Fernsehwochenvorschau: "Erst die Kinder, dann ich"

Altmodischer Fernseher steht auf Tisch.

Foto: ZDF/Christl Pullmann

"37°: Erst die Kinder, dann ich - Alleinerziehende am Limit": Christiane ist seit deren Geburt allein mit ihren Zwillingen.

Fernsehwochenvorschau: "Erst die Kinder, dann ich"
Was lohnt sich vom 17. bis zum 23. März im Fernsehen?
Eine Journalistin hat für "37 Grad" Alleinerziehende in Deutschland getroffen, die fünf Mal häufiger in Armut leben als Paarhaushalte. Wie mühsam dieser Balanceakt für die Frauen ist, zeigt die Reportage am 19.3. auf 3sat. Und was sich sonst noch vom 17. bis zum 23. März 2018 im Fernsehen anzuschauen lohnt.

17.3., Arte, 23.30 Uhr: "Streetphilosophy: Besitz - Alles meins!"

Heute gilt Besitz oft als etwas Unmoralisches und als Ballast. Moderatorin Ronja von Rönne fragt sich, warum das so ist: Weshalb darf sie ihr Herz nicht an Dinge hängen und sich an ihren Besitz binden? Im Süden Brandenburgs besucht sie den Schlossherrn Bardia Khadjavi-Gontard, der dort ein Rittergut und rund 2.300 Hektar Land besitzt. Alles, was der pensionierte Rechtsanwalt besitzt, ist Teil seiner Identität und einer reichen Familiengeschichte. Er sagt: Besitz hat mit Sitzen zu tun. Wer Schloss und Ländereien besitzt, hat auch die Verpflichtung, da zu sein und sich darum zu kümmern.
Aber warum teilen viele junge Menschen heute lieber, als sich ein eigenes Auto zu kaufen? Macht Besitz frei, oder müssen wir uns von ihm befreien, um wirklich frei zu sein? Philosoph Christian Uhle meint: Es ist in jedem Fall ein Unterschied, ob man Besitz einfach nur anhäuft oder ob man ihn mit Leben füllt. Außerdem muss Besitz nicht zwingend materiell sein. Soziale Kontakte, ein guter Name und eine gute Bildung können sogar wertvoller sein. Bei Facebook, Instagram und YouTube hat sich längst eine ganz andere Währung etabliert. Was zählt, sind Follower, Klicks und Reichweite. Darüber spricht Ronja mit der Schauspielerin Nilam Farooq. Noch weniger greifbar ist der Begriff des geistigen Eigentums. Die Gebrüder Posin eignen sich immateriellen Besitz an, indem sie Gemälde berühmter Künstler fälschen.

17.3., ARD alpha, 20.15 Uhr: "Kaddisch für einen Freund"

Das großartig gespielte Drama "Kaddisch für einen Freund" erzählt von solch einer Freundschaft zwischen einem jungen Palästinenser und einem alten Juden; aber nicht in Israel, sondern in Berlin-Kreuzberg. Die Geschichte beginnt ganz banal mit einer undichten Waschmaschine: Als der 14jährige Ali und seine aus dem Libanon stammende Familie endlich das Asylbewerberheim verlassen dürfen und in eine Kreuzberger Wohnung ziehen, tropft Wasser durch die Decke. Im Stockwerk über ihnen wohnt ein uralter jüdischer Exilrusse. Die jungen Araber betrachten die Gegend als ihr Viertel, sie empfinden schon allein die Anwesenheit des Juden als Provokation. Ali will nur zu gern Mitglied dieser Clique werden. Als die Jungs die Wohnung des alten Alexander verwüsten, ist Ali zwar dabei, aber mit gemischten Gefühlen: Sein Vater ist ein fanatischer Judenhasser, auch für den Jungen sind alle Juden Verbrecher, aber das Unrecht der Tat ist ihm klar. Trotzdem muss er den Kopf hinhalten, denn er ist der einzige, den der Nachbar erkannt hat. Nun droht ihm ein Verfahren und damit der gesamten Familie die Abschiebung; und ausgerechnet Alexander ist der einzige, der ihm helfen kann. "Kaddisch für einen Freund" ist ein märchenhaft schöner Film über eine Freundschaft, die sich unter widrigsten Bedingungen entwickelt. Nicht nur die Religion, auch Herkunft und Alter trennen die beiden Protagonisten. Die biografischen Details lässt Khasin allerdings angenehm beiläufig einfließen; erst ganz zum Schluss wird deutlich, wie weit Alexander über seinen Schatten springen musste, um der Bitte von Alis Mutter zu entsprechen und dem Jungen die Chance zu geben, das Chaos zu beseitigen. Dass sich der Wandel durch Annäherung überaus glaubwürdig und trotzdem eher unterschwellig vollzieht, liegt neben dem Handlungsreichtum der Geschichte an den beiden Hauptdarstellern: Der hierzulande durch "Am Ende kommen Touristen" bekannt gewordene Pole Ryszard Ronczewski agiert ähnlich überzeugend wie der darstellerisch praktisch unerfahrene junge Neil Belakhdar, der bis dahin nur in einem Kurzfilm mitgewirkt hatte.

