„Der Chef kommt gleich, der ist noch in Griechenland“. So konnte man vor einigen Tagen in den Niederlanden hören. Nein, eigentlich im Michaeliskloster Hildesheim. Dort treffen sich einmal im Jahr die Pfarrerinnen und Pfarrer, die für einige Wochen ins Ausland gehen, um an einem beliebten Urlaubsort Gottesdienste zu feiern und weitere Angebote für Touristen zu machen. Und zwischendurch teilen sie sich dann halt auch in „Regionalgruppen“ auf, so dass man tatsächlich innerhalb von zwei Minuten von Griechenland in die Niederlande kommen kann, wo der deutsche Pfarrer von Rotterdam und Amsterdam per Video zugeschaltet ist.
Es sind erstaunlich viele Orte, an denen die evangelische Kirche vertreten ist. In Österreich und Italien sind es so viele, dass diese Ziele jeweils eine eigene Tagung haben. Beim Mittagessen trifft man sich dann mit der nächsten Gruppe – und am letzten Tag kommen „alle anderen“. Schweden, Dänemark, Niederlande, Polen, Rumänien, Griechenland. Die innerdeutschen Ziele sind da gar nicht vertreten. Sie werden von den jeweiligen Landeskirchen selbst verantwortet. Ach ja, und Seelsorge auf Kreuzfahrtschiffen gibt’s auch noch, aber das ist nochmal eine ganz eigene Schiene.
„Kirche im Urlaub“ heißt das Angebot, das von der Auslandsabteilung der EKD verantwortet wird. Ein bisschen zweideutig, man könnte auch meinen, die Kirche wäre gerade nicht zu erreichen. Trotzdem eingängiger als der bisherige Titel „evangelische Tourismusseelsorge“. Gerade im Urlaub sind Menschen oft offener für neue Erfahrungen. Und sie haben Zeit. Zeit, auch mal in einen schönen Gottesdienst zu gehen. Oder zu einer Strandwanderung mit Andacht. Oder sich auf ein Gespräch in einer Kirche einzulassen. Oder, oder, oder.
Die Erfahrungen sind zum ganz großen Teil sehr positiv. Die Pfarrerinnen und Pfarrer, die das schon länger machen, sind meist begeistert dabei. Und sie investieren viel: Zwar gibt es von der EKD ein kleines Taschengeld und einige Tage werden auf den Urlaub angerechnet, aber um Fahrt und Unterkunft zu bezahlen, reicht es in der Regel nicht.
Meist sind aktive Gemeinden vor Ort, die die Pfarrerinnen und Pfarrer bei ihrer Arbeit unterstützen. Viele Angebote gibt es schon seit Jahrzehnten. Manchmal sind die Teams miteinander alt geworden und irgendwann schläft die Initiative ein. Anderswo geht es mit frischem Elan weiter. „Meine“ Mennoniten in Ouddorp, Südholland, greifen nach Jahrzehnten, in denen sie die Gottesdienste in eigener Regie organisierten, seit einigen Jahren auf die Hilfe der EKD zurück.
Kirche im Urlaub. Ein wirklich segensreicher Dienst, finde ich. Vielleicht treffen Sie auch an Ihrem Urlaubsort auf ein solches Angebot? Wenn nicht – auch die Ortsgemeinden selbst sind oft ein schöner Ort für eine Auszeit, selbst wenn man im Gottesdienst nicht alles versteht. Oder aber eine offene Kirche lädt dazu ein, einen Moment der Ruhe zu genießen.
Ob Sie nun in den Urlaub fahren oder nicht, ob Sie ein kirchliches Angebot finden oder nicht – suchen Sie sich doch mal einen Moment zu Abschalten! Das geht sogar zu Hause.



