Missbrauchsbeauftragte Claus kritisiert EKD

Portrait Kerstin Claus
epd-bild/Christian Ditsch
Die unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, beanstandet die "unzumutbaren Loyalitätskonflikte" in der EKD.
"Unzumutbare Loyalitätskonflikte"
Missbrauchsbeauftragte Claus kritisiert EKD
Nach dem Vorwurf und dem Rücktritt der Sprecherin der evangelischen Betroffenenvertretung Nancy Janz kritisiert die unabhängige Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Claus beanstandet vor allem "Rollenkonflikte, die von Betroffenen so nicht aufgelöst werden können".

Der Rücktritt der Sprecherin der evangelischen Betroffenenvertretung, Nancy Janz, treibt Kirche und Politik weiter um. In einem Interview mit dem Tagesspiegel kritisiert die unabhängige Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Claus beanstandet vor allem "Rollenkonflikte, die von Betroffenen so nicht aufgelöst werden können".

Sie habe immer kritisiert, dass sich das Beteiligungsforum bei der Kirche aus Kirchenvertretern und Betroffenen zusammensetzt, sagt die Bundesbeauftragte gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Das sei für Betroffene "extrem herausfordernd".

Janz hatte ihren Rücktritt erklärt einerseits mit Überlastung durch ihr ehrenamtliches Engagement als Sprecherin des Beteiligungsforums Sexualisierte Gewalt in EKD und Diakonie, andererseits mit mangelnden Fortschritten bei der Aufarbeitung und Prävention in der evangelischen Kirche und der Diakonie (evangelisch.de berichtete).

Claus: "Föderalismus der evangelischen Kirche ist Problem bei der Missbrauchsaufarbeitung"

Claus verwies auf den Föderalismus der evangelischen Kirche als Problem bei der Missbrauchsaufarbeitung. "Wenn man weiß, wie die evangelische Kirche aufgebaut ist, dann muss man davon ausgehen, dass die Zusagen, die die EKD dem Beteiligungsforum gemacht hat, nie realistisch waren", sagt sie. Das gelte insbesondere für das Ringen um einheitliche Anerkennungszahlungen.

Mit Janz hat das Beteiligungsforum innerhalb kurzer Zeit seine zweite prominente Stimme verloren. Bereits im Herbst hatte Detlev Zander sein Sprecheramt niedergelegt und ebenfalls Defizite bei der Aufarbeitung kritisiert. Seitdem war Janz alleinige Sprecherin der Betroffenen. Die Sprecherin der kirchlichen Beauftragten im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Diakonie, Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst, bedauerte den angekündigten Rückzug von Nancy Janz aus dem Beteiligungsforum.

Wie es weitergeht, bleibt offen. Die Nachfolge im Sprecheramt werde nun innerhalb der Gruppe der Betroffenen im Beteiligungsforum geregelt. Wüst kündigte an, man werde offen über den angekündigten Rückzug, Janz' Beweggründe und "mögliche Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung der Struktur des Beteiligungsforums" sprechen.