Militärbischof kritisiert Berliner SPD-Beschluss zu Jugendoffizieren

Militärbischof Sigurd Rink

©epd-bild/Norbert Neetz

Militärbischof Sigurd Rink ist der Meinung, dass auch zivile Entwicklungshilfe- und Aufbauorganisationen in Schulen eingeladen werden sollten.

Militärbischof kritisiert Berliner SPD-Beschluss zu Jugendoffizieren
Der evangelische Militärbischof Sigurd Rink kritisiert den Beschluss der Berliner SPD, Jugendoffiziere der Bundeswehr nicht mehr in Schulen einzuladen. "Vertreter der Bundeswehr sollten mit Schülerinnen und Schülern über Grundfragen der Sicherheits- und Friedenspolitik diskutieren, und die demokratisch legitimierte Armee sollte sich jungen Menschen auch zum Gespräch stellen", sagte Rink dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag. Dies könne nur in offener Weise und ohne "Indoktrination" geschehen.

"Unliebsame Themen werden nicht dadurch zunichte, dass sie aus dem Schulunterricht und dem gesellschaftlichen Diskurs ausgeklammert werden", sagte der Militärbischof. "Jeder Ausgrenzung unserer Soldaten aus der Gesellschaft trete ich als Militärbischof bewusst entgegen." Die Bundeswehr sei eine Parlamentsarmee, deren Soldatinnen und Soldaten auf die demokratisch-rechtsstaatliche Ordnung verpflichtet sind. Sie würden durch Militärgeistliche der großen Kirchen seelsorgerlich betreut und insbesondere im "Lebenskundlichen Unterricht" kritisch-solidarisch begleitet.

Auch die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz kritisierte den Beschluss der Berliner SPD. "Wir halten es bei einer Parlamentsarmee für richtig, dass auch an Schulen über sie informiert wird", sagte eine Sprecherin auf Anfrage des epd. Allerdings könnten nach der Meinung beider Kirchenvertreter auch zivile Entwicklungshilfe- und Aufbauorganisationen in Schulen eingeladen werden, "um die komplexe Herausforderung zu verdeutlichen, die Friede und Gerechtigkeit im Weltmaßstab darstellen".

Die Berliner SPD hatte am Wochenende auf ihrem Landesparteitag beschlossen, das Berliner Schulgesetz um den Passus zu ergänzen: "Es wird militärischen Organisationen untersagt, an Berliner Schulen für den Dienst und die Arbeit im militärischen Bereich zu werben." Die Berliner Sozialdemokraten erklärten: "Für Töten und Sterben macht man keine Werbung." Einer entsprechenden Gesetzesänderung müssten auch die Grünen und die Linkspartei zustimmen, mit denen die SPD in Berlin regiert. Der Beschluss war auch in der eigenen Partei auf harsche Kritik gestoßen.

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