Forscher: Jugend fremdelt mit Kirchen

Eine junge Frau betet in einer Kirche.

Foto: Getty Images/iStockphoto/JJFarquitectos

Eine junge Frau betet in einer Kirche.

Forscher: Jugend fremdelt mit Kirchen
Die beiden großen christlichen Kirchen sind bei jungen Menschen in Deutschland gut angesehen. Zahlreiche Untersuchungen wie die Shell-Studie zeigten, dass die große Mehrheit der Jugend und jungen Erwachsenen sie für sinnvolle soziale Einrichtungen halte, die für die Gesellschaft von Vorteil seien, sagte der Jugendforscher Klaus Hurrelmann von der Berliner Hertie School of Governance dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Sie sind bei ihnen gut geachtet."

Gleichzeitig fremdelten die jungen Leute aber mit der organisatorischen Verfasstheit der Kirchen, sagte Hurrelmann weiter. "Es bröckelt für die großen Religionsgemeinschaften. Sie halten sie für ganz nützlich, können sich aber nicht vorstellen, sich selbst dort zu engagieren. Das bleibt einer Minderheit überlassen." Diese Entwicklung sei bei den Parteien noch stärker ausgeprägt als bei den Kirchen. 

Sich selbst religiös zu bekennen und an einen persönlichen Gott zu glauben im christlichen Sinn sei bei nur einem guten Drittel der jungen Menschen der Fall, erläuterte der Jugendforscher. Die Zahlen seien sehr stark zurückgegangen und lägen unter der Zahl der erwachsenen Bevölkerung. 

Ein weiteres Drittel bezeichne sich selbst zwar als nicht areligiös, aber  glaubte nicht an einen persönlichen Gott. Eher glaubten diese jungen Menschen an übersinnliche und übermenschliche Kräfte, seien ansprechbar für abergläubische und schamanische Vorstellungen. "Da ist die Suche nach einer Sinnorientierung zu spüren, die man aber nicht in dem verfassten, christlichen Kanon findet", sagte der Sozialwissenschaftler. Ein weiteres Drittel sei bekennend nichtreligiös, wobei die wenigsten sich als Atheisten bezeichnen würden. Die meisten von ihnen wollten sich nicht festlegen. 


Im Vergleich dazu seien muslimische junge Menschen in Deutschland mehrheitlich sehr religiös. "Hier ist die religiöse Orientierung stark und eng und bestimmt auch viele tägliche Lebensabläufe, wird für Entscheidungen im Leben mit herangezogen und gilt als Orientierung", sagte der Trendforscher. Unter den Muslimen in Deutschland würden sich zwei Drittel als religiös bezeichnen. 

Hurrelmann geht aber davon aus, dass sich das ändert und sich die religiöse Orientierung bei den muslimischen Jugendlichen schrittweise an die der christlichen Mehrheitgesellschaft angleicht. "Das haben wir bei allen anderen lebensperspektivischen Entscheidungen auch gesehen, beispielsweise bei der Männer-Frauen-Rolle, bei der Anzahl der Kinder, bei der Rolle der Familie." Es werde bei den muslimischen Jugendlichen hierzulande wahrscheinlich in 15 Jahren nur noch kleine und in 30 Jahren gar keine Unterschiede mehr geben im Vergleich zur religiösen Orientierung der Mehrheitsgesellschaft.

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