EKD-Friedensbeauftragter kritisiert Trumps "Friedensrat"

Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer.
epd-bild/Heike Lyding
Das von US-Präsident Trump vorgestellte neue Gremium sorge nicht für Gerechtigkeit, so Kramer. Es werfe vielmehr Fragen nach echter Teilhabe und Anerkennung der Menschenwürde aller Beteiligten auf.
Trump will neues Gremium
EKD-Friedensbeauftragter kritisiert Trumps "Friedensrat"
Der EKD-Friedensbeauftragte Kramer warnt vor dem neuen "Friedensrat": Das von US-Präsident Donald Trump vorgestellte Gremium untergräbt nach seiner Ansicht die Vereinten Nationen und setze statt auf Gerechtigkeit auf Macht, Geld und Einfluss.

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Friedrich Kramer, hat den von US-Präsident Donald Trump eingesetzten "Friedensrat" kritisiert. Dieser sei bewusst als Konkurrenz zur UN konzipiert und solle den multilateralen, gerechtigkeitsorientierten Ansatz der Vereinten Nationen durch eine klar auf Macht, Geld und Einflussnahme basierende Struktur ersetzen.

"Ein solches Gremium, zumal ohne die Einbindung der aktuell in Kriegen und Konflikten betroffenen Gemeinschaften wie die Palästinenserinnen und Palästinenser im Gaza und ohne klare rechtliche Grundlage, dürfte kaum gerechten Frieden gestalten", so Kramer. Es werfe vielmehr Fragen nach echter Teilhabe und Anerkennung der Menschenwürde aller Beteiligten auf.

Es sei im Moment fast unmöglich, friedenspolitische Überlegungen zur Weltlage anzustellen, "ohne gebannt Trumps Gebaren zu verfolgen". Genau das bezwecke seine Politik der Brüche, der schnellen, unvorhersehbaren Wendungen, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) nach Angaben der Evangelischen Friedensarbeit auf einer Konferenz im pfälzischen Landau.

Kramer warnt vor Resignation

Mit Blick auf einen Vertrauensmangel in die internationale Politik warnte Kramer vor Resignation. Es sei erschreckend, dass die Verunsicherung der internationalen Ordnung nicht mehr nur von Staaten wie Russland oder China befördert würden, sondern auch vom bislang wichtigsten Partner Europas, den USA, sagte der Bischof. Als Beispiel nannte er Ankündigungen von Annexionen in Bezug auf Grönland oder Kanada, verbunden mit der Drohung von hohen Einfuhrzöllen bei Widerständen gegen diese US-Pläne.

Kramer hat dazu aufgerufen, trotz aller Widrigkeiten für die Friedensarbeit im In- und Ausland, nicht nachzulassen im Bemühen um Frieden in der Welt. Er verwies voller Zuversicht auf den Hebräerbrief, in dem es heiße: "Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber habt ihr nötig, auf dass ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt."

Deutliche Kritik übte Landesbischof Friedrich Kramer in Landau an der geplanten Kürzung der Mittel für die internationale Entwicklungszusammenarbeit durch die Bundesregierung, was die internationale Solidarität ebenfalls schwäche. Und er betonte mit Blick auf das Wehrdienst-Modernisierungs-Gesetz die besondere Verantwortung der Kirchen, junge Menschen bei ihrer Gewissensbildung zu unterstützen.

Die "Konferenz für Friedensarbeit im Raum der EKD" tagt derzeit in Landau in der Pfalz. Sie kam im Januar 2009 zum ersten Mal zu ihrer jährlichen Tagung zusammen und vernetzt die Arbeit aller relevanten Akteure aus der evangelischen Friedensarbeit. Dadurch ermöglicht sie eine breite Diskussion friedenspolitischer Entwicklungen und Strategien sowie die Abstimmung gemeinsamer Initiativen und Projekte. Die Konferenz will dabei Impulse an die leitenden Gremien der EKD und ihrer Gliedkirchen sowie für die Arbeit ihrer Mitglieder geben.