Thema Flüchtlinge bei Maischberger: "Das ist plumper Hass und Rassismus"

Die ARD-Moderatorin Anja Reschke (r.) zu Gast bei Sandra Maischberger zum Thema "Die Flüchtlingskrise: Politiker ratlos, Gesellschaft gespalten".

Foto: WDR/Max Kohr

Die ARD-Moderatorin Anja Reschke (r.) zu Gast bei Sandra Maischberger zum Thema "Die Flüchtlingskrise: Politiker ratlos, Gesellschaft gespalten".

Thema Flüchtlinge bei Maischberger: "Das ist plumper Hass und Rassismus"
Mit einer Gesprächsrunde über Flüchtlingspolitik meldete sich Sandra Maischberger aus der Sommerpause zurück. Trotz guter Einzelaspekte und meinungsstarker Gäste verlor sich die Sendung in Unübersichtlichkeit.

Die Bundesrepublik scheint seit einigen Wochen geteilt. Während vielerorts Ehrenamtliche Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Deutschland unterstützen, formiert sich woanders ein Protest, der immer wieder in blanken Hass umschlägt: "Weg mit dem Dreck", skandierte etwa eine Menschengruppe vor einem Flüchtlingsheim in Freital.

Es waren solche Rufe, die die Panorama-Moderatorin Anja Reschke zu ihrem berühmten Kommentar veranlasste. Ähnlich meinungsstark trat Reschke in der ersten Talkrunde von Sandra Maischberger nach der Sommerpause auf. "Die Flüchtlingskrise: Politiker ratlos, Gesellschaft gespalten" hatte die Redaktion zum Thema gemacht. Neben Reschke war zeitweise der Schauspieler Til Schweiger aus Hamburg zugeschaltet. Er hatte für Schlagzeilen gesorgt, als er sich über fremdenfeindliche Kommentare auf seinem Facebook-Profil ärgerte. "Es ist nicht tolerierbar, dass der Mob tobt, während Menschen da sind, die vor einem Krieg geflohen sind", kritisierte er bei Maischberger Szenen aus Freital. Gleichzeitig nahm er aber auch die Protestierenden in Schutz: "Das hat viel mit Angst zu tun. Es gibt Menschen, denen es schlecht geht. Die sehen, dass der Kindergarten nicht repariert wird und Flüchtlinge in die Turnhallen kommen – dann kippt die Stimmung in Deutschland", warnte Schweiger.

Dem widersprach Reschke: "Mein Eindruck ist nicht, dass es denjenigen, die kritisch schreiben, schlecht geht. Viele wirken satt. Sie haben nur Angst, ihren Status zu verlieren und abgeben zu müssen." Reschke kritisierte zudem die Art und Weise der Kommentare: "Es gehört zur freien Meinungsäußerung zu sagen: 'Ich will keine Flüchtlinge haben.', aber man kann nicht sagen: '95 Prozent, die herkommen, sind unbrauchbar und untauglich. Jagt sie durch den Eurotunnel und lasst Züge drüber fahren.'"

Dağdelen: "Versagen der Politik"

Einig waren sich Raschke und Schweiger darin, dass von der Politik deutlichere Reaktionen kommen müssen: "Bei der Oderflut kamen viele hochrangige Regierungsmitglieder und gaben sich die Schaufel in die Hand. Wenn die Leute schreien: 'Weg mit dem Dreck', kommt niemand", sagte die Moderatorin, "obwohl das purer, plumper Hass und Rassismus ist." Auch Schweiger forderte klare Bekenntnisse der Politik. Auch die Linken-Politikerin Sevim Dağdelen stimmte mit ein: "Ich hätte mir gewünscht, dass die Kanzlerin ein klares Signal sendet, sich nach Freital begibt und die Anschläge gegen Flüchtlingsheime verurteilt. Ansonsten hält die Regierung auch viel von Symbolpolitik."

Für Dağdelen trägt die Regierung die Hauptschuld daran, dass es zu wenige Unterkünfte für Flüchtlinge gibt: "Es war absehbar, dass die Menschen kommen würden, aber die Politik hat nicht rechtzeitig gehandelt. Dass wir in dieser Situation sind, ist ein Versagen der Politik", kritisierte sie.

Das sah CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer gänzlich anders und appellierte an die Verantwortung Europas: "Wenn Polen so viele Flüchtlinge aufnimmt wie München, ist ein Missverhältnis gegeben", kritisierte der Politiker und wiederholte die Forderung seiner Partei, Asylanträge von Menschen vom Balkan, schneller abzulehnen.

"Ich bin nicht der erste, der nach Zäunen ruft"

Mit solchen Äußerungen verscherzte es sich der Politiker mit Til Schweiger, und wer darauf gehofft hatte, dass der Schauspieler in der Talkshow ähnlich poltern würde wie auf seiner Facebook-Seite ("Ihr seid zum Kotzen! Wirklich! Verpisst Euch von meiner Seite, empathieloses Pack! Mir wird schlecht!"), wurde nicht enttäuscht. Schweigers Entrüstung über Scheuer gipfelte in Äußerungen wie "Sie gehen mir auf den Sack". Später überraschte der Schauspieler dann jedoch mit Aussagen wie: "Angesichts der Weltlage weiß ich nicht, ob man die offenen Grenzen aufrecht erhalten sollte. Ich bin nicht der erste, der nach Zäunen ruft", um im selben Atemzug zu betonen, dass man mit den hohen Flüchtlingszahlen Angst schüre.

Ähnlich ungelenkt wie Schweigers Argumentation verliefen leider auch große Strecken der Diskussion – auch wenn Maischberger sichtlich bemüht um Struktur war und die Gäste meinungsstark auftraten. Doch es wurden zu viele Themen angesprochen, als dass sie in 75 Minuten Platz gefunden hätten. Fast komplett fehlte die Einordnung von Zahlen – das wäre eine wichtige Ergänzung gewesen, wo jeder versuchte, sie für seine Argumentation zu instrumentalisieren. Jeder Politiker, jede Zeitung und jede Talkshow sollte sich bewusst sein, dass öffentliche Äußerungen die Wahrnehmung der aktuellen Situation von Flüchtlingen in Deutschland und auf der Welt beeinflussen kann.