18.3., ZDF, 9.30 Uhr: "Evangelischer Gottesdienst"

Polizisten erleben immer häufiger, dass sie bei ihrer Arbeit beschimpft oder von Gaffern sogar behindert werden. In Teilen der Gesellschaft scheint der gegenseitige Respekt offenbar abzunehmen. Welche Erfahrungen sie mit dem Thema "Respekt" machen, davon berichten Polizeibeamte in dem Gottesdienst, den die beiden Polizeiseelsorger Matthias Herling und Martin Zenk gemeinsam mit Polizistinnen und Polizisten in der Nürnberger St. Jakobskirche gemeinsam mit Pfarrerin Simone Hahn feiern. Für die musikalische Begleitung sorgen das Vokalensemble des Nürnberger Polizeichores unter der Leitung von Pius Amberger sowie ein Bläserquartett des Polizeiorchesters Bayern. Die Orgel spielt Michael Wittmann.

18.3., 3sat, 19.10 Uhr: "NZZ Format: Wer bin ich? Wie wir werden, was wir sind"

Die Ich-AG, das Selfie, die Selbstverwirklichung: Die moderne Gesellschaft ist geprägt von Egozentrik. Doch wir Menschen sind vielleicht nicht wirklich so individuell, wie wir glauben.
Haben wir überhaupt die Wahl, zu sein, wie wir sein wollen, oder sind wir bloß Marionetten unserer Gene? Das NZZ-Magazin beschäftigt sich mit der Suche nach dem Ich und den Schwierigkeiten der Identitätsfindung. Physisch praktisch identische Zwillinge haben mitunter völlig unterschiedliche Persönlichkeiten, doch was macht den Unterschied? Das Böse steckt in jedem von uns, sagt Thomas Elbert von der Universität Konstanz. Der Neuropsychologe untersucht, was Menschen zu Verbrechern werden lässt.

19.3., ARD, 23.30 Uhr: "Als die Atombomben Deutschland veränderten"

Das nukleare Gerassel zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten von Amerika weckt bei vielen Menschen Erinnerungen an die Zeit, als der "Kalte Krieg" Millionen Deutsche auf die Straßen trieb, um im "Heißen Herbst" gegen neue Atomwaffen in Europa zu demonstrieren. Kürzlich freigegebene Dokumente belegen: 1983 ereignete sich mitten in Deutschland eine zweite Kuba-Krise. Nur Minuten trennten die Welt von einem Atomkrieg, der Deutschland zum letzten Schlachtfeld gemacht hätte. Andreas Orth erinnert mit seiner Zeitreise an diese Jahre, die Deutschland auch spalteten. Es ging damals vor allem um die Stationierung neuer sowjetischer und amerikanischer Mittelstreckenraketen. Es war die größte Protestwelle gegen eine Entscheidung des Bundestages in der Geschichte der Bundesrepublik. Mit Stricknadeln, Sitzblockaden, Menschenketten und Latsch-Demos mobilisierten vor allem kirchliche Gruppen und 5.000 lokale Friedensinitiativen gegen die atomare Aufrüstung. Sie sahen die Welt und besonders Deutschland am Rand des Untergangs. Die Stasi versuchte, an manchem Friedensmanifest im Westen mitzuwirken, bekämpfte aber die Friedensbewegung, die sich damals auch in der DDR bildete und die später einen starken Einfluss auf die "Wende" hatte. Orth begibt sich auf Spurensuche, besucht die alten Friedensaktivisten aus Mutlangen, dem Hunsrück und der Kleinstadt Nottuln bei Münster, die heute noch aktiv sind. Sie erzählen, wie sie es damals ganz ohne soziale Medien schafften, die Straßen in Stadt und Land zu erobern. Spielfilmregisseur Edgar Reitz schildert seine Erfahrungen mit der Friedensbewegung während der Dreharbeiten für seine "Heimat"-Trilogie. Als der damalige US Präsident Ronald Reagan und Russlands Michail Gorbatschow die Verträge über die Abrüstung der Mittelstreckenraketen schlossen, dünnte die Friedensbewegung aus. Die gewaltigen Bunkeranlagen für die nuklearen Cruise Missiles im Hunsrück dienen heute als Bühne für das Technofestival Nature One. In den Atombunkern von Mutlangen, weil lange immer wieder von Aktivisten blockiert, lagert heute Streusalz für die Gemeinde. Doch dreißig Jahre nach dem Inkrafttreten der Abrüstungsverträge droht deren Aufkündigung, und die alten Großmächte planen wieder eine nukleare Aufrüstung. Vor einer neuen gefährlichen Situation für Europa warnt der SPD-Politiker Erhard Eppler, der damals einer der schärfsten Kritiker der sogenannten Nachrüstung war.

