Jugendliche wünschen sich laut einer Studie im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt (AWO) eine strengere Regulierung einzelner Social-Media-Plattformen wie Youtube, Telegram oder Tiktok. Für die Befragten bergen vor allem unmoderierte Plattformen Gefahren wie Falschinformationen und Gewaltdarstellungen, andere seien dagegen ein unverzichtbares Mittel zur Kommunikation und Beschaffung von Informationen, heißt es in der nicht repräsentativen Studie, die am Montag veröffentlicht wurde.
Ein pauschales Verbot für Social-Media-User unter 16 Jahren, wie es politisch diskutiert wird, lehnen den Angaben zufolge aber viele Befragte ab. "Die meisten Stimmen sprechen sich für ein Mindestalter von 14 Jahren aus, da Jugendliche ab diesem Alter reifer und strafmündig seien und in der Schule bereits grundlegende Medienkompetenzen erworben hätten", heißt es in der Studie.
Jugendliche sehen auch eigene Eltern gefordert
Im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt (AWO) befragte das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) im vergangenen November 30 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, die verschiedene AWO-Einrichtungen für Kinder und Jugendliche besuchen. Es handelt sich um eine qualitative Studie, die keinen gesamtgesellschaftlichen Trend abbildet, sondern laut der Arbeiterwohlfahrt die Motive, Ambivalenzen und Alltagsrealitäten erkunden soll, die Haltungen zu einem möglichen Social-Media-Verbot begleiten.
Bei der Regulierung nehmen die befragten Jugendlichen auch die Eltern in die Verantwortung. "Mehrere Teilnehmende wünschten sich, dass Eltern besser verstehen, wie Jugendliche Medien nutzen und wo Gefahren liegen", sagte Studienleiter Marius Hilkert dem epd. Im Rückblick bewerteten einige der Befragten auch die Kinderschutz-Apps positiver, mit denen Eltern ihre Handy-Nutzungsdauer begrenzt haben.
Geübt in Abwehr von Online-Grooming
Fast alle weiblichen Befragten konnten laut Hilkert von Erfahrungen mit Online-Grooming in Sozialen Medien berichten, also von Kontaktversuchen durch Erwachsene, die sie zum Versenden von Fotos aufforderten. Die jungen Frauen seien "fast schon routiniert" im Umgang mit den unliebsamen Annäherungen, etwa indem sie Personen blockieren oder ein eigenes Profil neu anlegen. "Die Jugendlichen nehmen Gefahren sehr genau wahr und haben auf manchen Gebieten eine beeindruckende technische Kompetenz", sagte der Studienleiter.
Vereinzelt nannten Befragte auch abstraktere Risiken, wonach etwa Soziale Netzwerke darauf abzielen, "dich so lange wie möglich drauf (...)zuhalten".
Die AWO als Auftraggeberin der Studie lehnt ein mögliches Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige ab: Soziale Medien seien wesentlich für die Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe, vor allem von armutsbetroffenen und queeren Jugendlichen, sagte der Abteilungsleiter für Familien- und Jugendarbeit, Alexander Nöhring, dem epd. In die Verbots-Debatte würden Jugendliche zudem nicht einbezogen. So habe Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) keine Jugendlichen in die Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" einberufen, die Vorschläge zur Regulierung der Netzwerke erarbeiten soll.
Tipps für Eltern für Medienkompetenz
Wenn Eltern das Gefühl haben, dass sich ihre Kinder aufgrund der Mediennutzung verändern, sollten sie sich Hilfe suchen. Hierbei können städtische Familienbüros oder Kinder- und Jugendpsychiatrien eine mögliche Anlaufstelle sein. Die LWL Kinder- und Jugendpsychiatrie Dortmund bietet zum Beispiel eine Sprechstunde für Mediensucht an, in der untersucht wird, ob der Medienkonsum der Kinder problematisch ist.
Außerdem gibt es im Internet eine Vielzahl an Angeboten, die über Medienkompetenz informieren und Material für Eltern und Lehrkräfte bereitstellen, wie etwa die EU-Initiative klicksafe.de oder die Medienratgeber-Initiative für Eltern schau-hin.info.
Auf https://www.jugendschutz.net/ werden zusätzlich regelmäßig Informationen zu aktuellen Social-Media-Trends veröffentlicht, die das Kinder- und Jugendwohl gefährden könnten.


