Bundesverband: Steigende Mieten verstärken Andrang bei Tafeln

Steigende Mieten führen dem Bundesverband Deutscher Tafeln zufolge zu verstärktem Andrang an den Ausgabestellen für Lebensmittel. Besonders betroffen seien Rentner, sagte der Vorsitzende Jochen Brühl der "Neuen Osnabrücker Zeitung" am Samstag. Der Anteil der Ruheständler an den Tafel-Kunden habe sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. 

Jeder dritte der derzeit rund 1,5 Millionen Tafel-Kunden sei hingegen noch minderjährig, sagte Brühl. "Das sind besorgniserregende Entwicklungen." Die steigenden Mietpreise hätten daran Anteil. Im Kampf gegen die Armut seien von der Politik mehr Anstrengungen gefordert, betonte Brühl. Bund und Länder müssten Armutsbeauftragte berufen. "Wir brauchen nachhaltige Ideen, sonst hängen wir noch mehr Leute ab." 

Enttäuscht zeigte sich der Bundesvorsitzende zudem über die Debatte um den vorübergehenden Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel im Frühjahr. Die umstrittene Maßnahme sei ein Hilferuf angesichts der massiven Probleme am Rand der Gesellschaft gewesen. "Die Probleme sind geblieben, die Empörungskarawane ist weitergezogen. Ich hatte gehofft, dass diese Empörung der Anfang eines Umdenkens in der Gesellschaft wird."



Die bundesweit 940 gemeinnützigen Tafeln in Deutschland sammeln einwandfreie überschüssige Lebensmittel von Herstellern und Händlern und verteilen diese den Angaben zufolge an 1,5 Millionen bedürftige Menschen in Deutschland. Mit rund 60.000 Ehrenamtlichen sind die Tafeln nach eigenen Angaben eine der größten sozial-ökologischen Bewegungen in Deutschland.