Ärzte-Organisation warnt vor neuem nuklearen Wettrüsten

Ärzte-Organisation warnt vor neuem nuklearen Wettrüsten
Anlässlich des 72. Jahretags der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki warnt die Ärzte-Organisation IPPNW vor einem neuen nuklearen Wettrüsten.

Die Gefahr sei aktueller den je, sagte die Europavorsitzende Angelika Claußen der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen" (Samstag). "Wenn Staaten wie Russland oder die USA jederzeit 1.200 Atomwaffen auf der höchsten Alarmstufe stehen haben, sollte man Angst haben." Zudem wachse die Zahl der Atomstaaten.

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<p><strong>Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki</strong> (von Nils Sandrisser, epd)</p>

<p>Die Bilder vom Atompilz über Hiroshima sind zum Symbol für den nuklearen Schrecken geworden: Mehr als 200.000 Menschen starben nach dem Abwurf der ersten Atombomben durch die US-Luftwaffe.</p>

<p>Der Bomber, der am frühen Morgen des 6. August 1945 auf Japan zufliegt, transportiert die Waffe mit der bis dahin größten Vernichtungskraft: die mehr als vier Tonnen schwere Atombombe "Little Boy". US-Präsident Harry Truman hat sich entschlossen, sie einzusetzen.</p>

<p>Zehntausende Menschen sind sofort tot. Sie sterben in den Trümmern zusammenstürzender Gebäude oder verbrennen in Sekundenschnelle im Feuerball, der noch am Boden Temperaturen von 6.000 Grad Celsius erreicht. 80 Prozent der überwiegend aus Holz gebauten Häuser Hiroshimas sind zerstört, der Atompilz steigt 13 Kilometer hoch in die Atmosphäre. Wer die Explosion überlebt, hat oft schwere Verbrennungen erlitten.</p>

<p>Nach einigen Tagen beginnt die Strahlenkrankheit: Die Opfer erbrechen sich, haben Durchfall, bluten aus Mund und Nase und leiden unter Geschwüren. In den Wochen und Monaten nach dem Angriff sterben qualvoll noch einmal 70.000 bis 100.000 Menschen. Im Oktober 1945 verbietet die US-Besatzung zunächst alle Fotografien und Filmaufnahmen von Hiroshima, damit das Ausmaß der Zerstörung nicht öffentlich wird.</p>

<p>Am 9. August explodiert eine weitere Atombombe über Nagasaki. Insgesamt sterben in Hiroshima und Nagasaki 90.000 Menschen sofort, weitere 130.000 bis Ende des Jahres an den Folgen des Atombombenabwurfs.</p>

<p>Die Strahlenschäden seien bis ins hohe Lebensalter nachweisbar, stellen die "Internationalen Ärzte zur Verhütung eines Atomkriegs" (IPPNW) fest. Das Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen sei bei den Überlebenden bis vor wenigen Jahren stetig gestiegen und heute bei über 80-Jährigen immer noch signifikant erhöht. Seit kurzem steige zudem die Zahl der Herzinfarkte bei Überlebenden. Auf der ganzen Welt wird am 6. August der Opfer gedacht.</p>


Besonders in Saudi-Arabien, Katar und der Türkei sind laut Claußen Tendenzen zu beobachten, zur Atommacht zu wachsen. "Sie wollen Atomenergie und Atomtechnologie haben, damit sie Waffen produzieren können. Das wird nicht offen gesagt, aber es ist so", sagte die Bielefelder Ärztin. Die Vergangenheit habe gezeigt: "Die Atomkraft ist der Schlüssel zur Atombombe." Darüber eigne man sich die Technologie an.

Deutschland trägt nach Ansicht von Claußen dazu bei, das Wissen weiterzutragen. In der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau, die weltweit Atomkraftwerke beliefert, sei zum Beispiel ein pakistanischer Atomkrafttechniker ausgebildet worden. "Er hat unter anderem dafür gesorgt, dass Pakistan die Atomwaffe entwickeln konnte", sagte die IPPNW-Aktivistin.

Mit einer Friedens-Radtour sind am Samstagvormittag in Köln die Gedenkveranstaltungen den 72. Jahrestagen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki gestartet (6. und 9. August 1945). Auf ihrer einwöchigen Route wollen Aktivisten für Abrüstung werben. Stationen sind unter anderem der Luftwaffenstützpunkt Nörvenich, die Zentrale des Rüstungskonzerns Rheinmetall und das US-Waffendepot in Dülmen. Am Samstag sollten in mehreren NRW-Städten Friedensgebete, Schweigemärsche und ökumenische Andachten stattfinden.