Hunderte Tote bei Erdbeben in irakisch-iranischer Grenzregion

Überlebendedes Erdbebens in Sarpol-E-Zahab, Iran.

Foto: dpa/Pouria Pakizeh

Überlebendedes Erdbebens in Sarpol-E-Zahab, Iran.

Hunderte Tote bei Erdbeben in irakisch-iranischer Grenzregion
UN und Deutschland bieten Hilfe an
Mehr als 300 Menschen kamen bei dem Erdbeben an der Grenze von Iran und Irak am Sonntagabend ums Leben. Erste Hilfe aus dem Ausland läuft an.
Deutschland spricht 2019

Nach dem schweren Erdbeben im Grenzgebiet von Iran und Irak mit mehr als 300 Toten hat die internationale Gemeinschaft Unterstützung zugesichert. "Wir bieten selbstverständlich alle Hilfe an", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. UN-Generalsekretär António Guterres betonte in New York, Einsatzkräfte der Vereinten Nationen stünden bereit. Er lobte zugleich die Rettungsanstrengungen des Irans und des Iraks.

Die iranisch-irakische Grenzregion war am Sonntagabend von einem heftigen Beben erschüttert worden. Bis Montag meldete die amtliche iranische Nachrichtenagentur Irna rund 340 Tote. Fast 6.000 Menschen erlitten Verletzungen.

Sobald die Regierungen in Bagdad und Teheran den Hilfebedarf meldeten, könnten die Hilfen der Länder und der Weltgemeinschaft abgestimmt erfolgen, sagte Seibert. Die Bundesregierung sprach den Regierungen und der Bevölkerung im Iran und Irak ihre tiefempfunde Anteilnahme aus.

Laut einem ersten Lagebericht des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) im Irak war das Erdbeben auch im kurdischen Erbil und im ölreichen Kirkuk im Norden zu spüren sowie in der Hauptstadt Bagdad und selbst im südlichen Basra. Den Angaben nach leben in beiden Ländern fast zwei Millionen Menschen im 100-Kilometer-Umkreis des Epizentrums. Humanitäre Organisationen würden Lebensmittel, Arznei, Wasser und sonstige humanitäre Güter, die vor Ort lagerten, beiden Ländern zur Verfügung stellen, hieß es.

Entwarnung für Mossul-Staudamm

Für den maroden Mossul-Staudamm gab es laut einem weiteren Ocha-Lagebericht inzwischen Entwarnung. Würde der brechen, könnten die Flutwellen noch das rund 400 Kilometer entfernte Bagdad erreichen. Überprüft wird derzeit jedoch der Darbandikhan-Damm nahe Süleymania, weil er nach Erdrutschen von schweren Felsen getroffen worden sei. Bewohner flussabwärts wurden den Angaben nach bereits gewarnt, damit sie sich für mögliche Evakuationen bereithalten.

Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi erklärte über Twitter, er habe Teams von Zivilschutz sowie Gesundheits- und Hilfsorganisationen angewiesen, alles zu tun, um die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten zu unterstützen. Die Kurdische Gemeinde Deutschland rief die Europäische Union auf, bei der irakischen Regierung darauf zu dringen, den Luftraum der Flughäfen Erbil und Süleymania für Hilfslieferungen zu öffnen. "Die Sperrung des Luftraums über Kurdistan wird unweigerlich zu einer humanitären Katastrophe führen", erklärte der Bundesvorsitzende Ali Ertan Toprak. Wegen der jüngsten Machtkämpfe zwischen kurdischer Regionalregierung und der irakischen Führung in Bagdad dürfen derzeit nur wenige Flugzeuge von Erbil und Süleymania aus starten und landen. Die meisten Flugzeuge fliegen von und nach Bagdad.

Medienberichten zufolge konnte am Montagvormittag ein türkischer Hilfsflug in Süleymania landen. Damit seien medizinische Hilfe sowie Such- und Rettungsteams eingeflogen worden, meldete der kurdische Sender Rudaw. Nach Berichten der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu werden die türkischen Hilfen mit der irakischen Zentralregierung sowie dem irakischen Roten Halbmond koordiniert.