19.3., 3sat, 0.10 Uhr: "37 Grad: Erst die Kinder, dann ich"

Fast drei Millionen Alleinerziehende leben in Deutschland und balancieren täglich am Abgrund. Sie leben fünf Mal häufiger in Armut als Paarhaushalte. Die Hälfte erhält keinen Unterhalt.
Viele sind den Arbeitgebern ein Dorn im Auge. Sie gelten als nicht flexibel genug. Andere Betroffene finden keine bezahlbare Wohnung, weil Vermieter aus Angst vor ungezogenem Nachwuchs kinderlose Paare vorziehen. Alleinerziehend, so das Fazit dieses Films von Katrin Wegner, ist meistens ein Leben am Limit. Sie hat drei Alleinerziehende und ihre Kinder in ihrem Alltag zwischen Existenzangst und Überforderung begleitet. Manuel S. zum Beispiel ist Vater von drei Söhnen zwischen 9 und 13 Jahren. Die Familie lebt in beengten Verhältnissen auf dem Land und sucht seit über vier Jahren eine Wohnung. Doch bezahlbarer Wohnraum ist knapp, und die meisten Vermieter wehren ab: Alleinerziehende seien nicht erwünscht, hier sei keine Nachbarschaft für Asoziale. Weil er niemanden hatte, der seine Kinder betreute, wenn sie krank waren und er deshalb nicht zur Arbeit kommen konnte, verlor er seinen Job. Eine neue, familientaugliche Arbeit zu finden ist schwer. Teilzeitjobs gibt es kaum. Auch Stefanie B. teilt dieses Schicksal. Sobald das Kindergeld auf ihrem Konto ist, kauft sie sämtliche in diesem Monat benötigten Lebensmittel für die sechsjährige Tochter und sich selbst, um Lastschriften zuvorzukommen, die das Konto sofort wieder schröpfen würden. Doch mit den Außenständen, die sie nicht begleichen kann, wächst auch der Schuldendruck. Immer schwerer wird es für die 30-Jährige, den Boden unter den Füßen zu behalten oder eine gesicherte wirtschaftliche und berufliche Perspektive jenseits von Hartz IV zu bekommen. Ein 450-Euro-Job war dieser Ausweg nicht, denn die Kosten für den Arbeitsweg halbierten beinahe den Verdienst, der dann auch noch auf die Sozialleistungen angerechnet wurde. Durch eine Borreliose-Erkrankung verlor sie den Job und bezog monatelang Sozialleistungen, bis sie eine Teilzeitstelle als Verkäuferin fand. Seitdem verdient sie kaum mehr als vorher mit Hartz IV und ist noch immer auf das Amt angewiesen, weil das Gehalt zum Leben nicht reicht. Damit ist sie nicht die Einzige: 30 Prozent aller Alleinerziehenden müssen sogar noch trotz Vollzeitjob mit Hartz IV aufstocken. Christiane S. ist alleinerziehende Mutter von neun Monate alten Zwillingen. Der Vater ihrer Babys verließ sie noch in der Schwangerschaft. Seitdem muss sie alles allein stemmen; sie kämpft mit ständigen Rückenschmerzen und Dauermüdigkeit. Nun hat sie eine Mutter-Kind-Kur beantragt. Wird sie bewilligt, kann die 42-Jährige für drei Wochen aufatmen. Aber wie wird ihr Leben danach weitergehen, wenn ihre Elternzeit vorbei ist und sie wieder in einem Kinderheim als Sozialarbeiterin tätig sein wird?

