EKD will 2,2 Millionen Euro in Digitalisierung investieren

Das digitale Projekt "Kirche bei dir"

© PR

Das digitale Projekt "Kirche bei dir" soll in Zusammenarbeit mit den Landeskirchen ermöglichen, dass jede Kirche in Deutschland per Umgebungssuche auf allen Geräten auffindbar ist.

EKD will 2,2 Millionen Euro in Digitalisierung investieren
Ein Digitalfonds, der Kirchenfinder "Kirche bei dir" und vier Stellen im Kirchenamt der EKD sind der Auftakt der neuen Digitalaktivitäten der evangelischen Kirche.

"Die digitale Revolution ist keine Frage, die man bejaht oder verneint, sie findet statt." Mit diesem Zitat von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier brachte Kirchenpräsident Volker Jung die Vorschläge zu "Kirche im Digitalen Wandel" in die EKD-Synode ein. Das Ziel der Kirche beim Thema Digitalisierung müsse sein, "ethisch verantwortlich zu gestalten, um nicht gestaltet zu werden".

Dafür formulierte der Kirchenpräsident vier strategische Ziele, die dem Vorschlag zugrunde liegen:

Ziel 1: Menschen werden von Kirche im digitalen Raum erreicht und Kirche wird von den Menschen erreicht. Bei kirchlichen Kernaufgaben werden auch digitale Möglichkeiten genutzt. Die Kommunikation des Evangeliums, sagte Jung, müsse selbstverständlich über "unterschiedlichste Formen der Mitgliederkommunikation" passieren, von Jana bis Twomplet.

Ziel 2: Effektivität und Effizienz der Verwaltung und IT der EKD und der Gliedkirchen sind gegenüber dem Ist-Stand durch Zusammenarbeit und Vernetzung gesteigert. "Unsere Verwaltungen sind ohne digitales Arbeiten nicht mehr vorstellbar", sagte der Kirchenpräsident, und schlug als Beispiel einen online herunterladbaren Patenschein vor. Aber auch beim Meldewesen und der Finanzbuchhaltung brauche es mehr Nutzerorientierung.

Ziel 3: Evangelische Kirche nutzt digitale Instrumente in ihren Leitungs- und Organisationsstukturen und agiert damit in einer neuen analog-digitalen Leitungs- und Kommunikationskultur. Es gehe um eine "angemessene Mischung von analoger und digitaler Kommmunikationskultur", erläuterte Jung.

Ziel 4: Die EKD ist zusammen mit den Gliedkirchen kompetent hinsichtlich der theologisch-ethischen Reflexion der Digitalisierung in der öffentlichen Debatte und der Digitalisierung kirchlicher Handlungsfelder. Die alte zentrale theologische Frage "Was ist der Mensch?" müsse neu gestellt werden, und zwar nicht losgelöst, sondern "aus dem Kontext der Veränderung, in die wir selbst bereits involviert sind", sagte Jung.

Die nun vorgeschlagene Umsetzung soll insgesamt 2,2 Millionen Euro umfassen. "Das Konzept schlägt nicht alles vor, was wünschenswert wäre", relativierte auch Kirchenpräsident Jung. Die Maßnahmen seien aber so angelegt, dass sie größer gedacht und weiter entwickelt werden können.

Über einen Innovationsfonds sollen im Jahr 2019 eine Million Euro an Projekte aus der EKD, den Gliedkirchen und Gemeinden vergeben werden. Für das konkrete Projekt "Kirche bei dir" sind zusätzlich 400.000 Euro für 2019 eingeplant. Es soll in Zusammenarbeit mit den Landeskirchen ermöglichen, dass jede Kirche in Deutschland per Umgebungssuche auf allen Geräten auffindbar ist.

EKD-Medienbischof Volker Jung im Interview zum Prozess "Kirche im digitalen Wandel".

Außerdem wird im Kirchenamt der EKD eine Stabsstelle "Digitalisierung" geschaffen, für die ein Stabsstellen-Leiter, eine Assistenz und zwei auf drei Jahre befristete Projektstellen vorgesehen sind. Die neue Stabsstelle wird vornehmlich für die Koordination der Digitalprojekte von Gemeinden, Gliedkirchen und Werken zuständig sein. Die Projektstellen sind für die theologisch-ethische Reflexion der Digitalisierung und für die Verbesserung von Verwaltungsprozessen und die Entwicklung von entsprechenden Standards vorgesehen. Zusätzlich ist ein Konzept für einen "Medienpool" zur "verbesserten Bereitstellung digitaler Medienprodukte" geplant. Insgesamt hat das Paket ein Volumen von 2,2 Millionen Euro, die aus dem Haushalt der EKD finanziert werden.

Die EKD-Synode hatte im November 2017 den Prozess "Kirche im Digitalen Wandel" angestoßen. Der Zukunftsausschuss und die Jugendsynodalen hatten sich maßgeblich dafür eingesetzt, die Digitalaktivitäten der EKD mehr zu stärken. Seit Frühjahr 2018 hat die EKD mit Christian Sterzik einen Projektleiter für "Kirche im Digitalen Wandel". Wenn die Synode am Mittwoch ihre Beschlüsse fasst und den vorgelegten Vorschlag annimmt, wird diese Aufgabe in der neuen Stabsstelle im Kirchenamt der EKD aufgehen. [Update: Die EKD-Synode hat den Vorschlag zur Digitalisierung am 14. November 2018 beschlossen.]

Wir haben auf Twitter die Diskussion live mitbegleitet, bei evangelisch.de auf Twitter nachzulesen:

Die Synode der EKD tagt noch bis Mittwoch, 14. November, in Würzburg. Schwerpunktthema war der "Glaube junger Menschen", außerdem beriet das Kirchenparlament über Digitalisierung und die Prävention und Aufarbeitung von Missbrauch und sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche.