Ärzte-Organisation warnt vor neuem nuklearen Wettrüsten

Anlässlich des 72. Jahretags der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki warnt die Ärzte-Organisation IPPNW vor einem neuen nuklearen Wettrüsten.

Die Gefahr sei aktueller den je, sagte die Europavorsitzende Angelika Claußen der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen" (Samstag). "Wenn Staaten wie Russland oder die USA jederzeit 1.200 Atomwaffen auf der höchsten Alarmstufe stehen haben, sollte man Angst haben." Zudem wachse die Zahl der Atomstaaten.



Besonders in Saudi-Arabien, Katar und der Türkei sind laut Claußen Tendenzen zu beobachten, zur Atommacht zu wachsen. "Sie wollen Atomenergie und Atomtechnologie haben, damit sie Waffen produzieren können. Das wird nicht offen gesagt, aber es ist so", sagte die Bielefelder Ärztin. Die Vergangenheit habe gezeigt: "Die Atomkraft ist der Schlüssel zur Atombombe." Darüber eigne man sich die Technologie an.

Deutschland trägt nach Ansicht von Claußen dazu bei, das Wissen weiterzutragen. In der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau, die weltweit Atomkraftwerke beliefert, sei zum Beispiel ein pakistanischer Atomkrafttechniker ausgebildet worden. "Er hat unter anderem dafür gesorgt, dass Pakistan die Atomwaffe entwickeln konnte", sagte die IPPNW-Aktivistin.

Mit einer Friedens-Radtour sind am Samstagvormittag in Köln die Gedenkveranstaltungen den 72. Jahrestagen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki gestartet (6. und 9. August 1945). Auf ihrer einwöchigen Route wollen Aktivisten für Abrüstung werben. Stationen sind unter anderem der Luftwaffenstützpunkt Nörvenich, die Zentrale des Rüstungskonzerns Rheinmetall und das US-Waffendepot in Dülmen. Am Samstag sollten in mehreren NRW-Städten Friedensgebete, Schweigemärsche und ökumenische Andachten stattfinden.