19.3., WDR, 22.10 Uhr: "Wer pflegt mich, wenn ich krank bin?"

Der Pflegenotstand spitzt sich weiter zu: In deutschen Krankenhäusern fehlen derzeit 100.000 Pflegekräfte. Die Reportage begleitet Krankenschwester Marion Paul durch die Wechselschichten am Universitätsklinikum in Münster und schildert auf diese Weise, wie sich Arbeiten am Limit anfühlt Die Pflegedienstleitung der Klinik kämpft mit ungewöhnlichen Methoden um jeden neuen Mitarbeiter. Wenn eine Station dauerhaft unterbesetzt ist, wird sie dicht gemacht. Der Beruf hat kein gutes Image. Wer geht heute überhaupt noch in die Krankenpflege? Die Reportage schaut sich auch in der Zentralschule für Gesundheitsberufe in Münster um. Dort lassen sich anfänglich hoch motivierte, junge Menschen zum Krankenpfleger ausbilden, die schon nach wenigen Wochen Klinikalltag tief frustriert sind. Noch vorm Ende der Ausbildung schmeißen viele hin. Bleibt die Frage: Wer soll uns pflegen, wenn wir krank sind?

20.3., ZDF, 22.15 Uhr: "37 Grad: Die Dreckwegmacher"

Harte Arbeit, schlechte Gerüche, bescheidenes Gehalt: Tina Radke Gerlach hat eine Müllwerkerin und zwei Müllwerker in ihrem Alltag begleitet. Was sind das für Menschen, die Hinterlassenschaften unseres Daseins beseitigen? Wie kommen sie damit zurecht, dass ihre Arbeit gesellschaftlich wenig Ansehen genießt? Stimmt der Spruch, dass Müllwerker ein Job für Leute ist, die sonst nichts gelernt haben? Janine ist 38 und alleinerziehende Mutter einer siebenjährigen Tochter. Die Müllwerkerin ist gelernte Zahntechnikerin, hat vier Jahre als Kinder-Animateurin im Ausland gearbeitet und war Kundenberaterin bei der Telekom. 2015 hat sie ihren Traumjob gefunden, als Müllentsorgerin bei der Stadt Münster. Schwere körperliche Arbeit, Gestank und 25 Kilometer zu Fuß pro Tag machen ihr nichts aus. Nur an das Aufstehen um 4:30 Uhr kann sie sich auch nach Jahren nicht richtig gewöhnen. Auch der 28-jährige Roy aus Kassel ist Müllwerker aus Leidenschaft. Bis zu seiner Rente kann er sich kein anderes Berufsleben vorstellen. Roys Schwiegervater Wolfgang arbeitet schon seit 26 Jahren bei der Müllentsorgung und liebt seinen Beruf noch immer. Auf dem Recyclinghof nimmt er täglich Sperrmüll entgegen und erlebt nicht selten kuriose Geschichten. Wenn Roy Dienstschluss hat, geht er viermal pro Woche zum Fußballtraining. Sein Beruf als Müllwerker ist für ihn wie ein Aufwärmprogramm für den Sport. Wenn er am Wochenende in der Hessenliga spielt, ist die ganze Familie zum Anfeuern dabei. Roy liebt die Abwechslung in seinem Beruf. Doch manchmal wird es auch ihm zu viel. Vor wenigen Monaten entdeckte er einen schlafenden Flüchtling in der Mülltonne, gerade noch rechtzeitig. Christian hat sich mit seinem Beruf sogar einen Kindheitstraum erfüllt. Täglich Mülltonnen zu laden ist aber auch ein Knochenjob. Zudem reicht das Geld für seine sechsköpfige Familie kaum bis zum Monatsende. Und immer wieder sehen sich vor allem seine Kinder mit Vorurteilen konfrontiert, unter denen die ganze Familie leidet.

