Christliches LGBT-Treffen in Armenien wegen Drohungen abgesagt

Drei Fragen an: Unterstützer Matthias Fack, Präsident des Bayerischen Jugendrings
BJR-Präsident Matthias Fack

epd-bild/Bayerischer Jugendring/Maria Mor

Der Bayerische Jugendringwollte ein Mitglied nach Armenien schicken. BJR-Präsident Matthias Fack erklärt, warum das Treffen abgesagt wurde.

Eigentlich wollten sich ab Donnerstag gläubige Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgenders (LGBT) aus der ganzen Welt in Armenien treffen, um über ihren Glauben und ihre Probleme zu sprechen. Doch weil es massive Drohungen und Gewalt gegen die Homosexuellen gab, sagten die Veranstalter das Treffen ab. Um die Organisation zu stützen und die Partnerschaft zu festigen, wollte auch der Bayerische Jugendring (BJR) ein Mitglied nach Armenien schicken. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) erklärt BJR-Präsident Matthias Fack, wo die Probleme liegen.

Herr Fack, was für eine Konferenz war das genau?

Matthias Fack: Das European Forum of LGBT Christian Groups und die "New Generation" Humanitarian NGO (Nichtregierungsorganisation) aus Armenien planten die Konferenz vom 15. bis 18. November in der Hauptstadt Jerewan unter dem Motto "Take heart, I have overcome the world!". Das Forum findet seit 2004 jedes Jahr in verschiedenen Städten früherer kommunistischer Länder statt. Gläubige LGBTs treffen sich dort, um sich intensiv auszutauschen, zu diskutieren und zu beten.

Nun haben die Veranstalter die Konferenz kurzfristig aus Angst vor Gewalt und Übergriffen abgesagt. Was ist passiert?

Fack: Das Christliche LGBT-Forum wurde abgesagt, nachdem es eine Welle homophober Angriffe gab. Laut Angaben der Veranstalter geht die Gewalt von der derzeit oppositionellen Partei von Ultrarechten aus. Es gab Morddrohungen gegenüber der New Generation NGO, ausländische Touristen wurden verprügelt, weil sie für Teilnehmende des Forums gehalten wurden. Die Polizei sieht sich außer Stande, das Forum unter diesen Umständen zu schützen.

New Generation NGO erklärt die massiven Angriffe mit Stimmungmache rechter Kräfte vor den armenischen Wahlen am 9. Dezember. Nach Aufständen im Frühling war ein frischer Wind durchs Land gezogen. Doch seither haben sich rechte Gruppen zunehmend radikalisiert. Die NGO lastet die Absage des Forum auch der mangelnden Unterstützung des Staates an, der nach der Anzeige der oben genannten Angriffe keine Hilfe zum Schutz der Teilnehmer anbot.

Was verbindet den Bayerischen Jugendring mit dem Forum junger LGBT-Christen aus Osteuropa und Zentralasien?

Fack: Mein Persönlicher Referent Patrick Wolf, ehemaliger Vorsitzender der Evangelischen Jugend in Bayern, wäre als Teilnehmender angereist, um die Organisation zu unterstützen und die kürzlich geschlossene Partnerschaft zu festigen. Während eines Besuchs in Armenien im Juli konnte sich eine BJR-Delegation von der Aufbruchstimmung im Land überzeugen. In Gesprächen wurden wir in unserer Absicht gestärkt, Armenien zu einem Schwerpunktland in der Zusammenarbeit mit Mittel- und Osteuropa sowie den postsowjetischen Ländern zu machen.

Insbesondere für junge LGBTs gibt es dort keine Beratungsangebote, weder zum Coming Out noch zu Sexual Health. Im Moment scheint sich die Lage zu verschlimmern. Die Jugendarbeit ist kaum strukturell entwickelt und weitgehend auf die Hauptstadt beschränkt. Dabei sind es gerade Jugendverbände und zivilgesellschaftliche Organisationen, die einen wertvollen Beitrag zur politischen Bildung von jungen Menschen leisten. Durch eine Zusammenarbeit mit Bayern hoffen sie auch auf eine Kompetenzerweiterung in Fragen von Jugendarbeit, Demokratisierung und Menschenrechten. Und auch Antidiskriminierung und die Rechte von Minderheiten konnten vom BJR und den armenischen Partnern als gemeinsame Themen gefunden werden. Dass die Konferenz abgesagt wurde, bestärkt uns darin, den Kontakt mit jungen Armeniern und Armenierinnen zu halten.