Wegen Kindesmissbrauch: Kardinal Pell schuldig gesprochen

Kardinal George Pell

© epd-bild/Cristian Gennari/Romano Siciliani

Kardinal George Pell wurde von Papst Franziskus der Kontakt zu Minderjährigen untersagt. Der Finanzchef des Vatikans wurde in seiner australischen Heimat wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt.

Wegen Kindesmissbrauch: Kardinal Pell schuldig gesprochen
Papst Franziskus hat dem in seiner australischen Heimat wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, öffentliche Messen und Kontakt zu Minderjährigen untersagt. Das Verbot gelte bis zur endgültigen Aufklärung des Falls, teilte Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Dienstag mit. Das Oberhaupt der katholischen Kirche bestätigte damit vom zuständigen Bischof bereits bei der Rückkehr Pells nach Australien erlassene Vorsichtsmaßnahmen.

Der Vatikansprecher betonte den "maximalen Respekt" des Heiligen Stuhls vor der australischen Justiz. In Erwartung eines rechtskräftigen Urteils erinnerte er daran, dass "Kardinal Pell seine Unschuld bekräftigt und das Recht hat, sich bis zur letzten Instanz zu verteidigen".

Der 77-jährige Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariats wurde schuldig gesprochen, während seiner Zeit als Erzbischof von Melbourne 1996 zwei Chorknaben im Alter von zwölf und 13 Jahren missbraucht zu haben. Im vorliegenden Prozess sagte nur einer von ihnen aus. Der andere war 2014 an einer Überdosis Drogen gestorben.

Pell drohl lange Haftstrafe

Der Missbrauch ereignete sich laut dem australischen Sender ABC im Jahr 1996 in der Saint-Patrick's-Kathedrale in Melbourne. Pell hatte auf nicht schuldig plädiert. Sein Anwalt deutete den Angaben zufolge an, dass er Berufung gegen die Verurteilung einlegen wolle. Pell drohen viele Jahre Haft. Er war im Dezember auf Kaution freigelassen worden, um sich einer Knieoperation zu unterziehen.

Pell war bereits im Dezember verurteilt worden. Wegen weiterer Ermittlungen durfte darüber aber zunächst nicht berichtet werden. Von diesem Mittwoch an soll über das Strafmaß beraten werden. Der Kurienkardinal ist der bislang ranghöchste katholische Geistliche, der wegen Missbrauchs verurteilt wurde. Der Papst hatte ihn für die Dauer des Verfahrens von seinem Amt als Finanzchef beurlaubt. Überdies hat er ihn aus dem K9-Rat ausgeschlossen, der an einer Reform der vatikanischen Kurie arbeitet.

Wer Schuld auf sich geladen habe, müsse die Konsequenzen tragen, "auch wenn das Gefängnis hieße", sagte der Leiter des Kinderschutzzentrums der päpstlichen Gregoriana-Universität, Hans Zollner, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Jesuit erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass der ehemalige Erzbischof von Adelaide, Philip Edward Wilson, im vergangenen Jahr nach einer Verurteilung in erster Instanz wegen Vertuschung von Missbrauch in zweiter Instanz freigesprochen wurde. Das australische Justizsystem sei sehr komplex, sagte er unter Hinweis auf die Vorgabe, dass eine Verurteilung dort nur erfolgen könne, wenn alle Zweifel ausgeräumt seien.

Mit Blick auf das am Sonntag zu Ende gegangene Krisentreffen im Vatikan über Missbrauch in der Kirche rechnet Zollner, einer der Organisatoren des Treffens, mit konkreten Entscheidungen "in den nächsten Tagen oder Wochen". Dazu werde voraussichtlich auch eine Aufhebung des Päpstlichen Geheimnisses gehören, dem Akten über Missbrauchsfälle im Vatikan bislang unterliegen.

Thema Missbrauch ist nun Priorität

Das wichtigste Ziel des Missbrauchstreffens sei erreicht worden. Das sei aber nicht messbar, sagte der deutsche Jesuitenpater unter Hinweis auf die Empörung darüber, dass dabei keine Beschlüsse gefasst wurden. Nach den Berichten von Opfern bei der Konferenz hätten auch die Bischöfe aus besonders kinderreichen Ländern in Afrika und Asien, die Missbrauch bislang für ein Problem in Europa und Nordamerika hielten, dies zu ihrer Priorität erklärt. Beschlüsse seien in den dreieinhalb Tagen des Treffens nicht vorgesehen gewesen, da sie Teil eines "langen Weges" seien.

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