20.3., Arte, 23.15 Uhr: "Indien-Pakistan: Zwei Frauen gegen den Fundamentalismus"

Im August 1947 wurde das ehemals unter britischer Kolonialherrschaft stehende Territorium Britisch-Indien entlang religiöser Linien zweigeteilt. Es kam zur Gründung zweier unabhängiger Staaten: Indien und Pakistan. Bis heute sind die Wunden der Teilung spürbar, bis heute prägen sie die Politik der seitdem verfeindeten Nachbarländer. Aus Sicht der Filmemacherin Sabiha Sumar sucht Pakistan noch immer seinen Weg, seine Identität. Ihr Vater zog 1947 zusammen mit Millionen anderer Muslime aus Indien nach Pakistan. Sie alle hatten die Hoffnung, die Feudalgesellschaft könne in einen säkularen, industrialisierten Staat umgewandelt werden, der eine feste Grundlage für eine starke Demokratie sein würde. Doch dieser Traum scheiterte. Korrupte Eliten und mächtige Feudalherren regieren bis heute das Land, das sich 1956 als Islamische Republik gründete und den Islam zur Staatsreligion erklärte. Aber nicht nur in Pakistan, sondern auch im säkularen Indien ist der religiöse Fundamentalismus auf dem Vormarsch. Für die regierende Volkspartei BJP ist Indien in erster Linie das Land der Hindus und des Hinduismus; Religion und Kultur der Mehrheit sollen den Ton angeben; die Minderheiten, vor allem die rund 170 Millionen indischen Muslime, sollen sich anpassen.
Gemeinsam mit der indischen Schauspielerin Kalki Koechlin bereiste Sabiha Sumar beide Länder. Die streitbaren Freundinnen traen auf religiöse Eiferer, selbstgefällige Eliten, selbstbewusste Frauen und Verteidiger der Liberalität. Ihr Film zeichnet ein komplexes Bild der Nachbarstaaten, die sich oft ähnlicher sind, als ihnen bewusst zu sein scheint.

20.3., HR, 21.45 Uhr: "Engel fragt: Bin ich bereit zu teilen?"

So mancher fühlt sich bisweilen überfordert: Überall Menschen, die um Hilfe bitten - an der Haustüre oder in der Fußgängerzone, vom Roten Kreuz über "Brot für die Welt" bis hin zu Obdachlosen oder Zirkusbetreibern im Winterquartier. Alle hätten gerne ein bisschen Kleingeld, etwas zu essen oder ein Dach über dem Kopf. Allen können wir nicht helfen. Also steht plötzlich die Frage im Raum: Mit wem bin ich bereit zu teilen und mit wem nicht? Und wann habe ich genug gegeben? Philipp Engel macht sich auf die Suche nach Antworten. Er trifft dabei unter anderem auf die obdachlose Rentnerin Alexandra, die ihm eine liebenswerte Lektion in Sachen "richtig spenden" erteilt, auf den Piloten Christian Hischmann, der Zeit an Bedürftige verschenkt, und auf Carsten Otto, der sich verpflichtet hat, lebenslang zehn Prozent seines Einkommens zu spenden.

21.3., 3sat, 23.50 Uhr: "Weg und doch ganz da - Szenen einer Wallfahrt"

Wallfahrer nutzen den Glauben, um zu sich selbst zu finden. Neunzig Kilometer in zwei Tagen, von Passau nach Altötting, zusammen mit den Teilnehmern einer Jugendfußwallfahrt: Ungeachtet der Blasen an den Füßen, Durst oder schlechtem Wetter pilgern Tausende zu Bayerns heiligen Stätten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Immer mehr junge Leute suchen Halt in der uralten Tradition, um Abstand zur Leistungsgesellschaft zu gewinnen. Sie erhoffen sich neue Glaubensimpulse und sehen den meditativen Marathon nicht zuletzt auch als sportliche Herausforderung.

21.3., NDR, 23.50 Uhr: "7 Tage ... unter radikalen Christen"

Sie selbst bezeichnen sich als die wahren Christen. Für ihre Kritiker sind sie radikale Fundamentalisten. Die Mitglieder der kleinen Freikirche The Way of Holiness glauben an Wunderheilungen, bezeichnen Homosexuelle als Sünder und beten für die Erweckung des deutschen Volkes. Ihre Gemeinde ist Teil einer weltweit wachsenden evangelikalen Bewegung. Journalisten gegenüber ist die Szene extrem verschlossen. Hans Jakob Rausch und Martin Rieck haben fast zwei Jahre lang recherchiert. Es ist ihnen tatsächlich gelungen, einen Einblick in diese Welt zu bekommen.
Sieben Tage lang haben sie in der Gemeinde bei Stuttgart gelebt, Heilungsgottesdienste besucht, Wundergeschichten gehört und mit den Pastoren gestritten. Was erhoffen sich diese Menschen vom Glauben? Und wo verläuft die Grenze zwischen Überzeugung und Fanatismus?

