Erzbischof von Canterbury: Tiefe Verunsicherung nach Brexit-Votum

Erzbischof von Canterbury: Tiefe Verunsicherung nach Brexit-Votum
Das Oberhaupt der Kirche von England sieht schwere Zeiten für Großbritannien. Der "Schock des Brexits" sollte aus seiner Sicht aber dazu anspornen, für eine gerechtere Gesellschaft zu kämpfen.
Deutschland spricht 2019

Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, sieht nach dem Brexit-Votum schwere Zeiten auf Großbritannien zukommen. Dem Land stehe für die kommenden Jahre eine Phase der "tiefen Verunsicherung" bevor, sagte das geistliche Oberhaupt der Kirche von England am Freitag vor der Generalsynode der Anglikaner in York. Das gelte sozial, wirtschaftlich und auch spirituell. Aufgabe der Kirche sei, an Gott zu erinnern und sich gegen Ungleichheit und für Integration in der Gesellschaft einzusetzen. "Dies ist keine Zeit für Angst", sagte Welby.

Zugleich zwinge der "Schock des Brexits" den Staat und die Kirchen, nach einer gerechteren Gesellschaft zu streben, sagte der Erzbischof unter anderem mit Blick auf kürzlich veröffentlichte Zahlen zur Kinderarmut und auf mangelhafte Gesundheitsversorgung. In Richtung der europäischen Kirchen und Länder betonte Welby unter Applaus: "Auch wenn wir die Europäische Gemeinschaft verlassen werden, werden wir nicht Europa verlassen."

Dabei sprach das Oberhaupt der anglikanischen Kirche direkt den deutschen Landesbischof Ralf Meister an. Der hannoversche Landesbischof hatte zuvor in seinem Grußwort vor der Synode die Bedeutung der Europäischen Union als Wertegemeinschaft betont. "Der europäische Traum ist ein Traum von Humanität und Gerechtigkeit", sagte Meister. Es gehe nicht um die Frage, ob die Börse ihren Sitz in London oder Frankfurt habe.

Ein geeintes Europa stehe für Frieden, sagte Meister. Die gemeinsame Aufgabe der Kirchen sei, vor Missständen zu warnen und aus dem Glauben heraus die Hoffnung auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden weiterzutragen. Meister ist einer der beiden Vorsitzenden der Meissen-Kommission der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Kirche von England.

Nach der Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU führe die Diskussion vielfach in eine falsche Richtung, kritisierte der deutsche evangelische Bischof. Es dürften nicht allein wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt stehen.

Die Synode der anglikanischen Kirche begann Freitagmittag mit einem Gottesdienst und tagt noch bis Dienstag.  Die gemeinsame Meissen-Kommission der EKD und der Kirche von England besteht aus jeweils fünf Mitgliedern beider Kirchen. In der "Meissener Erklärung" haben sich EKD und die anglikanische Kirche 1991 zur Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verpflichtet. Pfarrer können danach in der jeweils anderen Kirche predigen und Gläubige am jeweiligen Abendmahl teilnehmen. Im sächsischen Meißen begann die Annäherung der beiden Kirchen.