"Erst mal ungestört morden"

Pfarrerinnen schmieden Mordpläne als Krimiautorinnen

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Pfarrerinnen müssen kreativ sein, zuhören können und die richtigen Lösungsansätze finden: Damit sind sie die idealen Krimiautorinnen.

"Erst mal ungestört morden"
Wenn Pfarrerinnen Krimis schreiben
Tagsüber predigen sie von der Kanzel, taufen und beerdigen. Abends dagegen schmieden sie Intrigen, begehen Verbrechen und morden, wenn auch nur auf dem Papier: Drei evangelische Pfarrerinnen erzählen, warum sie in ihrer Freizeit Krimis schreiben.

Aufgewachsen ist Sjöfn Müller Thór im westlichsten Örtchen Europas, einem kleinen Fischerort namens Patreksfjödur an der Westküste Islands. "Im Winter war es immer dunkel, und es gab immer Schnee", erzählt die evangelische Pfarrerin. Vor ihrem Umzug in die Eifel betreute sie in Island 600 Gemeindemitglieder in sechs Gemeinden, die bis zu drei Autostunden voneinander entfernt lagen. Schon damals reifte die Idee für einen düsteren Island-Krimi in ihr heran. Umgesetzt hat sie ihn in dem Roman "Es war meine Schuld", der im September im Gaasterland Verlag erschienen ist.

Die evangelische Pfarrerin Sjö†fn Müller Thór aus Island lebt in der Eifel und schreibt Krimis.

Mittlerweile lebt Müller Thór mit ihrem deutschen Ehemann, der selbst evangelischer Pfarrer ist, und den vier Kindern in Inden am Nordrand der Eifel. Für die Pfarrerin ist das Schreiben ein Verarbeitungsprozess: "Der Job ist manchmal hart: Da nimmt man viel aus der Realität mit." Als begeisterte Krimi-Leserin war für sie dieses Genre eine logische Wahl. Herausgekommen ist ein tiefgehendes und packendes Psychogramm einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung. Der nächste Roman ist bereits in Arbeit.

Anders als Müller Thór startete die Mainzer Pfarrerin Angela Rinn ihre Krimi-Karriere unter dem Pseudonym Vera Bleibtreu - "um erst einmal ungestört zu morden". Sie wollte nicht, dass ihre Gemeinde anfängt, über Parallelen zu real existierenden Personen zu spekulieren, im Sinne von: "Das ist doch bestimmt die ...". Zwar verarbeite sie durchaus manchmal Personen in ihren Büchern, über die sie sich geärgert habe, gibt Rinn zu - wenn auch unter anderem Namen. "So reagiere ich mich ab." Aber das sei ein heilsamer und harmloser Prozess: "Die Welt wäre sehr viel besser, wenn jeder Krimis schreiben würde", lacht sie.

Nach 21 Jahren als Pfarrerin in Mainz bildet Rinn als Professorin für Seelsorge nun hauptberuflich angehende Pfarrerinnen und Pfarrer im Theologischen Seminar im hessischen Herborn aus. Das Schreiben ist Hobby für sie. Dass ihre Protagonistin Susanne Hertz selbst Pfarrerin ist und eine Gemeinde in Mainz betreut, ist für Rinn absolut logisch: "Nach 25 Jahren in diesem Job kenne ich den Alltag einer Pfarrerin einfach gut. Da passieren mir keine Fehler." Maßgeblich beeinflusst hat sie bei der Entscheidung eine Freundin, die leidenschaftliche Krimi-Leserin ist: "Die sagte zu mir, dass sie nichts mehr hasst, als wenn die Dinge in einem Krimi nicht stimmen."

Für eine Hauptperson ganz anderer Art hat sich die Theologin und Krimiautorin Tanja Griesel aus Kassel entschieden: Ihre Protagonistin Maxie Kaiser kocht mit Temperament und Hingabe und betreibt ein kleines Restaurant. "Ich wollte kein klassisches Krimi-Genre, und ich wollte auch keine Heldin, die strahlend hell ist." Maxie Kaiser hat Ecken und Kanten und bedient sich auch schon mal sehr zweifelhafter Methoden. "Sie ist anders als ich, sehr direkt und frech, und darf vieles, was ich nicht darf", erzählt Griesel. "Deswegen kann ich in meinen Krimis eine ganz andere Seite von mir ausleben und selbst mal böse sein."

Pfarrerinnen und Autorinnen: "immer mit dem Wort zu tun"

Dass ausgerechnet Pfarrerinnen gern ins Krimi-Genre eintauchen, findet Griesel nicht überraschend. Als Pfarrerin müsse man kreativ sein, zuhören können und die richtigen Lösungsansätze finden, sagt sie. Aber vor allem hätten sowohl Pfarrerinnen als auch Autorinnen "immer mit dem Wort zu tun": "Ich schöpfe viel aus biblischen Geschichten, sie zeigen das volle Leben", betont die Theologin. Und auch die Wortmächtigkeit der Bibel sei inspirierend.

Auch Angela Rinn begegnet in ihrem beruflichen Alltag immer wieder biblischen Motiven, die dann Eingang finden in ihre Bücher: "Was bringt Leute dazu, so zu handeln? Wie kommt es, dass sie neidisch, missgünstig oder rachsüchtig sind? Dass sie lieben, hassen und morden?" Was beide Metiers verbinde, sei vor allem eines, glaubt Rinn: "das Interesse am Menschen".

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