Steinmeier hofft auf Neubegegnung mit Russen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht bei einer feierlichen Zeremonie zur Rückgabe der Kathedrale St. Peter und Paul an die Evangelisch-Lutherische Kirche in Moskau.

Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht bei einer feierlichen Zeremonie zur Rückgabe der Kathedrale St. Peter und Paul an die Evangelisch-Lutherische Kirche in Moskau.

Steinmeier hofft auf Neubegegnung mit Russen
Angesichts der angespannten deutsch-russischen Beziehungen hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Hoffnung auf eine "Neubegegnung" ausgedrückt.

In Moskau besuchte er am Mittwoch gemeinsam mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, eine Zeremonie zur Rückgabe der in der Stalin-Zeit enteigneten Kathedrale St. Peter und Paul an die Evangelisch-Lutherische Kirche in Russland. Der Bundespräsident nahm sich bei seinem ersten Russlandbesuch eine Stunde Zeit für Gespräche mit der Menschenrechtsorganisation Memorial und traf zudem Staatspräsident Wladimir Putin.

Die Errungenschaft der Reformation mit der Entdeckung des Individuums vor Gott und deren Freiheitsversprechen könne vielleicht Anlass sein, sich wieder und neu zu begegnen, sagte Steinmeier. Ebenso hoffe er, dass die Kathedrale - heute Hauptkirche der russischen Lutheraner - ein Ort der Begegnung für Orthodoxe und Lutheraner, Russen und Deutsche bleibe. Dort könne vorgelebt werden, "dass Unterschiede Gemeinsamkeiten nicht im Weg stehen müssen".

Der Schlüssel zu dem Kirchengebäude wurde bei der Begegnung symbolisch an den Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, Dietrich Brauer, zurückgegeben. Der russische Kulturminister, Wladimir Rostislawowitsch Medinskij, sagte in seinem Grußwort, in der Zeit des Terrors sei sowohl der orthodoxen als auch der lutherischen Kirche Unrecht angetan worden.

Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm bedankte sich für die Rückgabe des Kirchengebäudes an die Evangelisch-Lutherische Kirche. Dies könne ein Anlass sein, auch andere, noch in staatlicher Hand befindliche Kirchengebäude zurückzugeben, sagte der bayerische Landesbischof und verwies auf die größte lutherische Kirche in Russland, die St.-Petri-Kirche in Sankt Petersburg. Sie war im Jahr der Oktoberrevolution verstaatlicht worden und wurde Anfang der 1990er Jahre der evangelischen Kirche zurückgegeben. Heute ist sie Bischofskirche und beherbergt auch die deutsche evangelische Gemeinde in Sankt Petersburg.

Geste in Richtung Deutschland

Die Moskauer Kathedrale St. Peter und Paul wurde 1938 unter Machthaber Josef Stalin enteignet und zu Sowjetzeiten unter anderem als Diafilm-Fabrik genutzt. Nach dem Ende der Sowjetunion konnte die evangelisch-lutherische Kirche, zu der heute rund 19.000 registrierte Mitglieder in Russland zählen, die Kirche stückweise wieder herrichten und nutzen. Die farbigen Glasfenster im Altarraum zeigen die Wittenberger Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon sowie den Apostel Petrus und den heiligen Paulus.

2008 wurden die Nutzungsrechte an die Protestanten zurückgegeben. Nun folgt die Rückübertragung der Eigentumsrechte. Anlass ist auch das 500. Reformationsjubiläum, das in diesem Jahr gefeiert wird. Dass der russische Staat zur Rückgabe bereit war, wird als Geste in Richtung Deutschland gewertet.

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