehemaligen Kreuzherrenkirche in Maastricht Hotelgäste weicher gebettet als Mönche jemals schliefen.

Skatehalle

Foto: Collin Versteegh

Wo früher Gläubige auf Kirchenbänken saßen und beteten, skaten nun Jugendliche über Rampen und Halfpipes. Das ehemalige Gotteshaus im niederländischen Arnhem wurde kurzerhand zur Skatehalle umgebaut.
Mehr Informationen unter <a href="http://www.skatehalarnhem.nl/">www.skatehalarnhem.nl</a>

Wohnhaus

Foto: Frans Hanswijk

In der katholischen Sankt Jakobuskirche im niederländischen Utrecht gibt es bereits seit 1991 keine Gottesdienste mehr. Bis 2007 wurde die Kirche als Ausstellungsraum für antike Möbel genutzt. Heute bietet die ehemalige Kirche, die vom niederländischen Architekturbüro "Zecc Architecten" umgebaut wurde, viel Raum für ein Wohnloft. Mehr Informationen unter <a href="http://www.zecc.nl/nl/Projecten/project/23/Woonkerk-XL-Utrecht">www.zecc.nl</a>

Martin's Patershof

Foto: PR

Aus der ehemaligen Franziskanerkirche im belgischen Mechelen wurde das schicke Hotel Martin's Patershof. Gespeist wird im sakral wirkenden Ambiente. Mehr Informationen unter <a href="http://www.martinshotels.com/en/hotel/martins-patershof">www.martinshotels.com</a>

Schlafen unterm Kuppeldach

Foto: PR

Heute lässt es sich im Martin's Patershof himmlisch schlafen.

Sicherlich könne man auch Gastronomen finden, die leerstehende Kirchen nutzen würden. Aber bisherige "Generallinie" sei, dass eine "Kirche noch als Kirche erscheinen" und dass sie "spirituell beatmet" werden müsse. Man wolle das Miteinander in den Ortschaften fördern und eine "Caring Community" anstoßen. Das könne auch eine Nutzung als Sozialkaufhaus beinhalten.

Das Problem ungenutzter Kirchen finde sich überall in der Bundesrepublik, Mitteldeutschland sei nur exemplarisch, fügte der Direktor des EKD-Kirchenbauinstituts hinzu. "Man kann viel lernen von den neuen Bundesländern, weil sie die Probleme schon länger haben."

Meldungen

Top Meldung
Nach der schweren Explosion in Beirut
Nach der verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut haben evangelische und katholische Kirche rasche Finanzhilfen angekündigt und um weitere Spenden gebeten.