Wer wird der Siegerkrapfen des Karnevals?

Bunte Kreppel in der Auslage
Katrin von Bechtolsheim
Kalorienbomben und absolut köstlich: Kreppel in allen Variationen.
Aperol, Dubai oder Currywurst
Wer wird der Siegerkrapfen des Karnevals?
Mit der fünften Jahreszeit startet wieder die Krapfen-Zeit und unsere Redakteurin Katrin von Bechtolsheim taucht mit vollem Einsatz in die Fettwelle ein. Für sie ist der Karneval vor der Fastenzeit ein großes kulinarisches "Probieren wir’s einfach!". Statt Askese steht jetzt erst einmal Krapfen auf dem Programm, ungefüllt, gefüllt mit Marmelade oder auch mit Aperol‑Spritz.

Bald ist Fasching und wir dürfen wieder ohne schlechtes Gewissen über die Stränge schlagen, total albern sein, feiern - und schlemmen. Schließlich steht danach die Fastenzeit an, da können wir dann asketisch den Verzicht üben. Aber davor gibt es jetzt erst einmal Krebbel, Kräppel, Krapfen oder Pfannkuchen. Es geht um den Berliner, so wie er mehrheitlich in Deutschland genannt wird. Für uns in Hessen ist es der Kreppel.

Die Fangemeinde spaltet sich in Team Füllung und Team Ohne. Für die Liebhaber aus dem zweiten Team darf es Pflaumenmus, Himbeermarmelade, Hagebutte oder Aprikose sein. Das gab's schon immer, das hat sich bewährt. Doch diese Tradition wird jetzt ordentlich aufgemischt. Überall schießen Kreppel-Trends wie Pilze aus dem Boden. Es gibt neue Sorten wie Aperol-Spritz-Kreppel, Kreppel mit Dubai-Füllung, Kreppel mit Erdbeer-Joghurt-Füllung und sogar Currywurst-Kreppel.

Um Ihnen, liebe evangelisch.de‑Leser:innen, unsere Empfehlung für die bunten Tage zu geben, habe ich mich intensiv durch das Trendangebot gearbeitet. Gleich werde ich meinen eindeutigen Sieger nennen, doch zuvor: Kommen Sie mit auf meine kulinarische Krapfen-Reise.

Zuerst greife ich zum Aperol-Spritz-Kreppel. Er schmeckt eindeutig nach Aperol, schön leicht herb, nicht zu süß. Ich bilde mir einen angenehmen Schwips nach dem Genuss ein, aber das kann täuschen. Ich esse direkt den zweiten Aperol-Krapfen.

Der Kreppel sieht seekrank aus

Danach versuche ich den Dubai-Kreppel. Er kommt im grünen Kleidchen daher, sieht ein bisschen seekrank aus. Nach einem herzhaften Biss, quillt grüne Creme links und rechts heraus. Er schmeckt vor allem cremig und süß. Meine Bewertung: nur fünf von zehn Punkten. Jetzt die Erdbeer-Joghurt-Füllung mit schokobrauner und rosa Glasur. Drippy! Eigentlich kann ich nicht mehr. Aber ich tue es für Sie.

Erdbeer-Joghurt überzeugt mich nicht, das passt nicht zum Konzept eines Kreppels. Vielleicht bin ich mit klassischer Konfitüre-Füllung im Fasching sozialisiert worden und kann mich nicht an eine frische Marmeladen Variation gewöhnen. Himbeer ist übrigens mein "All-time-Favorit". Den bekommt man nicht so oft wie die anderen Sachen. Mehr kann ich nun nicht mehr für Sie testen. 

Der Favorit steht fest: Es ist der Aperol-Spritz-Kreppel. Er ist ein Sieger des Herzens bzw. des Bauches, denn optisch gleicht er eher einem Hamburger, auf dem der Käse nicht innen schmilzt, sondern oben drauf. Kein leichtes Spritz-Frühlings-Feeling kommt beim Betrachten auf, dafür kann er geschmacklich alles.

Der Aperol-Spritz-Kreppel: Sieger der Herzen.

Eines ist bei einem guten Kreppel trotz Trends und auch mancher regionaler Variante immer gleich. Ob gefüllt oder ungefüllt, mit Aperol Spritz, Erdbeer-Joghurt oder Currywurst (den hebe ich mir für das nächste Tasting auf): Ein guter Kreppel muss aus Hefeteig sein.

Schon die Römer kannten ihn

Wenn man über einen guten Kreppel nachsinnt, fragt man sich vielleicht, wer dieses kleine Meisterwerk erfunden hat. Waren es wieder die alten Griechen oder die Ägypter? Wikipedia verrät, dass sich die Wurzeln des Krapfens nicht in einer einzelnen Erfindung finden lassen, sondern in der sehr alten Tradition fettgebackener Gebäcke. Tatsächlich werden für das Alte Ägypten in dem digitalen Lexikon Hinweise auf frühe Fettbackwaren genannt. Auch die Römer werden in historischen Quellen erwähnt. Ein Rezept ist überliefert für "globi/globuli", fettgebackene Kugeln, süß serviert.

Im Mittelalter galt der Krapfen vor allem als Festtags- und Fastengebäck. Er spielte in der religiösen Speiseordnung eine Rolle. Besonders bei den Katholiken, typisch. Die haben es ja schon immer mehr krachen lassen. Der Krapfen war eine Pitanzspeise in den Klöstern. Pitanz bezeichnet eine kleine Essensration, meist eine einfache, nahrhafte Speise, die als tägliche Verpflegung dient oder als zusätzlicher Anteil zu den Hauptmahlzeiten gereicht wurde. Man aß Krapfen vor dem Fasten und schaufelte schnell noch ordentlich Kalorien, bevor man sich kasteite.

Im 19. Jahrhundert tauchte dann der Berliner in unserer modernen Form in Kochbüchern auf. Die überregionale Verbreitung der "Berliner Pfannkuchen" wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Berlins Aufstieg erklärt. 1847 steht bei Henriette Davidis, der durchaus bekannten Autorin des "Praktischen Kochbuchs für die gewöhnliche und feinere Küche" (1844/45)  bereits ein Rezept, das im Kern der heutigen Zubereitungsart sehr nahekommt, samt der Füllung vor dem Ausbacken. Ob gefüllt oder ungefüllt hing früher vom regionalen Empfinden ab. In Frankfurt am Main zum Beispiel war das Gebäck ursprünglich ungefüllt, denn die alten Frankfurter liebten es bescheiden.

Nun verbleibe ich mit einem Helau, guten Appetit und ab Aschermittwoch eine gesegnete Fastenzeit!