21.3., BR, 19.00 Uhr: "Stationen: Gefangen sein - Wege aus dem inneren Gefängnis"

Eingesperrt sein: ein beklemmendes Gefühl, selbst wenn es nur für kurze Zeit ist. Nicht umsonst zählt Gefängnisstrafe zu den schlimmsten Urteilen in unserem Rechtssystem. Viele Menschen sind jedoch gefangen, ohne hinter Gittern zu sein: in Krankheit, in gesellschaftlichen oder religiösen Konventionen, in Ängsten oder in Beziehungen. "Stationen" stellt Menschen vor, die den Weg aus ihrem inneren Gefängnis geschafft haben. Auch Moderator Benedikt Schregle muss sich befreien.

21.3., BR, 22.00 Uhr: "DokThema: Nidals Liste"

Die selbstgestellte Aufgabe ist lebensgefährlich: Der Deutsch-Syrer Nidal Kouba und seine Mitstreiter suchen unter den syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen in Europa nach mutmaßlichen Terroristen, die sie den Behörden melden. Kouba ist 1985 mit seinen Eltern aus Syrien geflohen; die Familie hat in Deutschland Asyl bekommen. Er wuchs in Deutschland auf und war gut integriert, ein erfolgreicher Geschäftsmann mit Familie. Trotzdem ließ er alles zurück und ging nach Syrien, als dort der Arabische Frühling mit friedlichen Protesten gegen den Diktator Assad begann. Als aus der friedlichen Revolution ein brutaler Bürgerkrieg wurde, schloss er sich der Freien Syrischen Armee (FSA) an. Jetzt ist er zurück in Deutschland mit einer Liste von ehemaligen FSA-Kämpfern, die zu islamistischen Brigaden oder dem IS übergelaufen sind. Viele dieser "Gotteskrieger" sind mit den Kriegsflüchtlingen nach Europa gekommen. Mit Hilfe seiner Liste sucht Nidal sie, um sie vor Gericht zu bringen. Seine Mitstreiter sind Gleichgesinnte: ehemalige FSA-Kämpfer, Journalisten, Exilpolitiker. Ihre Rechercheergebnisse übergeben sie den europäischen Strafverfolgungsbehörden. Bei den Fahndern finden sie Gehör, doch die Führungsebenen bei Polizei und Staatsanwaltschaft sind zögerlich. Wie sollen die Informationen von Nidal und seinem Team gerichtsfest in einem Verfahren münden? Einziger Weg: Nidal muss als Zeuge vor Gericht aussagen. Die Folge: Er wird bedroht. Sieben Monate ließ sich Nidal Kouba bei seinen Recherchen von einem Kamerateam begleiten. Die Spurensuche führt quer durch Europa und nimmt auch die aktuelle sicherheitspolitische Debatte im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus auf.

22.3., 3sat, 20.15 Uhr: "Wunder - das Unerklärliche erklären"

Wunder darf es streng genommen gar nicht geben; und doch berichten immer wieder Menschen von unerklärlichen Heilungen, Erscheinungen und Ereignissen. Für die katholische Kirche haben Wunder eine ganz besondere Bedeutung. Ein Wunder ist die Voraussetzung für die Selig- oder Heiligsprechung einer Person, sofern sie nicht den Märtyrertod gestorben ist. In Rom ist die "Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen" zuständig für die Untersuchung von Wundern. Sie lässt von Wissenschaftlern scheinbar unerklärliche Heilungen und Phänomene untersuchen. In dem französischen Wallfahrtsort Lourdes trifft sich jedes Jahr eine internationale Ärztekommission, die die vielen von Pilgern gemeldeten Heilungen genau unter die Lupe nimmt. Rolf Theiß, einziges deutsches Ärztemitglied dieser Kommission, stellt in der Dokumentation von Bernd Reufels einen seiner spannendsten Fälle vor. In Heidelberg beschäftigt sich der Onkologe Dirk Jäger mit dem Phänomen der Spontanheilungen. Was passiert, wenn Tumore sich zurückbilden und Patienten, die bereits dem Tod geweiht schienen, auf einmal genesen? Jäger vermutet, dass das Immunsystem die Tumorzellen plötzlich erkennt, und dass dies irgendwie provoziert werden kann. Auch wenn die Wissenschaft das Phänomen noch nicht versteht: Ein Wunder sei eine solch äußerst seltene Heilung nicht. Chemie-Professor Luigi Garlaschelli von der Universität Pavia hat sich der Aufgabe verschrieben, Wunder zu entzaubern. Er zweifelt an den Heilungen von Lourdes und hält das "Blutwunder von Neapel" für Scharlatanerie. Garlaschelli hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wunder im Labor nachzubauen. Damit will er demonstrieren, dass auch schon vor über tausend Jahren Menschen Mittel hatten, um ganz erstaunliche Dinge geschehen zu lassen, die seiner Meinung nach jedoch durchaus naturwissenschaftlich zu erklären sind.

