Kirchen im Ruhrgebiet: Mehr gegen Armut tun

Armut

Foto: dpa/Friso Gentsch

Ein Bettler bedankt sich für Geldspenden.

Die Spitzenvertreter von evangelischer und katholischer Kirche im Ruhrgebiet fordern mehr Anstrengungen zur Überwindung von Langzeitarbeitslosigkeit und Kinderarmut in der Region. Trotz der Erfolge beim Strukturwandel und der aktuell guten wirtschaftlichen Lage seien diese Probleme bislang nicht gelöst worden, erklärten die Theologen nach Angaben eines Sprechers vom Dienstag bei der ersten ökumenischen Ruhrgebietskonferenz in Mülheim an der Ruhr.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck beklagte eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. "Bei uns leben sowohl die reichsten Menschen des Landes als auch überdurchschnittlich viele Hartz-IV-Empfänger", sagte er. Dadurch werde "die Trennung zwischen den Stadtteilen immer schärfer". Der Bochumer Sozialethiker Traugott Jähnichen hält eine "nationale Solidarität" weiter für nötig, um den Herausforderungen im Ruhrgebiet zu begegnen. Vor allem müsse der Zusammenhang zwischen Wohnort und Bildungserfolg entkoppelt werden, sagte der Theologie-Professor, der auch der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen angehört.

Thema des Treffens, an dem auch der rheinische Präses Manfred Rekowski, die westfälische Präses Annette Kurschus sowie die 15 evangelischen Superintendenten der Ruhrgebiets-Kirchenkreise und die zehn katholischen Stadt- und Kreisdechanten des Bistums Essen teilnahmen, war außerdem das Ende der Steinkohlenförderung. Am 21. Dezember schließt in Bottrop das letzte Steinkohle-Bergwerk des Landes, Prosper-Haniel. Die Kirchen planen am Vorabend einen ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom. Er soll im WDR-Fernsehen live übertragen und auch in Kirchengemeinden gezeigt werden, die einen besondere Beziehung zum Bergbau haben.

Angesichts kleiner werdender Kirchen mit weniger Standorten und weniger Personal plädierten die Teilnehmer der Konferenz für mehr ökumenische Zusammenarbeit. Katholische und evangelische Gemeinden dürften sich nicht beide aus den gleichen Stadtteilen zurückziehen, vor allem wenn es sich um benachteiligte Quartiere handle, sagte Jähnichen.

Nach Ansicht des rheinischen Präses Rekowski muss überlegt werden, wo gemeinsam eine Kita betrieben oder eine Kirche genutzt werden könne. Seit gut einem Jahr ermutige der ökumenische Aufruf "Gemeinsam Kirche sein" zu solchen Aufbrüchen. "Wir stehen da erst am Anfang, aber das muss zum Normalfall werden", sagte der leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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