Bedford-Strohm: "Populismus schlägt Jesus Christus ins Gesicht"

EKD-Synode in Magdeburg eroeffnet

Foto: epd/Norbert Neetz

EKD-Ratspräsident Heinrich Bedford-Strohm hält seine Rede zum Bericht des Rates vor den Synodalen in Magdeburg am 6. November 2016.

Bedford-Strohm: "Populismus schlägt Jesus Christus ins Gesicht"
In seiner Rede zu Beginn der EKD-Synode in Magdeburg im November 2016 zog der Ratsvorsitzende vor den Kirchenparlamentariern Zwischenbilanzen zu verschiedenen Arbeitsbereichen des Rates der EKD.

Den Klimawandel zu begrenzen, die Erderwärmung zu stoppen, dafür engagiere sich die EKD, sagte Heinrich Bedford-Strohm in seiner Rede vor den Synodalen in Magdeburg. Beispiel dafür sei das Pilgern für Klimagerechtigkeit zum Klimagipfel in Paris 2015 wo der Chefin des UN-Klimabüros, Christiana Figueres, 1,7 Millionen Unterschriften übergeben worden seien.

Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, hob für den Arbeitsbereich Ökumene die Pilgerreise nach Israel hervor: "Wir sollten uns nie abfinden, dass die Unterschiede kirchentrennend sind", sagte er. Zudem freute er sich über die Signale aus Lund, wo der Papst die schwedische lutherische Erzbischöfin Antje Jackelén umarmt hatte und erwähnte die erstmalige Verleihung der Martin-Luther-Medaille an einen Katholiken. Der Europäische Stationenweg solle in diesem Zusammenhang das Evangelium für viele wieder ins Gespräch bringen. "Unsere Welt braucht das Evangelium gerade jetzt", sagte Heinrich Bedford-Strohm.

Christliche Gemeinschaft richtet Blick auf die Schwachen

Bedford-Strohm verlangte vor den 120 Synodalen entschiedenen Widerstand gegen den Rechtspopulismus in Europa und den USA und gegen hasserfüllte Kommunikation im Internet. "Nicht das Gespräch oder der Diskurs mit anderen wird gesucht, sondern eine militante Verstärkung der eigenen Vorurteile und des eigenen Hasses." Eine solche Kommunikation schlage Jesus Christus ins Gesicht. "Das politische Klima wird vergiftet. Gefühle der eigenen Größe werden gegen andere gerichtet", sagte Bedford-Strohm und fragte, was die Antwort der Kirche darauf sein könne?

Das Pfingstwunder (Apg 2, 14f), als Geschichte eines Wunders der Kommunikation, stelle kulturelle und sprachliche Unterschiede in den Hintergrund und verbinde stattdessen die Menschen durch das Evangelium zu einer Gemeinschaft. In so einer Gemeinschaft, in der der gekreuzigte Christus Maßstab sei, sei der Blick auf die Schwachen gerichtet. Diese biblischen Sensibilität könne die christliche Gemeinschaft den Renationalisierungtendenzen entgegensetzen, die nur auf Allmacht aus seien. Der Geist der Gemeinschaft könne Einheit stiften, die christliche Liebe öffne die Augen für die Perspektive der anderen. Sprachlosigkeit werde überwunden.

Angesichts der unterschiedlichen Positionen in den Flüchtlingspolitiken der europäischen Länder betonte Bedford-Strohm, wie wichtig es sei, im Gespräch zu bleiben. Daran arbeite der Rat der EKD stetig und es hätten dazu bereits viele erfreuliche Gespräche mit Glaubens-Geschwistern aus anderen Nationen, wie beispielsweise aus Ungarn, stattgefunden.

Das Zitat des "Ungeistes der Gnadenlosigkeit" als Kultur der gegenwärtigen Gesellschaft, die Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Rede zu den Feierlichkeiten der Eröffnung des 500. Reformationsjubiläums angesprochen hatte, führte Bedford-Strohm mit Martin Luthers Rechtfertigungslehre aus: "Wie voll das moralische Punktekonto ist, darauf kommt es nicht an", sagte Heinrich Bedford-Strohm und erinnerte an die erste von Luthers 95 Thesen. "Tut Buße", wer diese Aufforderung Luthers ernst nehme, könne heilsame Impulse für die Gesellschaft als Ganzes setzen. Denn sie könne eine Kultur der kritischen Selbstprüfung und Lernbereitschaft schaffen. Wer Fehler zugeben könne, schaffe ein barhermziges, selbstkritisches und ein zuversichtliches Deutschland.

Im Laufe der Synode in Magdeburg werden die 120 Kirchenparlamentarier sich über den Reformprozess "Kirche der Freiheit" austauschen. Dieser war im Jahr 2006 mit einem Impulspapier der EKD angestoßen worden. Der bisher zehn Jahre andauernde Prozess sei mit vielen Lernerfahrungen vorangekommen, sagte Heinrich Bedford-Strohm. Ein Ergebnis des Rates der EKD sei es, die Landeskirchen um eine Stellungnahme zum Reformprozess gebeten zu haben. Diese Ergebnisse liegen nun aus den meisten Landeskirchen vor. Daraus werde nun der Rat der EKD  Perspektiven für den Reformprozess erarbeiten, um den Gliedkirchen weitere Impulse vorlegen zu können. Eine Aussprache über den Reformprozess ist für Dienstag, 8. November 2016, im Plenum der Synode vorgesehen.