22.3., 3sat, 21.00 Uhr: scobel: "Die kirchliche Leere"

Gert Scobel und seine Gäste beschäftigen sich mit den Fragen, welche Rolle Glaube in einer liberalen Gesellschaft und globalisierten Welt für die Menschen spielt, ob Wissenschaft eine Bedrohung für den Glauben ist und inwieweit der Friede der Religionen überhaupt realistisch sein kann. Die Prämisse der Sendung lässt eine lebhafte Diskussion erwarten. Die traditionellen christlichen Kirchen sind nach Ansicht der Redaktion in der Krise: "Es fehlen Geistliche. Es fehlen Gläubige. Vor allem aber fehlen Ideen, sich in einer modernen Welt zu definieren." Scobel analysiert mit seinen Gästen, ob die Kirchen gegen die anhaltende "Entkirchlichung" Westeuropas noch eine Chance haben und welche strukturellen Veränderungen den Kirchen möglicherweise einen Weg aus der Krise weisen können. Die Fakten scheinen für sich zu sprechen: Die Zahl der Kirchenaustritte in Deutschland hat in den letzten Jahren drastische Ausmaße erreicht. Zirka 300.000 Mitglieder verlieren die beiden großen christlichen Kirchen jedes Jahr. 2016 wurden in Deutschland gerade mal 77 Männer zum Priester geweiht. Nach Ansicht der Redaktion mangelt es an professionellem Krisenmanagement: "Die Kirchen können in Westeuropa nicht an Boden gewinnen und verharren in traditionellen Strukturen und veralteter Glaubenspraxis." Auch der Islam sucht neue Wege, findet bei der Wahl zwischen Moderne oder Tradition aber oft nur den Weg ganz zurück. Von den radikalen Ausprägungen ganz zu schweigen. Die Religionen haben Probleme mit modernen säkularen Gesellschaften. Um nicht obsolet zu werden, müssen sie sich dringend rundum erneuern. Das gilt besonders in Zeiten großer Umbrüche und Unsicherheiten, nämlich dann, wenn Menschen auf der Suche nach Sinn, Sicherheit und Orientierung sind. Dieses Bedürfnis scheinen andere spirituelle Bewegungen zu befriedigen. Immer mehr Menschen wenden sich zum Beispiel dem Buddhismus und der Meditation zu. Scobel erwartet folgende Gäste: Michael Blume ist Religionswissenschaftler und lehrt an der Universität Köln. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Evolutionsbiologie der Religiosität, Religion, Identität und Kultur. Hans Joas ist Soziologe und Sozialphilosoph. Er ist Professor an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin und am Institut für Soziologie der Universität Chicago. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Religionssoziologie und Wertewandel.

22.3., WDR, 22.40 Uhr: "Menschen hautnah: Verliebt in Gott"

 Nicolas will unbedingt katholischer Priester werden. Er beginnt als Messdiener, studiert Theologie und bewirbt sich um eine Ausbildung zum Priesteramtskandidaten in Münster. Nicolas verspürt einen tiefen inneren Drang, seinen Lebensweg im Auftrag Gottes zu gehen. Der Wunsch ist in ihm erwacht, als Papst Benedikt nach Deutschland kam. Er begann als Messdiener, studierte Theologie und bewarb sich um eine Ausbildung zum Priesteramtskandidaten in Münster. Eltern und Geschwister sehen seinen Weg kritisch. Seit nun elf Jahren versuchen sie ihm klar zu machen, dass einige traditionelle katholische Werte - wie die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen - und ein Leben ohne Frau und eigene Kinder überhaupt nicht zu ihm als modernen Menschen passen. Der 23-Jährige sagt selbst, dass er ein absoluter Familienmensch ist. Genauso wie er lange Partynächte liebt und im Vergleich zu seinen Ausbildungskollegen einen großen weiblichen Bekanntenkreis hat.
Doch nicht nur wegen Gott und seines Glaubens ist der Duisburger überzeugt, Priester werden zu wollen. In keinem anderen Beruf sei die Arbeit so abwechslungsreich. Nicolas möchte mit Kindern arbeiten und Familien besuchen, er möchte von seinem Glauben erzählen und in die Schulen gehen. Der Film zeigt aber auch, in welchem ständigen Kampf sich der junge Mann befindet: wenn er außerhalb der kirchlichen Ausbildungsstätte mit seinen Freunden in den Kneipen Münsters unterwegs ist, wenn er sich verliebt und sein Ausbildungsleiter ihn zum Gehorsam ermahnt, während seine Mutter das Zölibat ablehnt und sich etwas anderes für ihren Sohn wünscht.

