"Toleranz-Wagen!" rollt beim Düsseldorfer-Rosenmontagszug

Jacques Tilly ist der Designer und Erbauer der Wagen für den Karnevalsumzug in Düsseldorf.  Er ging 2018 als Einhorn.

©REUTERS/Thilo Schmülgen

Jacques Tilly, hier im Einhornkostüm, ist der Designer und Erbauer der Wagen für den Karnevalsumzug in Düsseldorf. Er ernwarf auch den diesjährigen "Toleranz-Wagen!".

"Toleranz-Wagen!" rollt beim Düsseldorfer-Rosenmontagszug
Erstmals wird am 4. März beim Rosenmontagszug durch Düsseldorf ein gemeinsamer interreligiöser Wagen durch die Straßen ziehen. Juden, Protestanten, Katholiken und Muslime stellten am Mittwoch den Entwurf zum "Toleranz-Wagen!" von Wagenbauer und Künstler Jacques Tilly vor.

Der Synodalassessor  des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf, Martin Fricke, sagte: "Wir wollten und konnten nicht Nein sagen zu dem interreligiösen Projekt im Karneval."

"Es ist das erste Mal, dass die vier großen Religionsgemeinschaften gemeinsam in die Öffentlichkeit gehen, um für Toleranz zu werben", betonte der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Michael Szentei-Heise, bei der Präsentation des Entwurfs in der Synagoge. Zu sehen sind auf blauem Hintergrund lachende Geistliche der vier Religionsgemeinschaften, zusammen mit den Symbolen der Religionen und lokalen Gotteshäusern. Dies sind die Düsseldorfer Synagoge, die evangelische Johanneskirche, die katholische Lambertuskirche sowie die im Entstehen befindliche Moschee im Stadtteil Reisholz. Über allem schwebt das Sessionsmotto Düsseldorfs: "Gemeinsam jeck".

Vorstellung des Toleranz-Wagen-Entwurfs der Religionen im Düseldorfer Karneval 2019.

"Judentum und Karneval gehörten bislang in Deutschland und in Düsseldorf nicht unbedingt zusammen", sagte Szentei-Heise. Der Geschäftsführer der drittgrößten Jüdischen Gemeinde in Deutschland erinnerte daran, dass im Jahr 1922 in Köln ein erster jüdischer Karnevalsverein gegründet worden war. Schon ein Jahr später, 1923, und damit zehn Jahre vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten, wurde der Verein in Kölnverboten.

In Zeiten mit zunehmendem Antisemitismus, aber auch mit Islam- und Christenfeindlichkeit wolle man damit "ein Zeichen setzen, dass wir zusammen Karneval feiern und gemeinsam Spaß haben können", erklärte Dalinc Dereköy vom Verband der Düsseldorfer Muslime. Dieser hatte sich erst am vergangenen Dienstagabend mit großer Mehrheit für die Teilnahme ausgesprochen.

Bildergalerie

Religiöse Kostüme - Jesus, Engel und Nonnen im Karneval

Engel

Foto: Matthias Jung

Engel

Foto: Matthias Jung

Freya und Victoria, zwei Engel unterwegs auf dem Salierring in Köln.

Jesus

Foto: Matthias Jung

Tobias aus Gelsenkirchen ist auf dem Weg zu einer Party in Köln-Merheim. Er geht als Jesus, weil seine Freundin als Nonne gehen wollte - sie jedoch hat jetzt ein anderes Kostüm...

Pastor

Foto: Matthias Jung

Zwille Zimmermann ist mit einer Friedenstaube unterwegs als evangelischer Pastor. Manchmal nutzt er den Talar auch außerhalb des Karnevals für das Straßentheater.

"Heiliger Strohsack"

Foto: Matthias Jung

Tim studiert Theologie und ist als Vikar in einer Kölner Gemeinde tätig. Sein Kostüm ist der "Heilige Strohsack".

Nonnen

Foto: Matthias Jung

Jana und Jennifer sind aus Stuttgart als Nonnen verkleidet extra nach Köln gefahren.

Mönch

Foto: Matthias Jung

Swjatloslaw stammt aus der Ukraine und ist als ukrainisch-orthodoxer Mönch am Zülpicher Platz in Köln unterwegs. Das Kreuz stammt aus seinem Familienbesitz.

Der Tod

Foto: Matthias Jung

Moritz geht zusammen mit seinen Freunden beim "Geisterzug" mit. Er ist "der Tod". Sein Kostüm ist vom mexikanischen Allerheiligenfest her inspiriert. Jetzt hofft er, dass ihn sein Gemeindepfarrer nicht erkennt.

Nonnen

Foto: Matthias Jung

Pascal, Michael, Matthias, Philipp und Jan sind an Weiberfastnacht als Nonnen unterwegs. Ein ihnen unbekannter Mönch hat sich beim Fotoshooting dazu gesellt. Kölle alaaf!

Jesus

Foto: Matthias Jung

Nils-Hendrick ist gerade in der Kyffhäuserstraße in Köln. Als Jesus hat er sich vorgenommen, alle Nonnen und Mönche zu segnen.

Geisterzug

Foto: Matthias Jung

Für Karla-M. ist der "Geisterzug" in Köln eine willkommene Gelegenheit, für den Frieden zu demonstrieren.

Kardinal

Foto: Matthias Jung

Özgür will auf eine Party gehen und wartet auf die Straßenbahn. Er ist überzeugter Kölner und auch sein Kardinalsring trägt das Kölner Wappen.

Engel

Foto: Matthias Jung

René fühlt sich wohl als Engel. In der Heinsberger Straße in Köln ...

Mönch

Foto: Matthias Jung

Joe kommt aus England und lebt in Bonn. Er findet die Mönchskutte praktisch, da man viel drunter anziehen kann und so nicht frieren muss.

Nikolaus

Foto: Matthias Jung

Auch das gibt es: zwei Weihnachtsmänner in der Zülpicher Straße in Köln.

Um den Wagen mit Gesamtkosten in Höhe von bis zu 65.000 Euro zu finanzieren, wurde ein Crowdfunding gestartet. Zwei Tonnen Wurfmaterial sollen ins närrische Volk geworfen werden. Darunter auch eine halbe Tonne koschere Kamellen, die die Jüdische Gemeinde bereitstellt.

Zum Thema Alkohol und Muslime meinte der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde: "Das Alkohol-Problem der Muslime kennen wir. Wir haben es auch gelöst. Die kriegen keinen. Umso mehr bleibt für die Angehörigen der anderen Religionen auf dem Toleranz-Wagen übrig."

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