"Der Bischof hätte ein Zeichen setzen können"

Jurist Friedrich von Praun

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Im August 1943 wurde der Jurist Friedrich von Praun von zwei jungen Nationalsozialistinnen denunziert, weil er - unter dem Eindruck eines Bombenangriffes auf Nürnberg - geäußert hatte, nun könne nicht mehr Göring helfen, sondern nur noch Gott.

Deutschland spricht 2019
"Der Bischof hätte ein Zeichen setzen können"
Vor 75 Jahren starb der Kirchenjurist Friedrich von Praun in Nürnberg nach dem Verfahren vor einem NS-Gericht. Nun könne nicht mehr Göring helfen, sondern nur noch Gott, soll er unter dem Eindruck eines Bombenangriffes auf Nürnberg gesagt haben. Das brachte ihm die Anklage der Heimtücke ein. Der Direktor der Ansbacher Landeskirchenstelle musste sich vom Richter anschreien lassen und verzweifelte wohl nach dem Beschluss, dass sein Prozess vor dem Volksgerichtshof in Berlin wegen Wehrkraftzersetzung fortgeführt werden sollte. von Praun nahm sich vermutlich in seiner Zelle das Leben. Kirchenrat Björn Mensing von der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau hat den Fall recherchiert.

Ist denn jeder Prozess an den Sondergerichten und dem Volksgerichtshof der Willkür-Justiz der Nazis in wildes Geschrei ausgeartet?

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Björn Mensing: Die gesamte Justiz war im Dritten Reich gleichgeschaltet. Es wurde nicht mehr nach Recht und Gesetz verhandelt. Aber man versuchte mit der Form der Verhandlung meist noch den Schein zu wahren. Wüste Beschimpfungen waren typisch für den Präsidenten des Volksgerichtshofs Roland Freisler. Wie sich Richter Rudolf Oeschey vom Sondergericht beim Landgericht Nürnberg-Fürth gegen von Praun verhielt, hat ein Pfarrer, der den Prozess beobachtete, 1947 eindrucksvoll geschildert. Der Richter habe den Verteidiger angeschrien, als der versuchte, Entlastendes vorzubringen. Seine Worte gegen ihn und von Praun waren erniedrigend und gehässig.

Hat sich die Kirche für den Leiter ihrer Landeskirchenstelle eingesetzt?

Mensing: Die Kirchenleitung hat Anteil genommen an dem Verfahren gegen von Praun, das ja bereits 1943 einsetzte. Aber Landesbischof Meiser hätte ein starkes Zeichen setzen können, wenn er von Praun in den sechs Monaten seiner Haft besucht hätte. Das tat er aber nicht, obwohl von Praun selbst sich immer kategorisch hinter Meiser gestellt hatte. Als der Prozess an den Volksgerichtshof verlegt wurde, hat die Landeskirche nicht interveniert - jedenfalls ist dazu nichts überliefert.

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Ist Friedrich von Praun der Einzige in der evangelischen Landeskirche gewesen, der sich traute, gegen das Naziregime den Mund aufzumachen?

Mensing: Er ist jedenfalls der einzige aus der Pfarrer- und Beamtenschaft der Kirche, der wegen seiner kritischen Äußerungen sein Leben verlor. Zwei evangelische Pfarrer haben die KZ-Haft überlebt, Karl Steinbauer und Wolfgang Niederstraßer. Es gab aber noch einen Angestellten der bayerischen Landeskirche, der kaum im Blick ist: Martin Gauger arbeitete für den Lutherrat in Berlin. Er wurde aus dem Kirchendienst entlassen, als er erst versucht hatte, sich das Leben zu nehmen, und dann geflohen war, um dem Kriegsdienst zu entgehen. Er wurde verhaftet, ins KZ verschleppt und dort, schwer erkrankt, als "unnützer Esser" zur Vergasung selektiert. Auch die Münchnerin Elisabeth Braun, die rassisch Verfolgte bei sich aufgenommen hatte, wurde wegen ihrer eigenen jüdischen Herkunft von den Nazis ermordet.

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Das Dienstgebäude der Landeskirchenstelle in Ansbach wurde 2012 in "Friedrich-von-Praun Haus" umbenannt. Dem Juristen Friedrich von Praun wurde 1930 die Leitung der neu gegründeten Landeskirchenstelle Ansbach übertragen.

Am 4. April um 19.30 Uhr spricht Björn Mensing bei einer öffentlichen Gedenkveranstaltung im Saal 600 im Memorium Nürnberger Prozesse, Bärenschanzstraße 72 (U1 Haltestelle Bärenschanze). Da die Anzahl der Plätze begrenzt ist, wird um Anmeldung im Büro der Regionalbischöfe, Pirckheimerstraße 10, 90408 Nürnberg, anmeldung.rb-nbg@elkb.de gebeten.

Am 75. Todestag von Friedrich von Praun, am Karfreitag, 19. April 2019, um 15 Uhr wird Björn Mensing im Gottesdienst der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau an den widerständigen Protestanten erinnern.