22.3., WDR, 23.25 Uhr: "Wir sind eure Lehrer"

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat Lehrer mal "Faule Säcke" genannt. Und auch sonst heißt es oft: zwölf Wochen Ferien, um spätestens 14 Uhr Feierabend, schön verbeamtet mit Privatversicherung. Lehrer müsste man sein. Aber ist das so? In der "Hier und heute"-Reportage erzählt Donya Farahani mit Empathie und genauem Blick vom Lehreralltag, und zwar so, wie er tatsächlich ist. Aus ihrer eigenen Kindheit sind ihr nur wenige Lehrer in Erinnerung geblieben: der eine extrem "lockere" Lehrer, bei dem die Kinder immer Filme anschauen durften; oder die überengagierte Deutschlehrerin, die die Schüler mit ihren Interpretationen genervt hat. Reporterin Farahani will wissen, wie der Alltag von Lehrerinnen und Lehrern aussieht: wie viel sie leisten müssen, wie stark sie sich engagieren und wie dick ihr Fell sein muss, weil immer höhere Anforderungen an die Schule gestellt werden. Um das herauszufinden, hat sie eine Woche in einer Gesamtschule in Duisburg-Marxloh gearbeitet: den Unterricht vorbereitet, die Pausenaufsicht übernommen, bei den Aufgaben geholfen und unter Anleitung eine Unterrichtsstunde gehalten; ausgerechnet in ihrem ehemaligen Hassfach Deutsch. Sie stellte fest: Das kostet echt Kraft.

23.3., 3sat 21.00 Uhr: "makro: Das Pflege-Dilemma"

Hilflose Patienten, überfordertes Personal: In Deutschland herrscht Notstand in der Altenpflege. Gleichzeitig aber steigen börsennotierte Unternehmen in den Markt ein. Notstand und Profit: Wie passt das zusammen? Die Regierung hat die Pflegeleistungen zuletzt ausgebaut: Es kommt nicht nur mehr Geld bei den Bedürftigen an, es gibt auch insbesondere in der ambulanten Pflege deutlich mehr Leistungsbezieher. Letztlich hilft das den Pflegebedürftigen aber auch nicht weiter, solange Pflegekräfte Mangelware sind. Die hohe Arbeitsbelastung und der geringe Verdienst machen den Beruf unattraktiv. Der Sozialwissenschaftler Stefan Sell warnt daher, Deutschland bewege sich auf eine Katastrophe zu, die von den Verantwortlichen nicht ausreichend wahrgenommen werde. Daher sei die Politik gefragt, sich endlich für allgemeinverbindliche Tarifverträge einzusetzen. Der Pflege fehle es an einer einflussreichen Lobby. Nur die wenigsten Arbeitnehmer sind gewerkschaftlich organisiert, die Branche ist sehr zerklüftet. Hinzu kommt das Kirchentarifrecht, unter das viele Häuser von Wohlfahrtsverbänden wie Caritas oder Diakonie fallen. Es sind aber nicht nur die politischen Rahmenbedingungen, die angepackt werden müssten. Nach Ansicht des Pflegeexperten Claus Fussek sind zudem zwei Drittel der Probleme hausgemacht.
Mit ein- und demselben Etat könne man ein Heim gut oder schlecht führen, in die roten Zahlen geraten oder profitabel arbeiten. Aufgrund der demografischen Entwicklung gilt Altenpflege als Wachstumsmarkt, heute sind schon gut 42 Prozent der Heime in privater Hand. Und wie in jeder anderen Branche wächst mit der Ökonomisierung auch der Kostendruck.