Espen Eichhöfer / Ostkreuz
Islam in Deutschland
Brückenbauer unter Beschuss
Es ist ein nasskalter Freitagmittag Ende November 2025, etwa 1000 Gläubige gehen in der Dar-as-Salam-Moschee in Berlin auf die Knie. Beugen sich nach vorne, bis Hände, Stirn und Nase den weichen Teppichboden berühren. Nur ein kleiner Junge, vielleicht fünf Jahre alt, bleibt stehen und überragt plötzlich die Erwachsenen, die sich vor Gott niederwerfen. Er flitzt vergnügt durch die Reihen aus erhobenen Hinterteilen, hin und zurück, hin und zurück, bis die Erwachsenen wieder aufstehen.
Unter ihnen sticht ein gedrungener Mann mit schelmischem Blick und weißer Kleidung hervor. Es ist Mohamed Taha Sabri, der Imam, der heute die Freitagspredigt halten wird. Sabri streicht seine mit Stickereien verzierte Abaya glatt, den islamischen Mantel, darunter trägt er ein bayerisches Trachtenhemd mit Knöpfen aus Hirschhorn. Er habe mehrere davon zu Hause, erzählt er vor der Predigt. Nach seiner Ankunft in Deutschland aus Tunesien habe er so ein Hemd geschenkt bekommen, es gefiel ihm auf Anhieb. Die jungen Männer, die um Taha Sabri stehen, hören ihm schweigend zu. Nur einer, der etwas abseits steht, sagt: "Unser Imam ist etwas speziell." Es könnte als Lob gemeint sein, aber auch als Kritik.

