Gauck ruft zum Dialog mit Andersdenkenden auf

Gauck ruft zum Dialog mit Andersdenkenden auf
Altbundespräsident Joachim Gauck hat die Demokraten in Deutschland und Europa zum mutigen Dialog mit Menschen aufgerufen, die in Extremismus und Nationalismus abzugleiten drohten.

Bei Entgegennahme der Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen in Wiesbaden forderte der 78-Jährige am Samstag, die Betroffenen mit Argumenten zu überzeugen, ihre Ängste ernstzunehmen und sie nicht von vorneherein für die Demokratie verloren zu geben. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der Gauck die höchste Auszeichnung des Landes Hessen verlieh, würdigte den ehemaligen Bundespräsidenten als "honorigen Staatsmann, nimmermüden Verfechter der Demokratie und mutigen Kämpfer für eine lebendige Erinnerungskultur".

Bouffier erinnerte daran, dass Gauck bereits als Pastor in Rostock und Bürgerrechtler in der DDR mutig für die Freiheit eingetreten sei. Als Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde sei es ihm nach der Wiedervereinigung gelungen, das Erbe des Staatssicherheitsdiensts so aufzuarbeiten, dass keines seiner Opfer den Eindruck gehabt habe, die Zeit der Bespitzelung wandere einfach nur ins Archiv. Und als Bundespräsident von 2012 bis 2017 habe er mit seinem besonnenen Wesen die Menschen näher zusammengebracht.



Gauck betonte, er stehe für eine liberale und offene Gesellschaft ein, die auch Heimat für Verfolgte sei. Die demokratische Mitte müsse aber souverän genug sein, sich auch mit Skepsis und Ängsten auseinanderzusetzen. "Wir müssen Debattenkultur neu lernen", fügte der Altbundespräsident hinzu und sprach von "neuen Herauforderungen an unsere Toleranz". Eine Demokratie wie die in Deutschland sei nicht schon gefährdet, wenn man sich auf Debatten über "heiße Themen" einlasse. Erst wenn man mit guten Argumenten nicht mehr durchdringe, könne man diese Menschen "dem Lager der Menschenfeinde und gegebenenfalls auch der Polizei überlassen".

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