Wagenbauer Tilly zu Moskauer Karnevalsprozess

Karnevalswagen zeigt Putin, wie er die Ukraine verschlingt
epd-bild/Hans-Juergen Bauer
Der Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly ist für seine scharfen satirischen Karnevalswagen bekannt. - Archivbild aus dem Düsseldorfer Stadtmuseum.
Rosenmontagssatire
Wagenbauer Tilly zu Moskauer Karnevalsprozess
Seit 1984 gestaltet der Künstler Jacques Tilly Mottowagen für den Karneval. In Moskau läuft derzeit wegen einiger Motive ein Prozess gegen ihn. Am Rosenmontag ist er wieder in Düsseldorf dabei.

Der Bildhauer und Karnevalswagenbauer Jacques Tilly sieht den in Moskau gegen ihn laufenden Prozess als Bestätigung seiner Arbeit. Ihm drohten zwar zehn Jahre Straflager, sagte der 62-jährige Düsseldorfer Künstler dem Berliner "Tagesspiegel" (Samstag). Zugleich mache sich "das Regime in Moskau lächerlich, indem es seine Justiz gegen Pappfiguren und politische Karnevalssatire in Stellung bringt".

Dies zeige, wie viel Angst der Machtapparat Putins vor Satire und Kritik habe, sagte Tilly, der sich am Rosenmontag wieder am Karnevalsumzug in Düsseldorf beteiligen will: "So absurd das Ganze ist: Die Anklage ist eine Bestätigung meiner Arbeit." Der Künstler hatte bei Rosenmontagsumzügen in den vergangenen Jahren unter anderem Putin in einer Ukraine-Badewanne voll Blut dargestellt.

Lächerliche Despoten

Tilly betonte, es gehe ihm nicht nur um Putin. "Moskau muss begreifen, dass ich nicht nur Putin lächerlich mache, sondern alle Despoten, Demagogen, Diktatoren", sagte er: "Auch demokratisch legitimierte Politiker haue ich in die Pfanne."

Juristische Unterstützung aus Deutschland habe er in dem Moskauer Prozess bislang nicht. "Ich habe kein Anwaltsbüro beauftragt", sagte der Künstler. Er habe jedoch aus dem Auswärtigen Amt Hinweise bekommen, nicht in Länder wie Südafrika, Ägypten oder Serbien zu reisen, weil sie Auslieferungsabkommen mit Russland hätten.

Über US-Präsident Donald Trump sagte Tilly, er sei "ein Aufmerksamkeits-Terrorist". Es sei sehr schwer, "als Satiriker Donald Trumps Wahnsinn immer noch neue Facetten abzugewinnen". Ihn aufs Korn zu nehmen, gehöre jedoch dazu.