Union will Aufklärung von DDR-Zwangsadoptionen angehen

Stellvertretender Fraktionsvorsitzender Stephan Harbarth (CDU)

Foto: Sören Stache/dpa

Stellvertretender Fraktionsvorsitzender Stephan Harbarth (CDU)

Die Union im Bundestag will gesetzliche Grundlagen schaffen für die Aufarbeitung von Zwangsadoptionen in der DDR. Um den erwachsenen Kindern und ihren leiblichen Eltern die Suche nacheinander zu ermöglichen, brauche man einige Gesetzesänderungen, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stephan Harbarth (CDU) am Dienstag in Berlin.

Dies gelte etwa für die Einrichtung einer DNA-Datenbank, die Sicherung noch vorhandener Daten und Aktenbestände sowie ein Einsichtsrecht in die Adoptionsunterlagen. In der DDR sollen Kinder von systemkritischen oder als "asozial" eingestuften Eltern zur Zwangsadoption freigegeben worden sein. Andere Mütter zweifeln den Tod ihres Babys an und vermuten, dass der angebliche Säuglingstod vorgetäuscht wurde, um das Kind in eine systemtreue Familie zu geben. "Wir wissen nicht, was genau geschah", sagte Harbarth, aber was man wisse, "gebietet es, den Dingen auf den Grund zu gehen".

Die Union wolle mit dem Koalitionspartner SPD und den anderen Fraktionen über gesetzliche Änderungen ins Gespräch kommen, kündigte Harbarth an. Die Fraktion hatte am Freitag Eckpunkte zur Aufklärung der Zwangsadoptionen in der DDR verabschiedet. Sie sehen außer der Datensicherung und einer DNA-Datenbank eine Vermittlungsstelle für die Kontaktanbahnung vor sowie psychosoziale Hilfe für leibliche Eltern und ihre adoptierten Kinder. Der sächsische Abgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Arnold Vaatz (CDU) betonte, die Betroffenen müssten als politische Opfer anerkannt und entschädigt werden.



Die Fakten über das Ausmaß der Zwangsadoptionen soll eine Studie liefern, die der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), in Auftrag geben will. Eine Vorstudie hat bisher keine seriösen Zahlen über den Umfang der Zwangsadoptionen ergeben. Im Juni hatte der Petitionsausschuss des Bundestags Betroffene und Wissenschaftler angehört. Die "Interessengemeinschaft Gestohlene Kinder in der DDR" hat eine Petition zur Aufklärung der Zwangsadoptionen eingereicht und will selbst eine Anlaufstelle einrichten. Sie geht von 300 bis 400 Fällen aus.